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25.07.2017

12:23 Uhr

„Merkels Deutschland Hitler überholt“

Türkische Medien vergleichen Merkel mit Hitler

Der Streit zwischen der Türkei und Deutschland eskaliert weiter. Die Zeitung „Yeni Akit“ macht nun mit der Schlagzeile „Schlimmer als Hitler“ und einem Foto, welches die Kanzlerin mit Hakenkreuz zeigt, weiter Stimmung.

Die Schlagzeile der Zeitung lautet „Schlimmer als Hitler“ - dazu ein Foto von Bundeskanzlerin Merkel mit Hakenkreuz. dpa

Türkische Zeitung „Yeni Akit“

Die Schlagzeile der Zeitung lautet „Schlimmer als Hitler“ - dazu ein Foto von Bundeskanzlerin Merkel mit Hakenkreuz.

IstanbulRegierungsnahe türkische Medien machen weiter Stimmung gegen Deutschland. Die Schlagzeile der islamistischen Zeitung „Yeni Akit“ lautete am Dienstag: „Schlimmer als Hitler“. Dazu zeigte das Blatt ein Foto von Kanzlerin Angela Merkel mit Hakenkreuz und folgendem Text: „Bei der Unterdrückung und beim Hass hat Merkels Deutschland Hitler überholt.“ Die Zeitung schreibt, in Deutschland würden kranke Türken nicht behandelt, türkische Arbeiter würden entlassen, Wohnungen würden nicht mehr an Türken vermietet.

Die regierungsnahe Zeitung „Star“ befasste sich mit dem inhaftierten deutschen Menschenrechtstrainer Peter Steudtner, den das Blatt als „Chaos-Trainer Peter“ bezeichnete. Die Titelzeile lautete: „Das Konsulat hat uns beobachtet“. „Star“ berichtete unter Berufung auf Steudtners Aussage bei der Staatsanwaltschaft, das deutsche Generalkonsulat habe bei dem Seminar der Menschenrechtler durch den Einsatz eines Computerprogramms über jeden Schritt Bescheid gewusst. Das Blatt unterstellt den Menschenrechtlern, einen Aufstand geplant zu haben. Die Polizei hatte das Seminar am 5. Juli gestürmt.

Neun Gründe, warum Deutschland nicht härter gegen Erdogan durchgreift

Verhältnismäßigkeit von Sanktionen

Menschenrechtler und Journalisten verhaften ist eine Sache, ein Land zu überfallen eine andere. Nach der russischen Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim 2014 und wegen der Militärhilfe für prorussische Separatisten in der Ostukraine beteiligt sich Deutschland an den EU-Sanktionen gegen Moskau. Für die Türkei sind solche Strafmaßnahmen aber noch nicht geplant.

Deutschtürken

Drei Millionen Menschen mit türkischen Wurzeln leben hierzulande, nicht wenige davon sind Anhänger Erdogans. Die seien wichtig für Deutschland, hätten das Land schließlich mit aufgebaut, sagt Außenminister Sigmar Gabriel am Donnerstag. „Sie wollen und - da bin ich sicher - werden wir nicht verlieren.“ Deshalb hoffe man weiter auf bessere Beziehungen zur Türkei.

Tourismus

Die Türkei ist eines der beliebtesten Reiseziele der Deutschen. Das Auswärtige Amt mahnt die Bürger nun zu erhöhter Vorsicht. Solche Reisehinweise sind aber nicht das schärfste Instrument im diplomatischen Besteckkasten - eine offizielle Reisewarnung wäre wesentlich härter. Allerdings geht es dann um eine konkrete Gefahr für Leib und Leben. Eine Warnung würde die Tourismusindustrie empfindlich treffen - auf beiden Seiten.

Betreuung der Gefangenen

Mehr Härte gegenüber der Regierung in Ankara könnte den Zugang zu den inhaftierten Deutschen aufs Spiel setzen. Neun Deutsche sitzen derzeit im Gefängnis, das Auswärtige Amt bemüht sich um konsularischen Zugang. „Ich fände es falsch, wenn man der Türkei im Moment Argumente liefert, uns das auch noch zu verwehren“, warnt Justizminister Heiko Maas (SPD).

Nato-Bündnispartner

Seit 1952 schon ist die Türkei Mitglied der Nato. Das türkische Militär ist mit etwa 640.000 Soldaten und zivilen Mitarbeitern eines der größten der Welt - und wird im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gebraucht.

Bundeswehr

Auch als Stützpunkt deutscher Truppen ist die Türkei noch bedeutsam. Der Bundestag beschloss zwar den Abzug der Bundeswehr vom Militärstützpunkt Incirlik in Richtung Jordanien - ein beispielloser Vorgang. Grund ist das Besuchsverbot für Bundestagsabgeordnete bei den deutschen Soldaten. Auf dem Nato-Stützpunkt in Konya ist die Bundeswehr aber weiterhin stationiert. Auch dort verweigert Erdogan den Parlamentariern derzeit den Besuch.


EU-Beitritt

Die Türkei ist seit 1999 Kandidat für einen EU-Beitritt, seit 2005 wurde darüber konkret verhandelt. Im November 2016 fordert das EU-Parlament, die Beitrittsgespräche mit Ankara einzufrieren. Die EU erklärt bald darauf, die Gespräche würden vorerst nicht ausgeweitet. Würde die Türkei beitreten, wäre sie zwar der ärmste, aber nach Einwohnern der zweitgrößte Mitgliedstaat. Ziel war es, die Türkei durch die Beitrittsverhandlungen enger an den Westen und Europa zu binden. Diese Hoffnung ist derzeit weitestgehend erloschen - auch weil der Beitritt für Erdogan nicht mehr wichtig ist.

