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08.09.2013

22:18 Uhr

Militäreinsatz

Ägyptische Armee geht gegen Terroristen im Sinai vor

Ägyptens Armee hat am Sonntag Raketen auf mutmaßliche Islamisten-Häuser abgefeuert. Dabei wurden neun Extremisten getötet. Ein Armeesprecher sprach vom „bisher größte Militäreinsatz“ gegen Terrorismus im Sinai.

Ägyptische Soldaten suchen in Bulldozern nach Tunneln zwischen Ägypten und dem Gazastreifen. Der Grenzübergang ist derzeit auf unbestimmte Zeit geschlossen. AFP

Ägyptische Soldaten suchen in Bulldozern nach Tunneln zwischen Ägypten und dem Gazastreifen. Der Grenzübergang ist derzeit auf unbestimmte Zeit geschlossen.

KairoDie ägyptische Armee hat am Sonntag erneut mutmaßliche Verstecke islamistischer Rebellen auf der Sinai-Halbinsel beschossen. Wie bereits am Samstag feuerten Kampfhubschrauber Raketen auf Häuser nahe des Grenzübergangs Rafah ab, wie Augenzeugen berichteten. Bei den Einsätzen am Samstag wurden nach Armeeangaben neun Extremisten getötet. Laut einem Armeesprecher handelt es sich um den „bisher größten Militäreinsatz“. Unterdessen erhöhte die Justiz den Druck auf die islamistische Muslimbruderschaft, die Staatsanwaltschaft in Kairo erhob eine neue Anklage gegen Ex-Präsident Mohammed Mursi.

Der Grenzübergang Rafah zum Gazastreifen war bereits am Samstag auf unbestimmte Zeit geschlossen worden. Polizei und Armee hatten mit Kampfhubschraubern und Panzerwagen mehrere mutmaßliche Verstecke von Islamisten angegriffen, darunter in der Ortschaft Scheich Suwajid. Am Sonntag teilte die Armee mit, dabei seien neun „radikale Islamisten“ getötet und 15 Verdächtige festgenommen worden. Auch zwei Soldaten kamen nach inoffiziellen Angaben bei einem Gegenangriff der Aufständischen ums Leben.

Bei ersten Hausdurchsuchungen beschlagnahmte das Militär bereits mindestens zehn Luftabwehrraketen. Waffenschmuggel in den benachbarten Gazastreifen ist ein großes Problem in der Region. Es wird vermutet, dass Waffen aus den Arsenalen des ehemaligen libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi ihren Weg in den Sinai gefunden haben. Al-Kaida-nahe Gruppen wollen dort ein Islamisches Kalifat errichten.

Fragen und Antworten zur Reise nach Ägypten

Was sagt das Auswärtige Amt?

Das Auswärtige Amt in Berlin hat seinen Sicherheitshinweis für Ägypten entschärft. Es rät seit Ende September nicht mehr grundsätzlich von Reisen dorthin ab. Touristen sollten aber im ganzen Land – ausdrücklich auch in den Badeorten am Roten Meer – besonders vorsichtig sein, rät das Ministerium.

Von Reisen nach Kairo, in die Touristenzentren in Oberägypten (Luxor, Assuan, Nil-Kreuzfahrten) und in das Nildelta wird abgeraten. Auch in die anderen Gebiete wie die Touristen-Hochburgen am Roten Meer sollten Deutsche derzeit aber nicht fahren. Demonstrationen und Menschenansammlungen, insbesondere vor religiösen Stätten sollten unbedingt gemieden werden.

Das Auswärtige Amt rät außerdem von Reisen in entlegene Gebiete der Sahara eindringlich ab. Dies gilt insbesondere für die Grenzregionen zu Libyen und zum Sudan.

Kann ich meine Reise jetzt kostenlos stornieren?

