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03.07.2017

16:18 Uhr

Migration

UNHCR erwartet weitere Zunahme der Zahlen

Das Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen rechnet mit einem unvermindert hohen Flüchtlingsaufkommen. Der Menschenschmuggel über Libyen nehme zu, erklärte es. Das organisierte Verbrechen werde immer internationaler.

Die Vereinten Nationen sehen kein abreißen des Flüchtlingsstroms in naher Zukunft. dpa

Flüchtlingswerk

Die Vereinten Nationen sehen kein abreißen des Flüchtlingsstroms in naher Zukunft.

ParisDie UN erwarten einen verstärkten Zustrom von Migranten und Flüchtlingen nach Europa. Der Menschenschmuggel und die Migrantenströme in Libyen nähmen zu, erklärte das UNHCR am Montag. In diesem Jahr hätten bislang 84.830 Migranten und Flüchtlinge von Libyen kommend Italien erreicht, eine 19-prozentige Zunahme gegenüber dem Vorjahr. 70 Prozent von ihnen seien Wirtschaftsmigranten, der Rest schutzbedürftige Flüchtlinge und Asylbewerber, erklärte die UN-Flüchtlingsbehörde am Montag.

In einem neuen Bericht des UNHCR zu Migrationstrends in Libyen hieß es, das Land mit weitgehend fehlenden staatlichen Strukturen sei zu einer wichtigen Durchgangsroute für Migranten geworden. Die Bewegungsmuster hätten sich aber geändert.

Wie Flüchtlinge in der EU verteilt werden sollen

Solidarität der Mitgliedstaaten

Die Europäische Union setzt in der Flüchtlingskrise mit Hunderttausenden Asylbewerbern auf die Solidarität der Mitgliedstaaten. Bis September 2017 sollen rund 160.000 betroffene Menschen nach einem Schlüssel unter den EU-Ländern verteilt werden.

Entscheidung der EU-Innenminister

Im September 2015 entschieden die EU-Innenminister gegen die Stimmen der Slowakei, Ungarns, Tschechiens und Rumäniens die Verteilung derjenigen, die übers Meer nach Italien und Griechenland gekommen waren – nach heutigem Stand: 98.255 Menschen.

EU-Türkei-Abkommen

Am 29. September 2016 wurde infolge des EU-Türkei-Abkommens beschlossen, dass weitere 54.000 Plätze neben Geflüchteten aus Griechenland und Italien auch für legale syrische Flüchtlinge aus der Türkei genutzt werden können. Für die restlichen rund 7.750 Plätze muss noch festgelegt werden, woher die Menschen aufgenommen werden.

Aufgenommene Flüchtlinge in Deutschland

Nach jüngsten Zahlen vom 5. Mai 2017 wurden von den 160.000 Flüchtlingen gerade einmal 11,3 Prozent in Europa verteilt. Deutschland nahm 4.244 der 18.119 Menschen auf und versprach, zusätzlich 8.250 Plätze anzubieten. Nach dem Schlüssel müssten weitere rund 23.300 Menschen hierher kommen.

Ungarn und die Slowakei

Ungarn hat bisher keinen der für das Land errechneten knapp 1.300 Geflüchteten aufgenommen. Budapest weigert sich energisch, die beschlossenen Quoten zu erfüllen. Die Slowakei hat 16 Menschen untergebracht und 40 zusätzliche Plätze angeboten. Fast 900 weitere Flüchtlinge müsste das Land aufnehmen.

Der „Menschenschmuggel zur sexuellen Ausbeutung“ scheine zuzunehmen. Er betreffe insbesondere Frauen aus Nigeria und Kamerun. Die Ringe des organisierten Verbrechens würden zunehmend internationaler, hieß es weiter. Der italienische Ministerpräsident Paolo Gentiloni sagte am Montag in Rom, wenn andere EU-Staaten nicht einen Teil der Last übernähmen, könnte die riesige Zahl der Migranten in der italienischen Gesellschaft Feindseligkeit schüren. Italien unternehme viel, um sich der Migranten anzunehmen. Doch Europa müsse helfen, wenn es seinen eigenen Prinzipien, seiner Geschichte und seiner Zivilisation treu bleiben wolle, sagte Gentiloni.

Von

ap

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