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04.05.2017

20:50 Uhr

Mexikos Drogenkartell

Möglicher El-Chapo-Nachfolger soll auspacken

López Núñez war jahrelang die rechte Hand von Drogenbaron Guzmán. Nach seiner Festnahme hoffen die Ermittler auf intime Details aus dem Inneren des Verbrecherkartells. Vom Vermögen von „El Chapo“ fehlt stets jede Spur.

„El Licenciado“ war die rechte Hand von Guzmán und wurde festgenommen. AP

Mexiko-Stadt

„El Licenciado“ war die rechte Hand von Guzmán und wurde festgenommen.

Mexiko-StadtNach der Festnahme von Drogenboss Dámaso López Núñez hoffen die mexikanischen Sicherheitsbehörden auf Aussagen zum Logistik- und Finanzwesen des Sinaloa-Drogenkartells. „Die Informationen sind sehr wichtig, um der Struktur dieses wichtigen Kartells zu schaden“, sagte Innenminister Miguel Ángel Osorio Chong am Donnerstag im Radiosender Fórmula.

López Núñez galt als Vertrauter und möglicher Nachfolger von Sinaloa-Chef Joaquín „El Chapo“ Guzmán, der ebenfalls festgenommen worden war und inzwischen an die USA ausgeliefert ist. López Núñez wurde am Dienstag in Mexiko-Stadt gefasst. Derzeit befindet er sich in einem Hochsicherheitsgefängnis in Ciudad Juárez, wo auch „El Chapo“ vor seiner Auslieferung einsaß. Gegen López Núñez liegt ein Auslieferungsgesuch des US-Bundesstaats Virginia vor.

Schlag gegen Drogenkartell in Mexiko: Möglicher Nachfolger von Drogenboss „El Chapo“ gefasst

Schlag gegen Drogenkartell in Mexiko

Möglicher Nachfolger von Drogenboss „El Chapo“ gefasst

Seit der Festnahme von „El Chapo“ tobt ein blutiger Machtkampf um sein Erbe. Nun ist einer seiner möglichen Nachfolger in Mexiko-Stadt festgenommen worden. „El Licenciado“ war die rechte Hand von Guzmán.

Der 51-Jährige soll zuletzt mit den Söhnen von „El Chapo“ um die Kontrolle des Sinaloa-Kartells gekämpft haben. Vor einer möglichen Auslieferung in die USA soll er nun intensiv vernommen werden. „Seine jüngsten Schachzüge als Kartellchef sind für uns sehr wichtig, um die logistischen und finanziellen Bewegungen des Kartells zu verstehen“, sagte Innenminister Osorio Chong.

An diesem Freitag soll „El Chapo“ zum dritten Mal vor Gericht in New York erscheinen. Zuletzt hatten sich seine Anwälte über die Isolierung ihres Mandanten in einem Hochsicherheitsgefängnis in Manhattan beschwert. Der Drogenbaron kann seine Zelle nur eine Stunde pro Tag verlassen. Selbst seine Lebensgefährtin darf ihn nicht besuchen.

Das Leben von „El Chapo“

Der mächtigste Drogenhändler der Welt

Mexiko hat den Drogenboss Joaquín „El Chapo“ Guzmán an die USA ausgeliefert. Der frühere Chef des Sinaloa-Kartells blickt auf ein bewegtes Leben in der mexikanischen Unterwelt zurück.

4.April 1957

Joaquín Guzmán Loera – so der volle Name – wird in dem Dorf La Tuna de Badiraguato im Bundesstaat Sinaloa im Nordwesten von Mexiko geboren.

1980

Guzmán wird Mitglied des Guadalajara-Kartells von Miguel Ángel Félix Gallardo.

9. April 1989

Félix Gallardo wird festgenommen und das Guadalajara-Kartell zerfällt. Guzmán gründet das Sinaloa-Kartell.

24. Mai 1993

Bei einer Schießerei zwischen Mitgliedern des Tijuana-Kartells und des Sinaloa-Kartells auf dem Flughafen von Guadalajara kommen sieben Menschen ums Leben, darunter der Kardinal Juan Jesús Posadas Ocampo. Den Ermittlern zufolge wurde er mit „El Chapo“ verwechselt.

9. Juni 1993

Guzmán wird in Guatemala festgenommen und an Mexiko ausgeliefert.

22. November 1995

„El Chapo“ wird zu 20 Jahren Haft verurteilt und in das Hochsicherheitsgefängnis Puente Grande im Bundesstaat Jalisco gebracht.

19. Januar 2001

Versteckt in einem Wäschewagen und mit Hilfe des Wachpersonals flieht Guzmán aus dem Gefängnis.

2. Juli 2007

„El Chapo“ heiratet die damals 18-jährige Schönheitskönigin Emma Coronel Aispuro.

2009

Mit einem geschätzten Vermögen von einer Milliarde US-Dollar nimmt die Zeitschrift „Forbes“ Guzmán in die Liste der reichsten Menschen der Welt auf.

Februar 2012

„El Chapo“ entgeht in Los Cabos knapp seiner Verhaftung. Zu dem Zeitpunkt treffen sich zahlreiche Außenminister in dem Badeort, um den G20-Gipfel vorzubereiten.

Februar 2013

Die Organisation Chicago Crime Commission erklärt Guzmán zum Staatsfeind Nummer 1 – ein Titel, der zuvor nur an den US-Gangster Al Capone vergeben wurde.

22. Februar 2014

Marineinfanteristen nehmen „El Chapo“ in der Küstenstadt Mazatlán im Bundesstaat Sinaloa fest.

11. Juli 2015

Guzmán flieht durch einen 1,5 Kilometer langen Tunnel aus dem Hochsicherheitsgefängnis El Altiplano.

8. Januar 2016

Marineinfanteristen fassen Guzmán nach einer Schießerei mit seinen Leibwächtern in der Stadt Los Mochis im Bundesstaat Sinaloa.

20. Mai 2016

Das mexikanische Außenministerium stimmt einer Auslieferung in die USA zu. Gerichte in den US-Bundesstaaten Texas und Kalifornien haben eine Überstellung beantragt.

19. Januar 2017

Ein Gericht in Mexiko-Stadt lehnt einen Antrag Guzmáns auf Schutz vor der Abschiebung ab. Damit sind alle Rechtsmittel ausgeschöpft. „El Chapo“ wird an die USA ausgeliefert.

Unterdessen sind die Sicherheitsbehörden in Mexiko und den USA noch immer auf der Suche nach dem Vermögen von „El Chapo“. Mit seinen kriminellen Geschäften soll er über 14 Milliarden US-Dollar verdient haben. Im Kampf gegen die Drogenkartelle raten Sicherheitsexperten schon seit langem, die Finanz- und Logistikstrukturen ins Visier zu nehmen, statt nur die prominenten Köpfe zu jagen.

Das gestaltet sich allerdings schwierig. „Bis jetzt haben wir nur sehr wenig Geld von „El Chapo“ sichergestellt“, sagte zuletzt der mexikanische Generalstaatsanwalt Raúl Cervantes. Der Drogenboss habe seine Gewinne nicht in das legale Finanzsystem investiert. „Die USA haben bis heute noch nicht einen Dollar von „El Chapo“ gefunden.“

Von

dpa

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