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16.07.2015

15:40 Uhr

MH17-Abschuss über Ostukraine

Putin lehnt Uno-Tribunal ab

Die Absturzursache der malaysischen Passagiermaschine MH17 ist noch immer nicht vollständig aufgeklärt. Die Niederlande wollen den Vorfall in einem Uno-Tribunal untersuchen. Doch Russland weigert sich.

Noch immer ist nicht abschließend geklärt, wie es zu dem Absturz der Passagiermaschine MH17 im Osten der Ukraine vor einem Jahr kommen konnte. Reuters

Ursache ungeklärt

Noch immer ist nicht abschließend geklärt, wie es zu dem Absturz der Passagiermaschine MH17 im Osten der Ukraine vor einem Jahr kommen konnte.

MoskauEin Jahr nach dem Abschuss eines Passagierflugzeugs über der Ostukraine hat Russlands Präsident Wladimir Putin Forderungen nach einem Uno-Tribunal zur Aufklärung des Vorfalls eine Absage erteilt. Die Einrichtung einer solchen Stelle sei voreilig und kontraproduktiv, sagte Putin dem Moskauer Präsidialamt zufolge in einem Telefongespräch mit dem niederländischen Ministerpräsidenten Mark Rutte am Donnerstag. Rutte hatte ein Tribunal der Vereinten Nationen (UN) ins Gespräch gebracht. Bei dem Absturz starben alle 298 Insassen, die meisten waren Niederländer. Am Freitag jährt sich das Unglück zum ersten Mal.

Die Boeing der Malaysia Airlines mit der Flugnummer MH17 war in der Ostukraine über einem Gebiet in der Hand prorussischer Rebellen niedergegangen. Als Ursache gilt weithin eine Rakete, die aus Russland stammte und von Aufständischen abgefeuert wurde. Die Moskauer Regierung deutete dagegen an, ein Kampfjet der ukrainischen Luftwaffe sei für die Katastrophe verantwortlich. Diese Darstellung weist wiederum die Regierung in Kiew zurück. Derzeit ermittelt ein von den Niederlanden geführtes Untersuchungsteam, das seinen Abschlussbericht im Oktober vorlegen soll. Putin forderte eine gründliche und unabhängige Untersuchung. Er kritisierte zudem eine nach seinen Worten einseitige Berichterstattung der Medien.

Was ist „Neurussland“?

Neuer Streit um ein historisches Gebiet

In der Ostukraine haben prorussische Separatisten im Mai ihre „Volksrepubliken“ Donezk und Lugansk zu „Neurussland“ vereinigt. Auch Russlands Präsident Putin verwendete mehrfach diese Bezeichnung. Sie hat einen historischen Ursprung.

Feldzüge gegen Türken

Mitte des 18. Jahrhunderts wurde ein Militärbezirk nördlich des Schwarzen Meeres so genannt. Neurussland reichte damals von Bessarabien (heute die Republik Moldau) bis zum Asowschen Meer. Zentrum war Krementschuk, etwa 300 Kilometer südöstlich von Kiew. Zur Zeit der Feldzüge gegen die Türken und das Krim-Khanat sollte die Ansiedlung russischer und ukrainischer Bauern sowie ausländischer Siedler das Grenzgebiet stabilisieren.

Auflösung nach Eroberung der Krim

1764 bildete Zarin Katharina die Große das „Neurussische Gouvernement“. Nach der Eroberung der Krim verlor Neurussland seine strategische Bedeutung und wurde rund 20 Jahre nach der Gründung wieder aufgelöst. Zar Paul I. bildete 1796 erneut ein kurzlebiges Verwaltungsgebiet Neurussland um den Hauptort Noworossisk, dem heutigen Dnjepropetrowsk.

Deutsche Siedler

Anfang des 19. Jahrhunderts wurde ein russisches „Generalgouvernement Neurussland-Bessarabien“ geschaffen. Von 1818 bis etwa 1880 wurden wieder ausländische Siedler angeworben. Auch aus deutschsprachigen Gebieten kamen viele Menschen in die Steppen Neurusslands. Die Dörfer dieser „Schwarzmeerdeutschen“ existierten bis zu den Deportationen in der Stalin-Zeit.

Von

rtr

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