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29.01.2013

16:35 Uhr

Militäreinsatz

Warum die Franzosen nach Mali zogen

In Malis Hauptstadt Bamako dominieren noch immer Freude und Dankbarkeit über die Intervention Frankreichs. Die Menschen wissen aber auch, dass der blau-weiß-rote Militäreinsatz nicht nur humanitäre Hintergründe hat.

Französische Soldaten in Mali. AFP

Französische Soldaten in Mali.

BamakoBlau-Weiß-Rot dominiert noch immer das Straßenbild und die Plätze Bamakos. Die Farben Frankreichs signalisieren an vielen Stellen die Dankbarkeit der Menschen in der turbulenten Hauptstadt Malis - die trotz des gegenwärtigen Krieges im Norden einen friedlichen und wie immer geschäftigen Eindruck macht. Fast jeder der oft Malier in dieser umtriebigen Wüstenstadt antwortet positiv auf die Frage nach Frankreichs Militäraktion.

„Jeder ist zufrieden mit der französischen Intervention, jeder, das sehen Sie schon an den vielen Fahnen in den Straßen“, sagt ein Kellner in einem Restaurant. „Ohne Frankreichs Eingreifen wäre es in Mali zum Bürgerkrieg zwischen den Bevölkerungsgruppen im Süden und Norden gekommen“, betont der Soziologe Prof. Naffe Keita von der Universität Bamako.

„Diese Rebellen sind Banditen, ich bin so glücklich über die Intervention“, sagt auch der in Mali bekannte Musiker Tiale Arby.

Malis Präsident Dioncounda Traoré wird zwar von kaum jemanden wegen seines Hilferufs an Paris kritisiert. Aber es gibt auch viele, die auf die besondere Interessenlage Frankreichs hinweisen. Es gehe sicher um mehr als nur humanitäre Hilfe und solidarischen Beistand gegen islamistische Extremisten und den Kampf gegen den Terrorismus, betonen vor allem Akademiker.

Sie verweisen auf die drohenden Folgen eines instabilen Mali mit seinen fast 16 Millionen Einwohnern für ganz Westafrika - und damit auch für die vielen wirtschaftlichen und strategischen Interessen Frankreichs auf dem Kontinent.

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„Paris hat auch ein strategisches Interesse an der Stabilisierung Malis“, betont der Autor Doumbi Fakoli. „Präsident François Hollande würde nicht zulassen, dass seine Soldaten von Islamisten für nichts getötet werden“, sagt der 69-Jährige. Sicher sei auch ein wichtiger Faktor, dass es im Norden Malis noch große Ölvorkommen geben soll.

Was in Mali auf dem Spiel steht

Wieso schreitet die alte Kolonialmacht Frankreich erst jetzt ein?

Frankreich hat in den vergangenen Monaten wiederholt die USA und die UN zum Eingreifen im Norden Malis bewegen wollen, allerdings mit wenig Erfolg. Bei allen Handlungen muss Paris auch immer das Schicksal der französischen Geiseln in der Hand von Islamisten in Afrika berücksichtigen. Es geht auch um Wirtschaftsinteressen. Der Vormarsch der Islamisten auf die strategisch wichtige Stadt Mopti zwang Paris zum Handeln. Seit langem sieht Frankreich seinen Einfluss in der Sahelzone, drei Flugstunden südlich von Europa, in Gefahr. Der Terror dort könnte auf Frankreich selbst übergreifen, weil viele der Gotteskrieger französisch sprechen und Verwandte im Land haben.

Aus welchen Kräften setzt sich die Dreier-Allianz der islamistischen Rebellen im Norden Malis zusammen?

