Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

08.12.2014

08:29 Uhr

MH17

Wrackteile durchqueren Deutschland

Wrackteile der abgestürzten MH17 werden derzeit zu Untersuchungen in die Niederlande gebracht, mehrere Transporter durchqueren am Montag Sachsen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Polizisten begleiten den Konvoi.

Transporter an der deutsch-polnischen Grenze: Weitere drei Transporte sollen in den nächsten Tagen folgen. dpa

Transporter an der deutsch-polnischen Grenze: Weitere drei Transporte sollen in den nächsten Tagen folgen.

Görlitz/MagdeburgEin Konvoi mit Wrackteilen der in der Ukraine abgestürzten Passagiermaschine mit der Flugnummer MH17 hat am frühen Montagmorgen mehrere Bundesländer durchquert. Die Wrackteile des Flugzeugs sollen zu Untersuchungen in die Niederlande gebracht werden.

Am späten Sonntagabend hatten die Transporter zunächst den Grenzübergang Ludwigsdorf an der Autobahn 4 bei Görlitz in Sachsen überquert, wie ein Polizeisprecher in Görlitz sagte. Anschließend fuhren sie weiter nach Brandenburg und schließlich über die Autobahn 2 nach Sachsen-Anhalt.

Fragen und Antworten zum Absturz von MH17

Können die Experten sicher sein, dass vor Ort nichts verändert wird?

Nein. Der OSZE-Forderung, nichts an der Absturzstelle zu verändern, wurde nach Angaben einer Sprecherin zumindest nicht gänzlich nachgekommen. So seien Gepäckstücke von Flugzeuginsassen fein säuberlich aufgereiht worden. Ein anderer OSZE-Vertreter berichtete, am Samstag seien Leichen von Passagieren des Flugs MH17 von Unbekannten in Plastiksäcke gepackt und an den Straßenrand gebracht worden, ohne dass die OSZE-Experten Erklärungen dafür erhielten.

Können sich die Fachleute in der Ostukraine frei bewegen?

Nein. Sowohl die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) als auch die ukrainische Regierung haben sich auch am zweiten Tag nach der Katastrophe beschwert, dass die prorussischen Separatisten die Arbeit der Experten massiv behindern, die bereits jetzt vor Ort sind. Die Ermittler können sich nach den Angaben nicht völlig frei bewegen und stehen unter Aufsicht schwer bewaffneter Rebellen. Inzwischen sollen die Aufständischen nach ukrainischen Angaben immerhin einer „Sicherheitszone“ rund um die Absturzstelle zugestimmt haben.

Und was ist mit den Familien der Opfer?

Das ukrainische Innenministerium hat in Charkow für Angehörige und Hinterbliebene der Opfer Hunderte Hotelzimmer reserviert. In der Großstadt stünden auch Übersetzer und Psychologen bereit. Noch ist es nach Angaben der Fluggesellschaft Malaysia Airlines nicht in allen Fällen möglich gewesen, Familienangehörige ausfindig zu machen.

Was ist mit den Opfern?

Noch sind längst nicht alle 298 bei dem Absturz getöteten Insassen der malaysischen Passagiermaschine entdeckt worden. Zudem herrschen in dem Gebiet Temperaturen von um die 30 Grad. Nach Angaben des ukrainischen Innenministeriums wurden die sterblichen Überreste der Passagiere und Besatzungsmitglieder nach Charkow gebracht, weit weg von den Gefechten. In der etwa 300 Kilometer von der Absturzstelle entfernten Stadt werde ein Labor zur Identifizierung eingerichtet, hieß es. Separatisten wiederum kündigten an, die Leichen würden in Mariupol identifiziert.

Wer koordiniert die internationale Untersuchung?

Das ist noch immer nicht definitiv geklärt. Viele Länder, die Opfer zu beklagen haben, schicken eigene Experten in die Ukraine. Dort ist die Lage aber nach Angaben des Bundeskriminalamtes recht unübersichtlich. Sowohl der genaue Einsatzort als auch die Führung der Mission müssten noch geklärt werden, sagte ein Sprecher. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) schlug in einem Brief an die Internationale Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) die Einsetzung einer aus mehreren Nationen besetzten Untersuchungskommission vor. Deutschland biete für einen Einsatz unter der Leitung der ICAO die Unterstützung der Experten der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung an, sagte Dobrindt „Focus Online“.

Wie ist die Situation im Absturzgebiet?

Das Gebiet östlich von Donezk, in dem die Trümmer der abgestürzten Maschine liegen, ist riesig. Die Wrackteile sind nach Angaben des ukrainischen Rettungsdienstes über eine Fläche von etwa 25 Quadratkilometern verstreut. Das entspricht in etwa der Größe der ostfriesischen Insel Norderney. Wo die Flugschreiber sind, ist weiterhin nicht definitiv geklärt. Sie könnten in den Händen der Aufständischen sein. Separatistenanführer Alexander Borodaj sagte, die Black Boxes könnten dem Internationalen Roten Kreuz übergeben werden.

Polizisten der jeweiligen Bundesländer begleiteten den Konvoi – was aber nach Darstellung des Sprechers nichts Ungewöhnliches ist. Weitere drei Transporte sollen in den nächsten Tagen folgen. Die malaysische Maschine war am 17. Juli über der Ostukraine abgestürzt, vermutlich nach Raketenbeschuss. Dabei kamen alle 298 Insassen ums Leben.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×