Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

07.04.2013

21:14 Uhr

Messe-Eröffnung

Merkel fordert aktive Zivilgesellschaft in Russland

Die Gegensätze waren deutlich: Bei der Eröffnung der Hannover Messe forderte Kanzlerin Angela Merkel eine aktive Zivilgesellschaft in Russland. Kreml-Chef Putin betonte dagegen den wirtschaftlichen Dialog.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Russlands Staatspräsident Wladimir Putin im Congress Centrum in Hannover anlässlich der Eröffnung der Hannover Messe. dpa

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Russlands Staatspräsident Wladimir Putin im Congress Centrum in Hannover anlässlich der Eröffnung der Hannover Messe.

HannoverMit klaren Worten hat sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) für eine offene Gesellschaft in Russland ausgesprochen. Dies sei ein Garant für Wohlstand, sagte die Kanzlerin am Sonntagabend in Hannover. „Wir sind der Überzeugung, dies gelingt dann am besten, wenn es eine aktive Zivilgesellschaft gibt“, betonte Merkel in der Stadthalle der Landeshauptstadt, wo sie zusammen mit Russlands Präsident Wladimir Putin die weltgrößte Industriemesse Hannover Messe eröffnete.

Merkel ging damit auf die aktuellen politischen Verstimmungen ein, zu denen Razzien bei zivilen Einrichtungen in Russland jüngst geführt hatten. „Wir müssen diese Diskussion intensivieren, unsere gegenseitigen Vorstellungen weiterentwickeln und auch den Nichtregierungsorganisationen, auch den vielen Vereinigungen, die wir aus Deutschland immer wieder als Innovationsmotoren kennen, in Russland eine gute Chance geben“, sagte die Kanzlerin. Für diese Worte erntete Merkel Zwischenapplaus.

Infos zur Hannover Messe

Leitmesse für die Industrie

Die Hannover Messe gilt als weltgrößte Industrieschau. Rund 6500 Aussteller aus 62 Ländern kommen in die niedersächsische Landeshauptstadt, knapp drei Prozent mehr als bei der letzten vergleichbaren Auflage vor zwei Jahren (6333 Aussteller). Größter Teilbereich ist in diesem Jahr die klassische Industrieautomation. Energietechnik, IT-Lösungen in der Fertigung, Elektromobilität sowie spezielle Anwendungen für Zulieferer und Leichtbau stehen ebenfalls auf dem Programm.

Partnerland Russland

Im vergangenen Jahr war die aufstrebende Industriemacht China Partnerland, in diesem Jahr ist es Russland. 160 Unternehmen aus dem Riesenreich kommen nach Hannover – das ist die bislang größte russische Beteiligung an einer internationalen Industriemesse. Die Veranstalter erhoffen sich Impulse für die Wirtschaftsbeziehungen.

Reizthema Menschenrechte

Bundeskanzlerin Angela Merkel und der russische Präsident Wladimir Putin eröffnen die Messe am Sonntag. Das Verhältnis der beiden ist gespannt: Die Kanzlerin hatte dem Präsidenten erst im November auf offener Bühne in Moskau Defizite bei Demokratie und Menschenrechten unter die Nase gerieben. Nun kritisiert sie die kürzlichen Razzien russischer Behörden bei Nichtregierungsorganisationen, der deutschen CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung und der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung. Vermutlich wird Putin die Kanzlerin in Hannover aber ähnlich abblitzen lassen wie im November.

China und Italien liegen vorn

Der Anteil ausländischer Aussteller liegt in diesem Jahr erstmals über 50 Prozent. Unter ihnen stellt China mit mehr als 730 Ausstellern das größte Firmen-Kontingent, gefolgt von Italien, der Türkei, dem Partnerland Russland sowie Frankreich.

Leitthema Integrated Industry

Die Messegesellschaft hat die integrierte Industrie zum Leitthema erkoren. Es geht darum, wie die industrielle Produktion mithilfe der Informationstechnik effizienter ablaufen kann – etwa, indem sich Fertigungsanlagen selbst korrigieren. Aber auch intelligente Stromnetze zählen dazu.

Die Stadt der Zukunft

Ein anderer Schwerpunkt steht unter dem Thema „Metropolitan Solutions“ – es geht um Lösungen für die Stadt der Zukunft, etwa energieeffiziente Gebäude oder Mobilität. Anhand von Beispielen aus Städten wie Moskau, Seoul, Johannesburg oder Barcelona soll gezeigt werden, welche technischen Lösungen öffentliche Verwaltungen als Antwort auf den urbanen Siedlungsdruck vorhalten.