Flüchtlngsabkommen

Durch den EU-Türkei-Flüchtlingspakt hat das Land zusätzliches politisches Gewicht erhalten. Seit Beginn des Syrienkriegs nahm die Türkei nach eigenen Angaben 2,7 Millionen syrische Flüchtlinge auf. Ankara droht immer wieder damit, die Kooperation mit der EU aufzukündigen. Kanzlerin Angela Merkel hat aber kein Interesse daran, dass Erdogan wieder massenhaft Migranten gen Deutschland weiterziehen lässt - schon gar nicht im Wahlkampf.

Brücke in den Osten

Die Türkei gilt als Schlüsselstaat und Brücke zwischen Europa und Asien. Als Nachbarstaat von Griechenland und Bulgarien auf der einen Seite, Syrien, dem Irak und dem Iran auf der anderen Seite liegt das Land zwischen der EU-Außengrenze und den Konfliktgebieten des Nahen und Mittleren Ostens. Durch eine härtere Gangart befürchtet die Bundesregierung, die Türkei könnte gen Osten abdriften - vor allem Richtung Russland.

„Star“ nennt das Programm „Elepant“ beziehungsweise „Elephant“. Tatsächlich handelt es sich um die Krisenvorsorgeliste „Elefand“, in die sich Deutsche bei den Auslandsvertretungen freiwillig eintragen können und die mit Überwachung nichts zu tun hat. Ziel ist, dass die jeweilige Vertretung „in Krisen- und sonstigen Ausnahmesituationen mit Deutschen schnell Verbindung aufnehmen kann“, heißt es beim Auswärtigen Amt über die Liste.

Der Sprecher von Präsident Recep Tayyip Erdogan, Ibrahim Kalin, schrieb in einem Beitrag für die regierungsnahe Zeitung „Daily Sabah“: „Eine Beziehung zwischen der Türkei und Europa auf der Grundlage von Vertrauen, gemeinsamen Interessen, Gleichheit und Respekt ist möglich und notwendig. Türken, Deutsche und Europäer müssen hart daran arbeiten, irrationale Haltungen und unverantwortliche Politik zu vermeiden, die am Ende allen wehtut.“

Konsulatsbesuch in der Türkei: Anwälte legen Einspruch gegen U-Haft ein

Konsulatsbesuch in der Türkei

Anwälte legen Einspruch gegen U-Haft ein

Anfang Juli wurden mehrere Menschenrechtler von der türkischen Regierung inhaftiert. Unter ihnen ist auch Peter Steudtner. Nun haben Anwälte Einspruch gegen die U-Haft eingelegt – mit wenig Aussicht auf Erfolg.

Kalin fügte hinzu: „Es gibt für Deutsche und andere ausländische Staatsbürger keine Bedrohung, wenn sie die Türkei besuchen oder Geschäfte machen.“ Der Präsidenten-Sprecher kritisierte zugleich „die Besessenheit der deutschen Medien mit Erdogan“. Deren Berichte läsen sich nicht wie seriöse Kommentare, sondern „wie die abschweifenden Gedanken von Geistesgestörten“. Zielpublikum der englischsprachigen Zeitung „Daily Sabah“ sind Ausländer in der Türkei.

Von

dpa

Kommentare (8)

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Herr Günther Schemutat

25.07.2017, 13:20 Uhr

Die Aussage dieses Schmieren Blatt Yeni Akit ist völlig haltlos, Adolf Hitler hatte zu Deutschland ein gestörtes Verhältnis , das über das Normalmaß an Nationalstolz sehr
weit darüber ging.

Angela Merkel hat kein überhaupt Verhältnis zu Deutschland , da Deutschland als Nationalstaat von der Union abgeschafft wurde und zum Weltbahnhof umfunktioniert wurde , ist Merkel nichts weiter als der Bahnhofsvorstand.


Das Türken keine Wohnung bekommen , stimmt nicht in Deutschland entscheidet die Schufa mit. Wahr ist wie in Hamburg z.B wenn in einem 8 Familien Haus

5 Wohnungen von Türken belegt sind, wird alles getan um die Deutschen oder andere Nationen zu vergraulen. Bis das Haus nur mit Türken bewohnt ist.

Das ist nachprüfbar gerade in Hamburg .

Herr Tomas Maidan

25.07.2017, 13:25 Uhr

Niedlich, dass die Türken nicht wissen, wer Hitler war, und wie er an die Macht gekommen ist. Jeder Rechts-Sympathisant sollte sich einmal die deutschen Jahre von 1932 bis 1939 ansehen.

"Der wird sich schon mäßigen" war nur eine der fatalen Verniedlichungsgedanken. Hitlers Attacken auf das Parlament und auf die Medien war beispiellos. Am Ende hatte er den Volksempfänger als Verdummungsmaschine eingesetzt. Ähnlich, wie es die aktuelle Propagada-Trolle anstreben.

Herr Hans Klahrin

25.07.2017, 13:28 Uhr

Einerseits deutsche Medien mit „wie die abschweifenden Gedanken von Geistesgestörten“. beschreiben. Aber andererseits Merkel mit Hakenkreuz drucken....
Da sind die türkischen Qualiätsmedien ja ganz weit vorn.
Man merkt wirklich, dass die guten Journalisten geflohen oder im Kittchen sind. Denn die hätten sowas dezidiert recherchiertes, wie "in Deutschland würden kranke Türken nicht behandelt, türkische Arbeiter würden entlassen, Wohnungen würden nicht mehr an Türken vermietet." nicht schreiben. Denn es haben doch mio an Türken verwandte in Europa mittlerweile. Die werden das wohl kaum bestätigen. Wo da wohl noch enden wird....

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