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26.10.2011

15:43 Uhr

Militäreinsatz

Libyen will die Nato länger im Land behalten

Eigentlich will die Nato ihren Einsatz in Libyen innerhalb weniger Tage beenden. Doch nun meldet sich der libysche Übergangsrat und hofft auf eine Verlängerung des Nato-Engagements bis Jahresende.

Der Vorsitzende des nationalen Übergangsrates, Mustafa Abdul Dschalil, möchte die internationalen Truppen zu einem längeren Verbleib in Libyen animieren. dpa

Der Vorsitzende des nationalen Übergangsrates, Mustafa Abdul Dschalil, möchte die internationalen Truppen zu einem längeren Verbleib in Libyen animieren.

TripolisLibyen drängt die Nato, ihren Einsatz auch nach dem Tod des langjährigen Machthabers Muammar Gaddafi zu verlängern. „Wir benötigen technische und logistische Hilfe von benachbarten und befreundeten Ländern“, sagte der Chef des Übergangsrates, Mustafa Abdel Dschalil, am Mittwoch bei einem Besuch in Katar. Es wäre hilfreich, wenn die Nato bis Jahresende im Land bliebe. Das Militärbündnis könnte dabei helfen, die Verbrechen von Getreuen Gaddafis zu ahnden. Die Nato will den Einsatz dagegen formal innerhalb weniger Tage beenden.

Vertreter des Bündnisses betonten in Brüssel, das UN-Mandat sehe den Schutz von Zivilisten vor und nicht die Jagd von Individuen. Einer der Söhne Gaddafis, Saif al-Islam, der lange als Nachfolger galt, befindet sich noch auf der Flucht. Am Freitag würden Nato-Vertreter mit dem Übergangsrat und den Vereinten Nationen über den Einsatz in dem nordafrikanischen Land sprechen, kündigte Nato-Sprecherin Carmen Romero an. Ursprünglich war das Treffen bereits für Mittwoch geplant. Bisher ist vorgesehen, dass der Einsatz der Allianz am 31. Oktober ausläuft. Ein Großteil der Ausstattung, inklusive Militärflugzeugen, ist bereits abgezogen worden.

Nato-Kommandeur Charles Bouchard sagte am Montag, er sehe keine Risiken mehr durch Gaddafi-treue Streitkräfte und denke, die Soldaten der Übergangsregierung seien Herr der Lage. Von Februar bis zur Tötung Gaddafis griffen Militärflugzeuge unter französischer und britischer Führung und mit logistischer Unterstützung der USA Ziele aus der Luft an, um Gaddafi-Streitkräfte zu schwächen. Deutschland hatte sich an den militärischen Einsätzen nicht beteiligt.

Der Nato-Einsatz half den Aufständischen entscheidend mit, Gaddafi zu stürzen. Der frühere Machthaber wurde vergangenen Donnerstag von Kämpfern der Übergangsregierung gefangengenommen und kam kurze Zeit später unter ungeklärten Umständen zu Tode. Erst nach Tagen der öffentlichen Zurschaustellung wurde Gaddafi beigesetzt. US-Präsident Barack Obama kritisierte den Umgang mit der Leiche. Auch ein Gaddafi, dem „schlimme Dinge“ vorgeworfen worden seien, habe einen Anspruch auf anständige Behandlung nach dem Tod, sagte Obama.

Gaddafis Leichnam war in einem Kühlhaus für Schaulustige zu sehen. „Das ist etwas, an dem wir uns nicht ergötzen sollten“, sagte Obama. Gaddafis Ende enthalte zugleich aber die Botschaft an alle Diktatoren der Welt, dass ihre Völker frei sein wollten, ergänzte Obama.

Unterdessen folgte die Schweiz den Vorgaben der Vereinten Nationen und gab einen Teil der gesperrten libyschen Vermögenswerte frei. Dadurch würden Überweisungen zu einigen staatlichen Institutionen möglich, kündigte die Schweizer Regierung an. Derzeit halte die Schweiz eingefrorene libysche Vermögenswerte von umgerechnet 216 Millionen Euro. 

Von

rtr

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