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21.03.2012

19:32 Uhr

Mifid II

EU-Parlament für Vertriebsprovisionen

VonRuth Berschens

ExklusivDas EU-Parlament will Provisionen beim Verkauf von Bankprodukten weiter zulassen. Banken und Wertpapierberatern soll lediglich vorgeschrieben werden, Kunden vor Abschluss des Geschäfts über die Provisionen zu informieren.

Das Europaparlament will Provisionen beim Verkauf von Bankprodukten weiter zulassen. dpa

Das Europaparlament will Provisionen beim Verkauf von Bankprodukten weiter zulassen.

BrüsselBanken und selbstständige Finanzmakler sollen weiterhin Provisionen für den Verkauf von Finanzprodukten kassieren dürfen. Das fordert der federführend zuständige Europaparlamentarier Markus Ferber (CSU) in seinem Bericht zur neuen EU-Finanzmarktrichtlinie Mifid II.

„Wertpapierberatern soll es nicht untersagt werden, Verkaufsanreize anzunehmen“, heißt es in dem Bericht, der dem Handelsblatt vorliegt. Banken und Wertpapierberatern solle lediglich vorgeschrieben werden, die Kunden noch vor Abschluss des Geschäfts über die Provisionen zu informieren.

Das Europaparlament bleibt damit hinter dem Richtlinienentwurf von EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier zurück. Der Kommissar wollte Finanzmaklern, die sich selbst als unabhängig bezeichnen, verbieten, Provisionen von Banken und Investmentfirmen anzunehmen. Im Europaparlament war sogar die Forderung laut geworden, die Provisionen ganz abzuschaffen.

Ferber will die Banken auch nicht dazu zwingen, telefonische Verkaufsgespräche aufzuzeichnen. Barnier hatte das in seinem Entwurf gefordert, um nachträgliche Kontrollen des Verkaufsgesprächs zu erleichtern.

Parlamentarier Ferber plädiert zwar ebenfalls für eine Dokumentation der Beratungsgespräche in der Bank, die Form will er aber den EU-Mitgliedstaaten überlassen. In Deutschland ist ein schriftliches Beratungsprotokoll vorgeschrieben, dessen Qualität umstritten ist.

Weil deutschen Anlegern nach einer vom Bundesministerium für Verbraucherschutz in Auftrag gegebenen Studie durch falsche Finanzberatung jährlich Schäden von 20 bis 30 Milliarden Euro entstehen, fordern die Grünen im Europaparlament radikale Maßnahmen: „Die Entwicklung und der Vertrieb von Finanzprodukten müssen eigentumsrechtlich strikt voneinander getrennt werden“, sagte Grünen-Europaparlamentarier Sven Giegold dem Handelsblatt.

Kommentare (3)

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22.03.2012, 09:24 Uhr

Man muss sich diesen Unsinn von Herrn Barnier mal konkret vorstellen:

Da wird ein telefonisches Beratungsgespräch geführt, beispielsweise soll ein bestehendes Investmentdepot neu strukturiert werden.

Nun wird eine halbe Stunde darüber mit dem Kunden gesprochen, und das ganze Gespräch wird aufgezeichnet.

Dann entwickelt sich das Depot nicht wie erhofft und 3 Jahre später wird das ganze Telefonat vor Gericht auf kleinste Beratungsfehler untersucht!

Na toll! - Dann machen wir das aber bitte auch bei

- Ärzten
- Steuerberatern
- Rechtsanwälten
- sämtlichen Verkaufspersonal im Einzelhandel
- der ach so gelobten Verbraucherberatung

und vor allem

- (EU-)Politikern

Und wir werden den Rest unseres Lebens damit verbringen, Fehler bei diesen uns gegenübergetretenen Berufsgruppen nachzuweisen und natürlich mit deutscher Gründlichkeit vor Gericht zwecks Schadenersatz zu verfolgen.

Na denn Prost allerseits!

P.S.: Wer vor dem Hintergrund derartiger Diskussionen noch ernsthaft überlegt, seine berufliche Zukunft in der Finanzberatung zu suchen, sollte sich wohl mal auf seinen Geisteszustand untersuchen lassen.
Soll sich nur am Ende keiner beschweren, dass man keinen Berater mehr findet...

Account gelöscht!

22.03.2012, 20:04 Uhr

Sie sprechen mir aus der Seele.

wurbala

23.03.2012, 23:10 Uhr

ich bin berater und hätte keine probleme mit einer aufzeichnung der beratungsgespräche. probleme würden meines erachtens eher kunden bekommen, die vor dem richter dann von gedächtnisschund befallen werden und sich dann plötzlich gar nicht mehr erinnern können, dass in der beratung auch die risiken angesprochen wurden. bei uns in österreich gibt es ein sprichwort: "die gier ist ein luder"

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