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14.06.2015

19:29 Uhr

Migration in die USA

Kubaner riskieren alles für Leben in den USA

Washington und Havanna normalisieren ihre Beziehungen. Das könnte bedeuten, dass illegale Migranten aus dem kommunistischen Staat bald keinen Vorzugsstaus in den USA mehr genießen. Da handeln manche lieber sofort.

Die USA sind weiterhin Sehnsuchtsort vieler Kubaner. dpa

US-Flagge in den Straßen Havannas

Die USA sind weiterhin Sehnsuchtsort vieler Kubaner.

Key WestDie Beziehungen zwischen Havanna und Washington erwärmen sich. So machen sich denn viele Kubaner noch rasch mit Flößen oder notdürftig zusammengezimmerten Booten auf die gefährliche Reise zur US-Küste: Sie fürchten nämlich, dass sich eine als „wet-foot, dry-foot“ (nasser Fuß, trockener Fuß) bekannte US-Regel ändern könnte.

Danach dürfen Kubaner, die sich aus ihrem Land absetzen und die USA erreichen, dort bleiben und nach einer gewissen Zeit die amerikanische Staatsbürgerschaft beantragen. Ohne diese Regel würden sie wie jeder andere illegale Einwanderer behandelt: Sie könnten abgeschoben werden und hätten kaum eine Chance, einen US-Pass zu erhalten.

Wen die US-Küstenwache auf See erwischt, also auf dem Weg zwischen Kuba und den USA, wird zurückgeschickt. Allein seit Anfang Oktober wurden mehr als 2600 kubanische Migranten in Gewahrsam genommen oder abgefangen, im gesamten vergangenen Jahr waren es knapp 4000.

Es ist häufig zu hören - das Brummen von tief fliegenden, Schleifen ziehenden Flugzeugen der Küstenwache über der Meeresstraße zwischen Kuba und der Inselkette Florida Keys. Die Maschinen sind mit Sensoren ausgestattet, die Formen auf der Wasseroberfläche Kilometer weit entfernt ausmachen können.

Aus einer Höhe von etwa 450 Metern sehen Kreuzfahrtschiffe wie Kleckse am Horizont aus, Segelboote sind weiße Punkte mit langem Kielwasser, und Migrantenboote haben die Größe von Bojen. Die Piloten schauen nach etwas Verdächtigem aus - Wellen, die nicht ganz richtig brechen, einem dunklen Flecken im Schatten einer Wolke, dem Schimmer von etwas, das über Bord geworfen wurde oder dem Kräuseln einer blauen Plane.

Die Flugzeug-Crews werfen häufig Eimer mit Wasserflaschen und Nahrung ab oder auch Schwimmwesten und aufblasbare Flöße, damit sich Migranten in Seenot über Wasser halten können, bis ein Kutter der Küstenwache sie erreicht. Sehen die Kubaner eine Küste, versuchen viele von ihnen, in ihre Richtung zu schwimmen – in der Hoffnung, ihr Ziel doch noch zu erreichen, den Fuß auf US-Boden zu setzen. „Es muss wirklich frustrierend sein, die Freiheit zu sehen, aber nicht zu erkennen, wie weit sie wirklich entfernt ist“, sagte Pilot Hans de Groot kürzlich auf einem Patrouillen-Flug.

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