Preise und Öffnungszeiten

Die Messe richtet sich vornehmlich an Entscheider aus der Industrie, aber auch Studenten und Absolventen technischer Fächer. Ein Tagesticket kostet im Vorverkauf 28 Euro, an der Tageskasse 35 Euro. Fürs Dauerticket werden 64 bzw. 76 Euro fällig. Ermäßigte Eintrittskarten kostet 15 Euro. Mehr Informationen unter www.hannovermesse.de/tickets. Die Messe ist vom 8. bis einschließlich 12. April jeweils von 9 bis 18 Uhr geöffnet.

Zugleich betonte Merkel aber die enge wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Russland. „Wir von deutscher Seite können sagen, dass alles was wir mit Russland vereinbart haben an wirtschaftlicher Zusammenarbeit, zuverlässig und planmäßig erfolgt ist und sich daraus eine Solidität der Beziehungen ergibt.“ Es müsse auch künftig Rechtssicherheit für die deutschen Unternehmen in Russland geben. Chancen gebe es für deutsche Firmen etwa bei der Rohstoffförderung und dem Ausbau der Infrastruktur.

Putin will sich vor allem für einen konsequenten Ausbau der deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen starkmachen. „Die Welt- und Europawirtschaften bleiben leider sehr fragil“, sagte er am Abend in Hannover. Umso wichtiger sei eine Stärkung des Austausches zwischen den beiden Ländern. „Ich bin zuversichtlich, dass Russland einen starken Impuls setzt für die Zusammenarbeit.“ Putin will sich auch persönlich für „eine Stärkung des wirtschaftlichen Dialogs“ einsetzen. Abschließend versicherte er, „dass Russland für eine gegenseitig vorteilhafte Zusammenarbeit offen ist“.

Überschattet ist Putins Besuch von anhaltender Kritik am Vorgehen Russlands gegen die Zivilgesellschaft. Ende März hatten russische Behörden mehrere deutsche politische Stiftungen durchsucht, was hierzulande auf Empörung stieß. Putin hatte am Wochenende in einem ARD-Interview die Durchsuchung deutscher politischer Stiftungen in Moskau und St. Peterburg verteidigt, die deutsche Politiker als Einschüchterungsversuch der russischen Opposition kritisiert haben. Bereits vor der Eröffnungsveranstaltung hatte die Kanzlerin gesagt, dass sie in den politischen Gesprächen mit Putin am Abend „sicher auch kontroverse Themen“ ansprechen werde.

Die Hannover Messe öffnet diesen Montag erstmals seine Tore. An der Branchenschau nehmen diesmal 6500 Aussteller aus 65 Ländern teil, die größte Teilnehmerzahl seit zehn Jahren. Das Partnerland Russland ist mit 167 Ausstellern vertreten, so viel wie noch nie auf einer Messe außerhalb Russlands.

Kommentare (14)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

07.04.2013, 22:00 Uhr

Die "aktive Zivilgesellschaft" bildet sich gerade in Deutschland als "Alternative für Deutschland" Partei AfD - da wird Frau Merkel noch genug Gegenwind bekommen.

Das Beste für Deutschland wäre, wenn Merkel ab September 2013 weder in der Regierung noch weiter in der CDU erscheint. Wir müssen sie loswerden ! Deutschland und Europa müssen sich von ihr befreien. Weg auch mit "EU in Brüssel".

Account gelöscht!

07.04.2013, 22:15 Uhr


Ich kann mir unter einer aktiven Zivilgesellschaft nicht viel vorstellen und auch nicht bewerten, was Frau Merkel damit meint. In Deutschland haben wir jedenfalls keine Zivilgesellschaft, sondern eine Schmarotzerrepublik, in der Recht, Rechtsprechung und Gerechtigkeit keine Schnittmenge mehr bilden. Eben eine solche Gesellschaft, in der diejenigen, die arbeiten, die Deppen sind.

Da kann es in Russland nicht schlechter sein; jedenfalls hat Russland eine berechenbare und intelligente Führung. Das grenzt dieses Land schon von den Wegelagerern in unserer Schmarotzerrepublik ab.

Account gelöscht!

07.04.2013, 22:28 Uhr

Frau Merkel und auch BP Gauck suchen noch willige Vasallen als "Ehrenamtliche", die als Wasserträger der Alt-Parteien-Politik öffentlich auftreten. Die Promies sind ausgelaugt die will keiner mehr sehen, jetzt werden "Ehrenamtliche" gesucht für die Polit-Show in Deutschland. Darunter verstehen sie "aktive Zivilgesellschaft" als ferngesteuerte Kulisse.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×