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18.12.2016

15:56 Uhr

Mexiko

Vom Drogenkrieg ernüchtert

Nach zehn Jahren Krieg gegen die Drogenkartelle sind die Menschen in Mexiko von den Behörden enttäuscht. Einige wollen jetzt die Korruption im Staat bekämpfen. Andere greifen aus Verzweiflung selbst zu den Waffen.

Die Menschen in Mexiko sind enttäuscht. Der seit Jahren andauernde Krieg gegen den Drogenhandel hat kaum etwas gebracht. Jetzt greifen sie selbst zu den Waffen. AFP; Files; Francois Guillot

Krieg den Drogen

Die Menschen in Mexiko sind enttäuscht. Der seit Jahren andauernde Krieg gegen den Drogenhandel hat kaum etwas gebracht. Jetzt greifen sie selbst zu den Waffen.

Ciudad VictoriaVor zehn Jahren erklärte Mexiko den Drogen den Krieg - heute sind einige große Kartelle zerschlagen und Drogenbosse der alten Garde wie Joaquín „El Chapo“ Guzmán sitzen im Gefängnis. Doch in den am schlimmsten betroffenen Gegenden gingen Kriminalität und Gewalt kaum zurück. Manche betonen, der Drogenkrieg sei trotz Fehlern notwendig gewesen. Andere glauben, die vom damaligen Präsidenten Felipe Calderón am 11. Dezember 2006 begonnene Offensive habe eine unnötige Tragödie mit mehr als 100.000 Toten und rund 30.000 Vermissten ausgelöst – vergleichbar mit den mittelamerikanischen Bürgerkriegen der 1980er Jahre.

Mancherorts verringerte sich die Mordrate, woanders ist sie unvermindert hoch. Und der langwierige Konflikt hinterließ tiefe Spuren in der Gesellschaft: Jugendliche verrohten angesichts der extremen Gewalt, ihre Eltern griffen - frustriert von der korrupten Polizei – selbst zu den Waffen, verzweifelte Familien gründeten angesichts unfähiger Behörden Organisationen zur Suche nach ihren verschwundenen Angehörigen.

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Ein Polizeibeamter im Grenzstaat Tamaulipas im Norden trifft nun häufig auf junge Männer, die ohne Gewissensbisse für die Kartelle töten, um sich Smartphones, Autos und Freundinnen leisten zu können. „Ich frage sie „Was wollt Ihr werden?“ und sie sagen: „Leibwächter für den Chef und Star eines Drogensongs““, erzählt er anonym. „Sie sind so jung und haben kein anderes Ziel im Leben.“

Er erinnert sich an einen 16-Jährigen, der seine Opfer entführte, tötete, verstümmelte und dann Selfies mit den zerstückelten Leichen machte. Nach einem Jahrzehnt Drogenkrieg sei Gewalt ihre einzige Realität: „Die Kinder ab 14 Jahren, die jetzt festgenommen werden, wuchsen mit der Kriminalität auf. Für sie ist das etwas völlig Normales“, sagt der Beamte.

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Mexiko ist eines der gefährlichsten Länder der Welt. Viele wollen sich mit einer eigenen Waffe schützen. Doch der Kauf ist extrem kompliziert und kontrolliert. Ausgerechnet die USA können nun bei der Bewaffnung helfen.

Inzwischen steht Tamaulipas vor einem weiteren Problem: Manche der zu Beginn verurteilten Kartell-Killer werden nun aus der Haft entlassen und gehen wieder ihrer alten Beschäftigung nach. Grund: Viele konnten nur wegen kleinerer Waffenverstöße verurteilt werden, weil Staatsanwälte mit Anklagen wegen organisierten Verbrechens oder Geldwäsche oft nicht durchkommen.

Zwar beruhigte sich die Lage in Tamaulipas im Vergleich zu den Jahren 2010 bis 2012 mit ihren entsetzlichen Mordraten. Doch noch immer gibt es Schießereien, Massengräber und Leichenhaufen. Das brutale Zetas-Kartell spaltete sich durch Festnahmen und Todesfälle in ein Dutzend kleinere Splittergruppen, die nun um die Vormachtstellung kämpfen. „Das einzig Gute an dieser schlimmen Situation ist, dass diese Gruppen nicht mehr so viel Macht haben“, sagt der ehemalige FBI-Agent Arturo Fontes. „Doch sie sind gespalten, und deshalb gibt es eine Menge Chaos.“

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