Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

23.08.2016

21:45 Uhr

Mexiko

Im Land der illegalen Waffen

Mexiko ist eines der gefährlichsten Länder der Welt. Viele wollen sich mit einer eigenen Waffe schützen. Doch der Kauf ist extrem kompliziert und kontrolliert. Ausgerechnet die USA können nun bei der Bewaffnung helfen.

Kriminelle Banden oder Bürgerwehren: In Mexiko ist die Gewalt so eskaliert, dass sich nahezu jeder bewaffnen will.

So ein Fund ist die Regel in Mexiko

Kriminelle Banden oder Bürgerwehren: In Mexiko ist die Gewalt so eskaliert, dass sich nahezu jeder bewaffnen will.

Mexiko-StadtIn ganz Mexiko gibt es nur ein einziges legales Waffengeschäft. Es liegt auf einem Militärgelände und kann nur unter strengen Sicherheitsvorkehrungen betreten werden. Wer hier etwas kaufen möchte, muss hohe bürokratische Hürden überwinden. Da jede Art von Werbung für die Ware verboten ist, haben die meisten Mexikaner wohl auch noch nie von diesem Geschäft gehört. Trotzdem boomt der Verkauf, parallel zum Schwarzmarkt. Forderungen nach einer Liberalisierung sieht die Regierung aber weiterhin skeptisch.

Nach Angaben der mexikanischen Streitkräfte wurden in dem Geschäft am Rande der Hauptstadt noch im Jahr 2000 nur genau 549 Waffen verkauft. Im Jahr 2015 waren es demnach bereits 10.115. Besonders groß sei der Anstieg ab 2006 gewesen, als der damalige Präsident Felipe Calderón den Krieg gegen die Drogenkartelle ausgerufen habe, hieß es. Seit diesem Jahr wurden in Mexiko nach offizieller Statistik mehr als 164.000 Menschen getötet.

Mexiko und die Drogenbanden: Bikinis, Drogen, Auftragskiller

Mexiko und die Drogenbanden

Bikinis, Drogen, Auftragskiller

Einst war Acapulco Treffpunkt der Reichen und Schönen. Doch der mexikanische Küstenort ist zum Kampfplatz für Drogenkartelle geworden. Auf der Strandpromenade lauern 300 bezahlte Killer auf ihre Opfer.

Bewaffnete Überfälle und andere gewaltsame Verbrechen gehören in Mexiko inzwischen zum Alltag. Auf einen wirksamen Schutz durch die Sicherheitskräfte können die Menschen in vielen Landesteilen nicht zählen. Um den kriminellen Banden nicht ganz und gar ausgeliefert zu sein, kaufen immer mehr Mexikaner selbst eine Waffe. Nicht wenige gründen gleich eine Bürgerwehr.

Die Behörden sehen diese Entwicklung nicht gerne. Auch der Leiter des einzigen offiziellen Waffengeschäfts würde am liebsten gar nichts verkaufen. „Es ist grundsätzlich besser, keine Waffe zu haben, auch nicht im eigenen Haus“, sagt Eduardo Tellez Moreno. Schließlich könne es durch falsche Handhabung leicht zu Unfällen oder gar zu Schlimmerem kommen. „Es ist so, wie wenn man einen Streichholz nah am Feuer aufbewahrt.“

Das Recht auf Waffenbesitz ist in Mexiko zwar in der Verfassung verankert. Die entsprechende Klausel räumt aber der Regierung die Entscheidung darüber ein, welche Arten von Waffen erlaubt sind und unter welchen Bedingungen. Formal kann jeder Mexikaner zum eigenen Schutz eine Handfeuerwaffe erwerben. Mitglieder von Jagd- und Schießsportvereinen können sogar bis zu neun Gewehre legal kaufen.

Mexiko: Interview mit einem Killer

Mexiko

Interview mit einem Killer

Das ist die Geschichte eines Mexikaners, der im Auftrag eines Drogenkartells Menschen entführt, foltert und dann verschwinden lässt. Doch wie lebt es sich als Mörder? Und wovor hat ein Killer Angst? Ein Mann packt aus.

Voraussetzung ist allerdings die Vorlage von mindestens sechs Dokumenten: eine Geburtsurkunde, ein Nachweis über die berufliche Tätigkeit, ein vom Büro des Justizministers des Bundesstaates ausgestelltes Führungszeugnis, eine Abrechnung der öffentlichen Versorgungsbetriebe mit aktueller Adresse, eine Kopie des Personalausweises und eine Sozialversicherungskarte. Und im Falle eines positiven Bescheids darf eine registrierte Waffe nur innerhalb der eigenen vier Wänden aufbewahrt werden. Eine Erlaubnis zum Tragen der Waffe in der Öffentlichkeit zu bekommen, was in vielen Staaten des Nachbarlandes USA kaum ein Problem ist, gilt in Mexiko als fast unmöglich.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×