Da unterscheiden sich die Meinungen. Zahlreiche Reiseveranstalter akzeptieren kostenlose Stornierungen nur bei einer offiziellen Reisewarnung des Auswärtigen Amtes, wie sie für den Nordsinai und das Grenzgebiet zu Israel gilt. Der Reiserechtler Paul Degott sagt aber, eine Kündigung sei immer in einer Situation höherer Gewalt möglich, wenn diese die Reise konkret betreffe und so zum Beispiel „der planmäßige Erholungsurlaub nicht mehr möglich ist“. Dies sei in Ägypten mittlerweile der Fall. Die Anbieter müssten bei Stornierung also den gesamten Reisepreis zurückzahlen. Bei vorzeitiger Abreise müsse vom Verbraucher nur der erbrachte Teil der Reise und die Rückreise bezahlt werden.

Wie reagieren die Anbieter in der aktuellen Situation?

Zahlreiche Anbieter haben ihre Reisen für die kommenden Wochen komplett abgesagt. Andere bieten ihren Kunden kostenlose Umbuchungen, wollen aber keine Stornierungen akzeptieren. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen weist darauf hin, dass Verbraucher eine Umbuchung durch ihren Reiseveranstalter nicht akzeptieren müssen.

Was sollten Touristen tun, die schon vor Ort sind?

Das Auswärtige Amt hält die Lage in den Touristenorten am Roten Meer noch für „ruhig“. Nach Angaben von TUI und Thomas Cook können Urlauber, die bereits in Ägypten sind, ihre Reise fortsetzen. Sie sollten sich lediglich an die Vorgaben der örtlichen Reiseleitungen halten und wie gebucht zurückfliegen. In Hurghada ist das Auswärtige Amt bereits durch einen Honorarkonsul vertreten, auch in andere Reiseorte soll Botschaftspersonal entsandt werden, das für Fragen zur Verfügung steht.

Hilft mir eine Reiserücktritt-Versicherung?

Selbst wer eine Reiserücktritt-Versicherung abgeschlossen hat, ist bei Streit mit dem Reiseveranstalter nicht auf der sicheren Seite. Die Police schließt Ereignisse höherer Gewalt wie Anschläge oder Naturkatastrophen regelmäßig aus. Sie deckt nur persönliche Risiken ab, etwa eine schwere Krankheit oder der Tod eines Angehörigen vor Reiseantritt. Sollte der Anbieter eine kostenlose Stornierung verweigern und wollen Verbraucher dagegen vorgehen, wären sie also auf eine Rechtsschutz-Versicherung angewiesen.

Am Sonntag setzte das Militär seine Raketenangriffe auf Häuser, Autos und Verstecke von mutmaßlichen Extremisten fort. Ein Mitglied der Sicherheitskräfte sagte, die Luftangriffe sollten den Weg für eine Bodenoffensive bereiten. Armeesprecher Ahmed Ali teilte am Sonntag auf seiner Facebook-Seite mit, es handele sich um den „bisher größten Militäreinsatz, um den Sinai vom Terrorismus zu befreien“. Die Armee habe mehrere Dörfer eingekesselt, in die sich Aufständische geflüchtet hätten. Die Aktion werde mehrere Tage dauern.

„Das ist bei weitem der größte Einsatz, den wir je gesehen haben und der Einsatz, auf den wir gewartet haben“, sagte Scheich Hassan Chalaf, Stammesoberhaupt aus dem Dorf Al-Dschura. Dort gingen seinen Angaben zufolge mindestens 50 Soldaten von Haus zu Haus, um nach Extremisten zu suchen. In Zukunft werde es weniger Angriffe von Rebellen auf Polizei und Militär geben, sagte er voller Zuversicht. „Entweder müssen sie fliehen, oder sie werden festgenommen.“

Ein anderer Stammesführer kritisierte den Einsatz als „willkürlich“. Er berichtete von einem Angriff auf das Haus eines Stammesanführers, der die Regierung unterstützt.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

09.09.2013, 13:34 Uhr

Islamisten, Extremisten, Terroristen ... die neuen Begriffe, die eine Aberkennung des Menschseins ermöglichen.

Was ist ein Islamist?

Was ist ein Extremist?

Gelten für diese Menschen andere Rechte?

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