Die Kämpfer der Terrororganisation Al-Kaida im islamischen Maghreb (AQM) gelten als Anführer. Sie sollen durch Drogenschmuggel und Lösegelder für entführte Ausländer über Dutzende Millionen Dollar verfügen. Geheimdiensten zufolge haben die Islamisten insgesamt 6000 ausgebildete Kämpfer in Nordmali, darunter Dschihadisten aus Ägypten, dem Sudan und anderen Staaten. In den Reihen der Islamisten kämpfen auch Männer des nordmalischen Volks der Tuareg. Sie nennen sich Ansar Dine. An ihrer Seite steht die „Bewegung für Einheit und Dschihad in Westafrika“ (MUJAO), die ebenfalls die Scharia durchzusetzen will.

Wieso droht ausgerechnet Mali zum „zweiten Afghanistan“ werden?

Mali galt lange als einer der wenigen demokratischen Musterstaaten Afrikas. Nach einem Militärputsch in der im Süden gelegenen Hauptstadt Bamako im März 2012 eroberten Tuareg-Kämpfer gemeinsam mit Islamistengruppen den Norden Malis. In Timbuktu, wo Moscheen, Mausoleen und Friedhöfe zum Weltkulturerbe gehören, ließen die Islamisten mehrere historische Heiligtümer zerstören. Experten fürchten, dass der riesige Norden Malis ohne staatliche Kontrolle ebenso wie Afghanistan unter den Taliban zu einer Brutstätte für islamistische Terrornetzwerke wird. Auch in Afghanistan wurde die Weltöffentlichkeit erst durch die Zerstörung von Kulturgütern auf den Konflikt aufmerksam.

Afrika-Kenner schreiben, der Konflikt in Mali sei eine späte Rache des ermordeten libyschen Revolutionsführers Muammar al-Gaddafi. Wie hängt das zusammen?

Der libysche Diktator hatte kampferprobte Tuareg-Männer aus dem benachbarten Nordmali für seine Streitkräfte rekrutiert. Nach Gaddafis Sturz kehrten viele mit modernen Waffen in die Heimat zurück. Dort verschafften sie den Aufständischen die entscheidende Schlagkraft im Kampf gegen die Zentralregierung im Süden.

Hat die internationale Staatengemeinschaft zu lange die Entwicklungen in Mali ignoriert?

Die dramatische Entwicklung ist eine Katastrophe mit Ankündigung. Über Monate warnten Frankreich, die USA und auch die Vereinten Nationen wechselseitig vor den Gotteskriegern aus Nordmali. Doch aus Sicht der Interimsregierung passierte viel zu wenig. Alarmiert von den jüngsten Vorstößen der Islamisten rief der Weltsicherheitsrat am Freitag dazu auf, die afrikanisch geführte Unterstützungsmission Afisma müsse schneller in Gang gesetzt werden. Dabei war die Entsendung schon Wochen vorher beschlossen worden. Ein Hindernis war bislang, dass es in Mali Vorbehalte gegen den Einmarsch von Soldaten aus Nachbarstaaten gab. Zudem wurde befürchtet, dass der Konflikt sich auch auf andere Länder der Region ausweiten könnte.

Kann es sein, dass deutsche Soldaten bald Seite an Seite mit den Franzosen in Mali kämpfen werden?

Deutschland schließt einen Kampfeinsatz der Bundeswehr in dem westafrikanischen Krisenstaat derzeit aus. Die Europäische Union plant seit längerem, etwa 200 Militärberater zu entsenden. Sie sollen malische Soldaten auf den Kampf gegen Rebellen vorbereiten. Auch Bundeswehrsoldaten dürften bei der Ausbildung mit dabei sein. Bisher war geplant, die Ausbilder innerhalb der ersten drei Monate dieses Jahres nach Mali zu schicken. Nach den jüngsten Entwicklungen hat die EU angekündigt, die Militärausbilder schneller zu entsenden. Quelle: dpa

Kommentare (1)

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29.01.2013, 20:27 Uhr

Die radikalen Islamisten und Fanatiker von Al Khaida müssen gejagt und eliminiert werden, bevor diese Terrobanden das Mittelmeer erreichen!

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