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21.07.2014

22:14 Uhr

MH17-Unglücksstelle

Uno fordern ungehinderten Zugang für Experten-Team

Separatisten erschweren immer noch die Untersuchung des MH17-Absturzes. Jetzt übernehmen allmählich internationale Experten die Arbeit. Und der Sicherheitsrat stimmt für eine unabhängige Untersuchung des Unglücks.

Trauer um die Passagiere der MH17. Die Niederlande wollen die Opfer so schnell wie möglich außer Landes bringen. ap

Trauer um die Passagiere der MH17. Die Niederlande wollen die Opfer so schnell wie möglich außer Landes bringen.

Moskau/Kiew/WashingtonNach dem Absturz von Flug MH17 in der Ostukraine geht Russland erstmals mit eigenen Ermittlungsergebnissen in die Offensive. In Moskau präsentierte der russische Generalstab am Montag Satellitenaufnahmen und Karten mit Flugbahnzeichnungen vom Absturztag. Mit der Stimme Russlands verabschiedete der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen in New York dann am Abend eine Resolution, mit der eine unabhängige Untersuchung des Unglücks gefordert wird. Die Separatisten hatten zuvor schon nach heftiger Kritik am Umgang mit Absturzopfern eingelenkt und die Arbeit der internationalen Experten vor Ort erleichtert.

Dem ursprünglich von Australien im Sicherheitsrat eingebrachten Entwurf hatten sich schon vor der Abstimmung zahlreiche weitere Länder angeschlossen. Russland hatte zunächst einen eigenen Resolutionsentwurf eingebracht, dann aber einer gemeinsam überarbeiteten Version des australischen Entwurfs zugestimmt. Das Papier fordert eine „umfassende, tiefgreifende und unabhängige Untersuchung“ des Absturzes von Flug MH17, bei der die Internationale Zivilluftfahrtorganisation ICAO eine „zentrale Rolle“ spielen soll. Zudem fordert es sofortigen ungehinderten Zugang für die Experten zur Unglücksstelle.

Russland ruft USA auf, Kartenmaterial zu veröffentlichen

Das russische Militär forderte die Ukraine auf, Auskunft über einen Kampfjet zu geben, der sich der Unglücksmaschine genähert haben soll. Kiew müsse auch die Gründe für die Stationierung des Flugabwehrsystems „Buk“ im Separatistengebiet erklären, da die Aufständischen nicht über Flugzeuge verfügten. Nach Angaben des russischen Militärs näherte sich ein Abfangjäger vom Typ Suchoi-25 der Malaysia-Airlines-Boeing am Donnerstag bis auf fünf Kilometer. Generalleutnant Andrej Kartopolow vom russischen Generalstab rief die Amerikaner auf, eigenes Kartenmaterial vom Absturztag zu veröffentlichen.

Die USA verdächtigen die Separatisten, die Zivilmaschine mit 298 Menschen an Bord mit einer Boden-Luft-Rakete abgeschossen haben. Zuvor hatte die Ukraine behauptet, umfassende Beweise - darunter Satellitenaufnahmen - dafür zu haben, dass die prorussischen Kräfte mit einem „Buk“-System auf die Boeing 777-200 geschossen hätten.

Der eskalierende Machtkampf in der Ostukraine

Nach dem Sturz...

... der moskautreuen Führung in Kiew und dem Anschluss der Krim an Russland ist der Konflikt um die mehrheitlich russischsprachige Ostukraine eskaliert.

Erste Ausschreitungen...

... gibt es am 6. April. Bei Demonstrationen in der Ostukraine gibt es massive Ausschreitungen. Moskautreue Aktivisten besetzen Verwaltungsgebäude in den Millionenstädten Charkow und Donezk.

Die Besetzer...

... fordern am 7. April erstmalig Referenden über eine Abspaltung der Ostukraine von Kiew und rufen eine souveräne Volksrepublik aus. In weiteren Orten werden Gebäude besetzt.

Ein „Anti-Terror-Einsatz“...

... am 13. April gegen Separatisten in Slawjansk fordert Tote und Verletzte. In Charkow werden bei Zusammenstößen von Gegnern und Anhängern einer Annäherung an Russland Dutzende verletzt.

Barack Obama...

... telefoniert am 14. April mit Kremlchef Wladimir Putin. Der US-Präsident äußert sich darin besorgt darüber, dass Moskau die prorussischen Separatisten unterstütze. Putin bestreitet eine Einmischung.

Ein Friedensplan...

... wird am 18. April bei einem internationalen Treffen in Genf beschlossen. Wichtigster Punkt: Die Separatisten sollen die Waffen niederlegen und besetzte Gebäude räumen.

Mit Panzern und Hubschraubern...

... gehen Regierungstruppen am 24. April bei Slawjansk gegen Separatisten vor. Putin verurteilte den Einsatz der ukrainischen Armee als „sehr ernstes Verbrechen“, das „Folgen“ für die Regierung in Kiew haben werde.

Militärbeobachter der OSZE...

... werden am 25. April von Separatisten in deren Gewalt gebracht, darunter sind vier Deutsche. In Slawjansk beschuldigt der örtliche Separatistenführer Wjatscheslaw Ponomarjow die Gruppe der Spionage.

Zurschaustellung der Geiseln...

...am 27. April. Die OSZE-Geiseln werden von Ponomarjow der Presse vorgeführt. Sie sollen gegen inhaftierte Separatisten ausgetauscht werden.

Neue Sanktionen...

... gegen Moskau verhängen die EU und die USA am 28. April aus Verärgerung über das Vorgehen Russlands gegen Moskau. Am selben Tag wird in Charkow der Bürgermeister durch einen Schuss schwer verletzt. Auf dem Militärflugplatz Kramatorsk beschießen Unbekannte Regierungseinheiten.

Die prorussischen Militanten...

... besetzen 30. April in Lugansk und Gorlowka weitere Gebäude. In Kiew räumt Übergangspräsident Alexander Turtschinow ein, die Kontrolle über Teile des Landes verloren zu haben.

Der Gegenschlag...

... von Kiew erfolgt am 2. Mai. Truppen der ukrainischen Armee, der Nationalgarde und des Innenministeriums gehen in Slawjansk und Kramatorsk massiv gegen die Separatisten vor.

Ukrainische Helfer und Freiwillige beendeten derweil die Suche nach Leichen in dem Trümmerfeld, das in Separatistengebiet liegt. Wie Vizeregierungschef Wladimir Groisman in Kiew sagte, wurden in dem auf 50 Quadratkilometer erweiterten Suchgebiet 282 Leichen sowie 87 Leichenteile der übrigen 16 Todesopfer gefunden. Die sterblichen Überreste von mindestens 251 Opfern seien in Eisenbahn-Kühlwaggons gebracht worden. Der Zug startete am Montagabend von der Ortschaft Tores ins rund 300 Kilometer entfernte Charkow. Dort warte eine internationale Gruppe von 31 Experten zur Identifizierung der Opfer, unter anderem aus den Niederlanden und Deutschland, sagte Groisman.

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