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31.01.2009

15:57 Uhr

Michael Steele

US-Republikaner wählen Schwarzen zum Parteichef

Die US-Republikaner haben erstmal in ihrer Parteiengeschichte einen Afroamerikaner zum Parteichef gewählt. Nach ihrer schweren Niederlage bei der vergangenen Präsidenten- und Kongresswahl entschied sich der Vorstand mit der Wahl des 50-Jährigen Michael Steele für den gemäßigsten aller Kandidaten.

Michael Steele soll die "Grand Old Party" aus der Krise führen. Sein Sieg gilt als klarer Bruch der Republikaner mit der Bush-Ära. Foto: Reuters Reuters

Michael Steele soll die "Grand Old Party" aus der Krise führen. Sein Sieg gilt als klarer Bruch der Republikaner mit der Bush-Ära. Foto: Reuters

HB WASHINGTON. Michael Steele ist der ehemaligen Vizegouverneur von Maryland. Er soll die Republikaner aus ihrem Tief führen und besonders Minderheitengruppen anziehen, die bei der Wahl am 4. November in Scharen die Demokraten unterstützt hatten.

Steele war unter allen Anwärtern auf den Posten der politisch moderateste. Er gewann bei einer sechsten Stichwahl 91 der 168 Stimmen im Vorstand und wird damit Nachfolger von Mike Duncan, einem engen Gefolgsmann des am 20. Januar ausgeschiedenen Präsidenten George W. Bush. Duncan hatte sich nach Ablauf seiner zweijährigen Amtszeit zunächst zur Wiederwahl gestellt, war dann aber am Freitag angesichts schwindender Unterstützung aus dem Rennen ausgestiegen. Der Sieg Steeles gilt vor diesem Hintergrund auch als ein klarer Bruch der Republikaner mit der Bush-Ära.

"Wir werden diese Partei in jeden Winkel, in jede Gemeinde bringen", versprach der charismatisch wirkende Steele strahlend nach seiner Wahl. An die Adresse des ebenfalls schwarzen neuen Präsidenten Barack Obama gerichtet, sagte er: "Glückwunsch. Es wird eine Ehre sein, sich mit ihm auseinanderzusetzen." Steele räumte ein, dass es ein Imageproblem für die „Grand Old Party“ (GOP) gebe. "Wir sind als eine Partei missverstanden worden, die unsensibel ist, eine Partei, die sich nicht um das Leben von Minderheiten schert. Ich sage, genug ist genug. Das ist vorbei."

Bei der Wahl am 4. November hatten die Demokraten nicht nur das Weiße Haus zurückerobert, sondern auch ihre Mehrheit in beiden Kammern des Kongresses, dem Abgeordnetenhaus und dem Senat, deutlich ausgebaut.

Geboren wurde der heute 50-Jährige auf dem Luftwaffenstützpunkt Andrews bei Washington und dann adoptiert. Eine katholische Wohlfahrtseinrichtung fungierte als Vermittlerstelle. Seine Eltern - beide Demokraten - zogen ihn in Washington auf, der katholische Glauben war ein bestimmender Faktor in Steeles jungen Jahren. So besuchte er dann auch nach seinem Grundstudium ein Priesterseminar, bekam jedoch Zweifel und stieg 1983 aus. Nach einem Jura-Studium arbeitete er zunächst in einer Rechtsanwaltskanzlei, aber auch das schien nicht das Richtige. Steele wechselte zu einer großen Maklerfirma, um dann in die Politik einzusteigen.

Mit Charisma, Charme und einem ansteckenden strahlenden Lächeln als Markenzeichen arbeitete sich Steele nach oben. Zunächst war er ein Bezirkschef der Republikaner in Maryland, dann stieg er an die Parteispitze des Staates auf. Ins nationale Rampenlicht rückte er erstmals 2002, als er Vizegouverneur von Maryland wurde. Der Versuch, vier Jahre später in den Senat einzuziehen, scheiterte, aber Steele erholte sich schnell von dieser Niederlage.

Er leitete eine republikanische Aktivistengruppe, die US-weit Kandidaten für politische Ämter rekrutiert - und dabei Abtreibungsbefürworter innerhalb der eigenen Parteireihen unterstützt. In den meisten politischen Fragen liegt Steele jedoch klar auf der Linie der Republikaner.

Dass er wie der demokratische US-Präsident Barack Obama afroamerikanisch ist, spielt Steele herunter. Er sieht sich nach eigenen Worten als ein „Republikaner, der zufällig schwarz ist“.

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