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27.02.2013

03:19 Uhr

Militärkonflikt

Malis Flüchtlingen fehlt Uno-Krisengeld

Abermals hat es in Mali Tote gegeben. Im Nordosten des Landes kamen bei einem Selbstmordanschlag mehrere Menschen ums Leben. Tausende sind auf der Flucht - aber die Uno hat ein Problem mit den Hilfsgeldern.

Kämpfe und Zerstörung wie hier in Gao treiben Tausende in Mali in die Flucht. Reuters

Kämpfe und Zerstörung wie hier in Gao treiben Tausende in Mali in die Flucht.

GaoIn der Stadt Kidal im Nordosten von Mali sind nach übereinstimmenden Angaben bei einem Selbstmordanschlag mehrere Menschen getötet worden. Wie aus Militärkreisen verlautete, sprengte sich am Dienstagabend ein Attentäter in einem mit Sprengstoff präparierten Auto an einem Kontrollpunkt im Osten der Stadt in die Luft.

Der Kontrollpunkt wird demnach von der von Tuareg dominierten Befreiungsbewegung MNLA gehalten. Nach Angaben von Ärzten riss der Attentäter sechs "Kämpfer" mit in den Tod und verletzte elf weitere Menschen.

Die MNLA sprach in einer "vorläufigen Bilanz" von mindestens sieben Toten in ihren Reihen. Mehrere Menschen seien verletzt worden. Die MNLA hatte im vergangenen Jahr an der Seite islamistischer Gruppen den Norden Malis unter ihre Kontrolle gebracht, war dann aber von den Islamisten verdrängt worden.

Die MNLA stellte sich dann auf die Seite Frankreichs, als die französische Armee am 11. Januar in den Konflikt eingriff und die Islamisten aus den wichtigsten Städten im Norden des Landes vertrieben wurden. Mittlerweile ist sie unter anderem in Kidal wieder präsent.

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21./22. März 2012

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6. April 2012

Wenige Tage später spitzt sich die Lage im Norden weiter zu. Nach einem militärischen Siegeszug erklären Tuareg-Rebellen das eroberte Gebiet für unabhängig. Der neue Staat soll Azawad heißen.

12. April 2012

Der bisherige Vorsitzende der Nationalversammlung, Dioncounda Traoré, wird als Interimspräsident vereidigt.

30. Juni 2012

Islamisten zerstören in Gao und Timbuktu jahrhundertealte Mausoleen, die zum Unesco-Weltkulturerbe gehören. Sie setzen ihr zerstörerisches Werk in den nächsten Tagen fort und lösen damit internationale Proteste aus.

15. Oktober 2012

Die EU-Außenminister beschließen in Luxemburg die Entsendung von Militärausbildern nach Mali, um die einheimischen Streitkräfte für den Kampf gegen die Islamisten zu rüsten.

19. Oktober 2012

In Malis Hauptstadt Bamako diskutieren Experten, wie eine Spaltung des Landes zu verhindern wäre. Eine Militärintervention afrikanischer Staaten unter UN-Mandat wird immer wahrscheinlicher.

1. November 2012

Bei einem Besuch in Mali stellt Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) humanitäre und militärische Hilfe in Aussicht.

12. November 2012

Die westafrikanischen Staatschefs einigen sich in Nigeria auf die Entsendung von 3500 Soldaten, um den Norden gewaltsam zu befreien. Die Afrikanische Union gibt grünes Licht.

5. Dezember 2012

Die Tuareg strebten eine politische Lösung an, sagt ein Sprecher nach einem Treffen mit der Regierung Malis, an dem auch Vertreter der islamistischen Organisation Ansar Dine teilnahmen.

20. Dezember 2012

Der UN-Sicherheitsrat spricht sich einstimmig für die Entsendung von Friedenstruppen aus. Die unter afrikanischer Führung stehende Afisma-Mission solle die Regierung Malis „mit allen notwendigen Mitteln“ unterstützen, heißt es in der Resolution. Kurz darauf erklären sich Tuareg und Islamisten zum Dialog bereit. Zugleich werden in Timbuktu weitere Heiligtümer zerstört.

8. Januar 2013

Die Rebellen rücken immer weiter nach Süden vor. Einwohner berichten von Gefechten zwischen Islamisten und Armee.

10. Januar 2013

Angesichts der Offensive spricht sich der UN-Sicherheitsrat in einer Sondersitzung für eine schnelle Entsendung von internationalen Truppen aus.

11. Januar 2013

Soldaten aus Frankreich, Nigeria und dem Senegal seien in Mali eingetroffen, gibt die Regierung in Bamako bekannt. Präsident Traoré hatte in einem Brief an Frankreichs Präsidenten François Hollande und UN-Generalsekretär Ban Ki Moon um Hilfe gebeten.

12. Januar 2013

Französische Kampfjets zwingen die Rebellen zum Rückzug aus der umkämpften Stadt Kona. Ein französischer Hubschrauberpilot kommt ums Leben. Quelle: dpa

Die Vereinten Nationen beklagten unterdessen eine mangelnde finanzielle Unterstützung seitens der internationalen Gemeinschaft für das westafrikanische Krisenland. Von einem Aufruf von Hilfen in Höhe von 373 Millionen Dollar (knapp 286 Millionen Euro) seien erst 17 Millionen Dollar eingetroffen, sagte der Vorsitzende des UN-Büros zur Koordinierung humanitärer Hilfe (OCHA), John Ging, am Dienstag bei einer Pressekonferenz in New York.

Seinen Angaben zufolge wurden bereits 170.000 Malier aus dem Kampfgebiet zur Flucht in die Nachbarländer gezwungen. Weitere 260.000 Zivilisten seien im Inland auf der Flucht.

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Von

afp

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