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29.01.2016

18:28 Uhr

Migranten bringen Athen in Bedrängnis

Flüchtlingskrise überfordert Griechenland

VonGerd Höhler

Brüssel droht Athen indirekt mit dem Schengen-Ausschluss, sollte Griechenland nicht Herr der Flüchtlingsflut werden. Das Land ist bei den geplanten Registrierungszentren weit im Rückstand. Woran liegt das?

Seit Jahresbeginn sind aus der Türkei bereits 51.000 Flüchtlinge in Griechenland angekommen – mehr als 30 Mal so viele wie im Januar 2015. Reuters

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Seit Jahresbeginn sind aus der Türkei bereits 51.000 Flüchtlinge in Griechenland angekommen – mehr als 30 Mal so viele wie im Januar 2015.

AthenGriechenland kommt in der Flüchtlingskrise in immer größere Bedrängnis – von allen Seiten: Seit Jahresbeginn erreichten bereits über 51.000 Menschen aus der Türkei die griechischen Inseln – mehr als 30 Mal so viele wie im Januar 2015. Die Hoffnung, die Türkei werde den Schleusern an der kleinasiatischen Küste das Handwerk legen und die Flüchtlinge daran hindern, in die Boote zu steigen, hat sich bisher als Illusion erwiesen.

Zugleich wächst der politische Druck der EU auf Athen: Die Brüsseler Kommission rügt „schwerwiegende Mängel“ bei der Registrierung der Ankömmlinge. Stellt Griechenland die Mängel nicht ab, könnte dem Land spätestens Anfang Mai der faktische Ausschluss aus der Schengenzone drohen.

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Der griechische Migrationsminister Ioannis Mouzalas äußerte sich am Freitag „sehr besorgt“ angesichts dieser Aussicht. „Griechenland wird seinen Verpflichtungen nachkommen, und wir werden kämpfen, bis diese Vorschläge für einen Schengen-Ausschluss vom Tisch sind“, sagte Mouzalas im Fernsehsender Mega TV. Angesichts der Flüchtlingskrise, dieses „riesigen und historisch einmaligen Problems“, sei Europa „traumatisiert“ und „in seinem Kern gespalten“, beklagte Mouzalas.

Tatsächlich scheinen Regierung und örtliche Behörden in Griechenland mit der Flüchtlingswelle heillos überfordert zu sein. Die geplanten fünf Hotspots zur Registrierung der Ankömmlinge auf den Ägäisinseln sollten ursprünglich schon Ende Oktober vergangenen Jahres eröffnet werden. Später war von Dezember die Rede, dann von Januar. Jetzt verspricht der griechische Migrationsminister Ioannis Mouzalas: Anfang März werden zumindest vier Hotspots in Betrieb gehen.

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In diesen Zentren sollen die Ankömmlinge eine Zeitlang untergebracht und überprüft werden. Dabei werden ihre Fingerabdrücke mit Daten internationaler Fahndungssysteme abgeglichen. Asylberechtigte Flüchtlinge sollen dann auf die anderen EU-Staaten verteilt, nicht asylberechtigte Wirtschaftsmigranten in ihre Heimatländer zurückgeschickt werden. Soweit der Plan.

Kommentare (9)

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Herr Johann Bund

29.01.2016, 18:57 Uhr

Naja, dass die Griechen nichts zustande kriegen ist ja nichts neues. Aber keine Angst - Angela Merkel wird schon mit deutschen Steuergeldern wieder dafür sorgen, dass sich die Lage verbessert. Das wird ihr lieber sein, als die eigene Grenze zu schließen, denn das wäre eine Bankrotterklärung ihrer eigenen Politik (wobei diese Bankrotterklärung allerdings längst überfällig ist).

Herr Norbert Bluecher

29.01.2016, 18:59 Uhr

Ich habe eigentlich wenig Mitleid mit den Griechen. Das ganze Finanzgebaren dieses Landes ist ein Albtraum

Aber jetzt den Griechen, die mehr als genug eigene Probleme haben, auch noch die Sicherung der schwierigsten Grenze im Flüchtlingsdrama auf die Augen zu drücken und sie das eigenverantwortlich erledigen zu lassen, ist eine ziemliche Frechheit von der EU.

Merkel hat die Krise verursacht und wenn sie den Strom in Griechenland gestoppt sehen will, dann soll sie mal in die Tasche greifen und den Griechen das bezahlen. Aber bitte in die Privatschatulle und nicht in den Steuertopf. Wobei das wahrscheinlich auch noch günstiger kommt, als wenn die Menschen alle hier ankommen.

Das Problem kann Griechenland unmöglich alleine lösen!

Frau Anna Rudholzer

29.01.2016, 19:08 Uhr

Die Flüchtlingskrise (tatsächlich erfüllen die wenigsten der Kommenden den Status) überfordert nicht nur Griechenland sondern auch Deutschland ist hoffnungslos überfordert.
Mit dem dilettantischen und planlosen handeln ist Deutschland ein großes Sicherheitsrisiko für ganz Europa geworden, bin gespannt wann die ersten Schadenersatzforderungen an uns herangetragen werden.

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