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10.09.2011

16:17 Uhr

Mexikos Rauschgiftmafia

Krieg um die Herzkammer des Drogenhandels

VonKlaus Ehringfeld

Monterrey ist sowohl das Zentrum der mexikanischen Wirtschaft als auch der Drogenmafia. Auf lange Sicht steht ein Verdrängungskampf bevor. Noch ist unklar, welche Partei als Sieger aus diesem Duell hervorgehen wird.

Anti-Gewalt-Demonstration in Monterrey: Die Bürger haben das ständige Morden satt. dapd

Anti-Gewalt-Demonstration in Monterrey: Die Bürger haben das ständige Morden satt.

MonterreyEs gibt diesen Satz, der immer fällt, wenn man mit Menschen in Monterrey über ihre Stadt spricht. Meistens drängt er als Stoßseufzer heraus: „Das Leben hier war beneidenswert“, sagen sie dann. „Damals, bevor alles begann.“ Damals, bevor die ersten Leichen von den Brücken baumelten, die ersten Schießereien die nächtliche Stille zerrissen oder - wie in der vergangenen Woche - mitten in der Stadt ein Brandanschlag auf ein Casino 50 Menschen das Leben kostete.

Niemand kann genau sagen, wann sich das Leben in Monterrey in ein Vorher und ein Nachher teilte, aber jeder kann von einem dieser Schreckenserlebnisse erzählen, die untrüglicher Beweis sind, dass der Drogenkrieg auch die Vier-Millionen-Metropole erreicht hat.

Ausgerechnet Monterrey. Die Stadt im Norden ist das wirtschaftliche Herz Mexikos. Sie war über Jahrzehnte Inbegriff von Lebensqualität, Sicherheit und Prosperität, scheinbar immun gegen das Durcheinander im Rest des Landes. Aber seit zwei der brutalsten Mafiabanden Mexikos hier um die Macht kämpfen, liegt die Stadt in einer kollektiven Depression. Dabei ist Monterrey einer der wichtigsten Industriestandorte Lateinamerikas.

Der Automobilzulieferer Nemak stammt aus Monterrey, genauso wie Stahlfirmen und Glashersteller. Der dänische Bauklötzchenbauer Lego kam 2008 und stellt hier inzwischen ein Drittel all seiner Spielzeuge her. Siemens verlegt Fabriken aus anderen Regionen des Landes hierher und will den Umsatz bis 2012 um 150 Prozent steigern. Preh, ein Autozulieferer aus Bayern, will dieses Jahr seine zweite Fabrik in der Stadt eröffnen - sie alle stehen vor der Herausforderung in einer Umgebung aus Gewalt zu wirtschaften. Kann das gutgehen?

Daniel Reimer betreibt ein Import-und Exportgeschäft für medizinische Hilfsmittel in Monterrey. „Es ist einfach irgendwann auf die ganze Stadt übergesprungen“, sagt der 29-jährige Österreicher. Reimer ist erst vor kurzem in ein Mittelklasseviertel gezogen. „Es war dort draußen am Flughafen nach Einbruch der Dunkelheit keine gute Gegend mehr.“ Zu viele „Narco-Bloqueos“, diese Straßensperren aus brennenden Bussen, von den Drogenbanden errichtet, um jemanden ungestört zu töten oder die Polizei aufzuhalten.

„Wenn es einmal im Monat eine Schießerei gibt, dann sagst Du Dir, das ist halt Mexiko. Aber wenn es dann zweimal in der Woche ist und dann täglich, dann weißt Du, dass da etwas falsch läuft.“ Reimer ist der klassische Kleinunternehmer: Fünf Angestellte, drei Millionen Euro Umsatz. Seit die Gewalt begonnen hat, geht der Umsatz stark zurück. Er kann manche Geschäfte nicht mehr machen, weil er in bestimmte Gebiete nicht mehr reisen kann.

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