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22.07.2014

06:59 Uhr

MH17-Unglück

Separatisten übergeben Black Box an Malaysia

Die Black Box gilt als wichtige Informationsquelle bei Flugzeugunglücken. Prorussische Separatisten haben zwei MH17-Flugschreiber nun an Malaysia übergeben. Zudem verkündeten sie eine Waffenruhe rund um den Absturzort.

Die prorussischen Separatisten haben den Flugschreiber des mutmaßlich über der Ostukraine abgeschossenen Passagierflugzeugs an Vertreter Malaysias übergeben. dpa

Die prorussischen Separatisten haben den Flugschreiber des mutmaßlich über der Ostukraine abgeschossenen Passagierflugzeugs an Vertreter Malaysias übergeben.

DonezkDie prorussischen Separatisten haben den Flugschreiber des mutmaßlich über der Ostukraine abgeschossenen Passagierflugzeugs in der Nacht zum Dienstag an Vertreter Malaysias übergeben. Die Rebellen händigten ihnen in Donezk im Beisein von etwa 150 Journalisten die sogenannte Black Box aus, bestehend aus dem Flugdatenschreiber und dem Stimmenrekorder. Zudem verkündeten die Separatisten eine Waffenruhe rund um den Absturzort.

Zuvor hatte Malaysias Regierungschef Najib Razak mit Separatistenführer Alexander Borodaj telefonisch eine entsprechende Übereinkunft erzielt. Im Rahmen der Vereinbarung verließ am Montag zudem ein Kühlzug mit Leichen von Opfern des am Donnerstag abgeschossenen MH17-Fluges die von Rebellengehaltene Stadt Tores. Sie werden in die von der Kiewer Regierung kontrollierte Stadt Charkow gebracht und von dort aus nach Amsterdam ausgeflogen. Die meisten Opfer unter den 298 Menschen an Bord der Maschine stammten aus den Niederlanden.

Waffenruhe im Umkreis von zehn Kilometern

Ein malaysischer Experte dankte den Separatisten. Die Geräte seien intakt und nur geringfügig beschädigt, sagte er. Die Übergabe fand im Hauptsitz der selbstproklamierten „Volksrepublik Donezk“ statt, auch der selbsternannte Regierungschef Borodai nahm daran teil. Der Rebellenführer erklärte, er habe im Umkreis von zehn Kilometern rund um die Absturzstelle eine Waffenruhe angeordnet.

Der Uno-Sicherheitsrat hatte kurz zuvor in einer Resolution verlangt, umgehend alle militärischen Aktivitäten in der Gegend einzustellen. Die Separatisten wurden aufgefordert, den internationalen Ermittlern freien Zugang zur Absturzstelle zu gewähren. Bislang herrschten an dem von bewaffneten Rebellen abgeschirmten Ort chaotische Zustände.

Vier Tage nach dem Abschuss der malaysischen Maschine sprach sich der Uno-Sicherheitsrat am Montag zudem einstimmig für eine unabhängige internationale Untersuchung des Vorfalls aus. In dem am Montag gebilligten Entwurf werden die Separatisten zudem dazu aufgerufen, internationalen Zugang zur Absturzstelle zu ermöglichen. Die Resolution sei eine „unmissverständliche Reaktion der internationalen Gemeinschaft auf einen absolut bedauernswerten Akt“, erklärte die australische Außenministerin Julie Bishop in New York.

Kommentare (12)

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Sergio Puntila

22.07.2014, 08:00 Uhr

So, das war erst die Black Box.
Erschwerte Bedingungen bei der Untersuchung kann man das ja bald nicht mehr nennen: ungeheuerlich träfe es im Wortsinne weitaus besser.
Es fehlt noch: alle Teile des Fliegers zusammenzutragen - vermutlich auch wieder so ein Hickhack, in dem die Ideologen beider Seiten sich vmtl nichts schenken werden.

Und Plünderungen an Absturzorten: keine spezifisch ukrainische/prorussische Erfindung.

Vielleicht kriegen es die Ideologen aller Seiten einmal gerafft: es geht nicht um sie, sondern um die Klärung eines Flugunfalls - auch ohne den schlagen die sich die Schädel aufkosten Unbeteiligter ein.

Widerwärtig bleibt das unwürdige Spektakel, das die Kombattanten samt ihren skandierenden Helden von den Heimatfronten da geben, allemal.

Herr Helmut Metz

22.07.2014, 08:26 Uhr

Glauben Sie mir: das Ganze wird noch viel widerwärtiger werden. Ausnahmejournalist Pepe Escobar (war u.a. in der Gefangenschaft der Taliban) hat eine der ganz wenigen objektiven und nicht propagandistischen Analysen zu MH17 in der Asia Times geschrieben:
"From now on, it all depends on Russian intelligence. They have been surveying/tracking everything that happens in Ukraine 24/7. In the next 72 hours, after poring over a lot of tracking data, using telemetry, radar and satellite tracking, they will know which type of missile was launched, where from, and even produce communications from the battery that launched it. And they will have access to forensic evidence...
The historical record shows Washington simply won't release data if it points to a missile coming from its Kiev vassals. The data may even point to a bomb planted on MH17, or mechanical failure - although that's unlikely. If this was a terrible mistake by the Novorossiya rebels, Moscow will have to reluctantly admit it. IF KIEV DID IT, THE REVELATION WILL BE INSTANTANEOUS."
http://atimes.com/atimes/Central_Asia/CEN-01-190714.html
24/7 Komplettüberwachung des ukrainischen Territoriums durch die Russen bedeutet schlicht und ergreifend: sie WISSEN, was genau passiert ist, und sie werden es mitteilen. Nicht die Amis und erst recht die Ukrainer...

Reiner Blumenhagen

22.07.2014, 08:37 Uhr

Ich bin mir ebenfalls sicher, dass die Russen genau wissen, was passiert ist. Aber ich bin mir ébenfalls relativ sicher, dass alles was sie mitteilen, mit äußerster Vorsicht zu genießen ist. Mit Sicherheit werden sie nicht sagen, das sie ihre Hände im Spiel hatten, selbst wenn es so war.

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