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08.12.2015

14:55 Uhr

Messerangriff in London

Verdächtiger hat offenbar psychische Probleme

Der mutmaßliche Attentäter aus London, der am Samstag drei Menschen mit einem Messer verletzt haben soll, hat offenbar psychische Probleme. Seine Familie wollte ihm helfen – offenbar genau einen Tag zu spät.

Zwar fanden die Ermittler auf dem Handy des Verdächtigen Fotos, die mit dem IS verbunden werden. Doch die Familie weist auf psychische Probleme des 29-Jährigen hin. ap

Islamistisches Motiv?

Zwar fanden die Ermittler auf dem Handy des Verdächtigen Fotos, die mit dem IS verbunden werden. Doch die Familie weist auf psychische Probleme des 29-Jährigen hin.

LondonDer Mann, der in einer Londoner U-Bahn-Station drei Menschen mit Messerstichen verletzt hat, soll nach Angaben seiner Familie psychische Probleme gehabt haben. Sein Bruder sagte Channel 4 News, der 29-jährige Verdächtige habe nach der Diagnose Verfolgungswahn im Jahr 2007 drei Monate in einer Klinik verbracht. Danach sei es ihm zunächst besser gegangen, im August seien die Probleme aber wieder aufgetaucht. Sein Bruder habe begonnen darüber zu reden, dass er Dämonen und ähnliche Dinge gesehen habe.

Die Familie habe daraufhin die Polizei kontaktiert, aber entschieden, ihn mit der Familie nach Somalia zu schicken. Die Karten dafür seien für Sonntag gebucht worden – einen Tag nach der Attacke.

Die Staatsanwaltschaft geht von einem Terrorakt aus. Der Mann soll am Samstagabend in der Station Leytonstone im Osten Londons mit einem Messer drei Menschen verletzt und „das ist für Syrien“ gerufen haben, als er einem seiner Opfer in den Hals stach.

Großbritannien fliegt seit vergangener Woche auch im Bürgerkriegsland Syrien Luftangriffe auf die Terrormiliz Islamischer Staat. Offen war zunächst, ob es einen möglichen Zusammenhang gibt. Auf dem Handy des Verdächtigen hätten sich unter anderem Fotos befunden, die mit dem IS in Verbindung stehen, hieß es. Zudem sollen auch Bilder der Pariser Anschläge vom 13. November und britischer Antiterrorpolizisten gespeichert gewesen sein.

Erfolge, Niederlagen und Terror des IS seit Ausrufung des „Kalifats“

IS

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ging aus einem Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida im Irak hervor. Ein Rückblick:

29. Juni 2014

Die sunnitischen Dschihadisten rufen in den von ihnen eroberten Gebieten in Syrien und im Irak ein „Kalifat“ aus. Erster „Kalif“ des neuen Gottesstaates sei Anführer Abu Bakr al-Bagdadi.

August 2014

8. August: Die USA fliegen erste Angriffe im Nordirak.

August: Die Enthauptung eines US-Journalisten schockt die Welt. In den folgenden Monaten verbreitet der IS im Internet weitere Videos mit der Ermordung zweier US-Bürger und zweier Briten.

19. September und Dezember 2014

19. September: Frankreich startet mit Hilfe arabischer Partnerländer erstmals Luftangriffe auf IS-Stellungen in Syrien.

Dezember: Kurdische Soldaten beenden mit Hilfe internationaler Luftangriffe die Belagerung des Sindschar-Gebirges nahe der IS-Hochburg Mossul. Im August waren Zehntausende Angehörige der jesidischen Volksgruppe vor den Dschihadisten in die Berge geflohen.

Januar und Februar 2015

Januar 2015: Nach monatelangen Kämpfen vertreiben kurdische Kämpfer den IS aus der nordsyrischen Stadt Kobane an der türkischen Grenze.

Februar: Ein Video zeigt, wie ein gefangener jordanischer Pilot bei lebendigem Leib verbrannt wird. Zuvor hatte die Terrormiliz bereits die Tötung zweier japanischer Geiseln zur Schau gestellt.

März und April 2015

März: Irakische Kräfte erobern die strategisch wichtige Stadt Tikrit zurück, die die Extremisten im Juni 2014 besetzt hatten.

April: IS-Kämpfer dringen in Ramadi 100 Kilometer westlich von Bagdad ein. Tausende Iraker fliehen vor dem Terror Richtung Bagdad, dürfen die Hauptstadt aber nicht betreten.

Mai und Juli 2015

Mai: Die Terrormiliz bringt Ramadi vollständig unter ihre Kontrolle. Kurden erobern IS-Gebiete in Nordsyrien.

Juni: Der IS verbreitet ein schockierendes Video über neue Hinrichtungsmethoden.

24. Juli und 6. August 2015

24. Juli: Nach einem dem IS zugeschriebenen Anschlag im türkischen Suruc fliegen türkische Kampfjets erstmals Angriffe auf IS-Stellungen in Syrien. Zudem öffnet Ankara wenig später den südtürkischen Nato-Stützpunkt Incirlik für US-Luftschläge gegen den IS.

6. August: Einer US-Bilanz zufolge hat das internationale Anti-Teror-Bündnis in einem Jahr mehr als 5900 Luftschläge gegen den IS im Irak und in Syrien geflogen. Außerdem sollen 10 000 IS-Kämpfer bei Angriffen getötet worden sein.

18. und 23. August 2015

18. August: Der IS enthauptet den früheren Chef-Archäologen der irakischen Oasenstadt Palmyra. Nach US-Angaben stirbt die Nummer zwei der Terrormiliz, Hadschi Mutas, bei einem Luftangriff im Irak.

23. August: Der IS sprengt den rund 2000 Jahre alten Tempel Baal Schamin in Palmyra. Einige Tage später zerstören die Extremisten auch den Baaltempel.

September 2015

Eine weitere Koalition bildet sich.  Russland bestätigt erstmals die Präsenz von Militärexperten in Syrien. Vorher waren Bilder russischer Soldaten in Syrien in den sozialen Netzwerken aufgetaucht. Russland und Iran unterstützen Syrien im Kampf gegen den IS, aber auch gegen andere Oppositionsgruppen.

November 2015

Nach den Anschlägen von Paris vom 13. November mit mindestens 129 Toten fliegt die französische Luftwaffe verstärkt Angriffe auf die Stadt Al-Raqqa, das inoffizielle Zentrum des vom IS kontrollierten Gebiet im Irak und Syrien. Frankreich fliegt bereits seit September 2014 Luftangriffe auf IS-Stellungen.

Von

ap

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