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07.10.2017

12:52 Uhr

Mevlüt Cavusoglu

Türkischer Außenminister will besseres Verhältnis zu Deutschland

Inhaftierungen, Nazi-Vergleiche, Beleidigungen: Die deutsch-türkischen Beziehungen erreichten zuletzt einen Tiefpunkt. Der türkische Außenminister Cavusoglu will das ändern – verteidigt allerdings auch Präsident Erdogan.

„Es gibt keinen Grund für Probleme zwischen Deutschland und der Türkei“, so der türkische Außenminister. dpa

Mevlüt Cavusoglu

„Es gibt keinen Grund für Probleme zwischen Deutschland und der Türkei“, so der türkische Außenminister.

IstanbulNach dem türkischen Ministerpräsidenten hat sich auch Außenminister Mevlüt Cavusoglu für eine Normalisierung der angespannten Beziehungen zu Deutschland ausgesprochen. „Es gibt keinen Grund für Probleme zwischen Deutschland und der Türkei“, sagte Cavusoglu in einem Interview des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ (Samstagausgabe). „Wenn Ihr einen Schritt auf uns zugeht, gehen wir zwei auf Euch zu.“ Die Türkei sei auch bereit, gegebenenfalls mit einem zukünftigen Außenminister Cem Özdemir zusammenzuarbeiten. Der Grünen-Chef ist ein scharfer Kritiker Erdogans.

Zugleich verteidigte Cavusoglu kontroverse Aussagen von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan. Die Nazi-Vergleiche Erdogans seien eine „Antwort auf die Feindseligkeiten“ aus Deutschland gewesen. „Die Bundesregierung muss lernen, die Türkei zu respektieren.“ Im Fall des inhaftierten „Welt“-Korrespondenten Deniz Yücel verwies Cavusoglu auf die Unabhängigkeit der Justiz. Die Türkei ist jedoch nicht zu Zugeständnissen bereit. Der Fall sei in Deutschland aufgebauscht worden, sagte Cavusoglu. Über Schuld oder Unschuld entscheide die Justiz. Cavusoglu sprach sich jedoch für einen baldigen Prozessbeginn aus. „Je früher es zu einem Prozess kommt, desto besser.“ Im Fall des deutschen Menschenrechtlers Peter Steudtner, der ebenfalls in der Türkei inhaftiert ist, habe er sich jedoch für eine Beschleunigung des Verfahrens eingesetzt, sagte Cavusoglu.

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Traditionell besuchen türkische Delegierte die Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit. Doch das politische Verhältnis zwischen Berlin und Ankara angespannt wie nie. Einladungen des Botschafters werden ignoriert.

Am Ziel es EU-Beitritts hält Cavusoglu nach eigenen Worten fest. Die Haltung der Türkei sei in dieser Frage seit Jahren unverändert. „Die EU entscheidet über den Fortgang der Verhandlungen. Wir gehen unseren Weg trotzdem weiter.“ Es gebe keinen Grund, warum die Türkei kein erfolgreiches Mitglied der EU sein könne.

Ministerpräsident Binali Yildirim hatte in der vergangenen Woche gesagt, man müsse ein „neues Kapitel“ mit Berlin aufschlagen und die Beziehungen „reparieren“. Die Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei verschlechtern sich seit langem, inzwischen herrscht Eiszeit. Die türkische Regierung wirft Deutschland die Unterstützung von Terroristen vor. Die Bundesregierung fordert erfolglos die Freilassung von aus politischen Motiven inhaftierten Deutschen.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Frau Lana Ebsel

09.10.2017, 10:51 Uhr

Das "bessere Verhältnis" soll offensichtlich daraus bestehen, dass wir vor den Türken auf die Knie fallen und ihnen devot die Stiefel küssen.

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