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05.05.2014

06:32 Uhr

Militäroffensive

Die Angst vor dem Bürgerkrieg

Die ukrainische Armee und prorussische Aufständische stehen sich unversöhnlich gegenüber. Die Gewalt greift vom Osten auch auf andere Landesteile über. Die Zahl der Toten steigt, die Angst vor einem Bürgerkrieg wächst.

Bestürzende Bilder aus Donezk

Wütender Mob verschleppt Polizisten

Bestürzende Bilder aus Donezk: Wütender Mob verschleppt Polizisten

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Slawjansk/Moskau/KiewNach der Freilassung der entführten Militärbeobachter gleitet die Ostukraine zunehmend in bürgerkriegsähnliche Zustände ab. Mit Kampfhubschraubern und Panzerfahrzeugen gingen Regierungstruppen am Sonntag erneut gegen prorussische Separatisten vor, es gab Tote und Verletzte.

In der Ostukraine haben die prorussischen Separatisten nach eigenen Angaben zentrale Gebäude in Donezk sowie weiteren Großstädten wieder unter ihrer Kontrolle. „Wir haben die Verwaltungsgebäude in den entscheidenden regionalen Zentren eingenommen“, sagte der Anführer der selbst ernannten Volksmiliz, Miroslaw Rudenko, am Sonntag der Agentur Interfax. Allgemein sei die Lage ruhig, die Gefechte seien am Abend vorübergehend eingestellt worden.

Neben Slawjansk seien auch in Kramatorsk die wichtigsten Gebäude in den Händen der Separatisten. Dagegen hatte die prowestliche Regierung in Kiew am Morgen mitgeteilt, die Streitkräfte hätten die Ordnung in Kramatorsk nördlich von Donezk wieder hergestellt. Die Agentur Ria Nowosti meldete, in Kramatorsk sei die Zentrale des Inlandsgeheimdienstes SBU in Flammen aufgegangen.

Die ukrainische Armee hat die Belagerung der von prorussischen Milizen gehaltenen Stadt Slawjansk im Osten des Landes am Sonntag verstärkt. Soldaten mit sieben gepanzerten Fahrzeugen errichteten außerhalb der 160.000-Einwohner-Stadt einen Kontrollposten auf der Hauptverbindungsstraße in die Regionalmetropole Donezk, wie AFP-Reporter berichteten. „Die Stadt ist vollkommen umstellt“, sagte die Rebellen-Sprecherin Stella Choroschewa AFP.

Hochburgen prorussischer Milizen in der Ostukraine

Slawjansk

Die Industriestadt (110.000 Einwohner) in der Region Donezk.

Donezk

Die Hauptstadt der gleichnamigen Region (eine Million Einwohner) ist zugleich die Hauptstadt der von den Aktivisten ausgerufenen „Republik Donezk“. Das Gebäude der Regionalverwaltung wurde am 6. April besetzt, das Rathaus zehn Tage später.

Lugansk

Die Hauptstadt der Region Lugansk (400.000 Einwohner) wird von den Milizen auch als Hauptstadt der „Republik Lugansk“ bezeichnet. Die Geheimdienstzentrale ist seit dem 6. April besetzt, am 29. April stürmten prorussische Demonstranten zudem das Gebäude der Regionalverwaltung.

Kramatorsk

In der Nachbarstadt von Slawjansk (160.000 Einwohner) besetzten Aktivisten am 12. April erstmals das Rathaus. Auch ein Gebäude des Geheimdienstes ist in ihrer Gewalt. Ein ukrainischer Militärstützpunkt in der Nähe ist jedoch weiterhin unter Kontrolle ukrainischer Soldaten.

Weitere Städte

In diesen Städten sind die Rathäuser besetzt: Gorliwka (260.000 Einwohner), Makijiwka (360.000 Einwohner), Artemiwsk (78.000 Einwohner), Jenakijewe (85.000 Einwohner), Charzysk (60.000 Einwohner), Schdaniwka (14.000 Einwohner), Kirowsk (28.000 Einwohner), Tores (80.000 Einwohner), Kostjantyniwka (80.000 Einwohner)

Die Armee hatte ihre Offensive gegen prorussische Separatisten am Wochenende auf Städte wie Kramatorsk und Lugansk ausgeweitet. In Slawjansk, das zunächst Hauptziel des Einsatzes war, blieb die Lage zunächst ruhig. Am Freitag waren dort bei Kämpfen mindestens neun Menschen getötet worden.

Der „Anti-Terror-Einsatz“ werde fortgesetzt, kündigte Innenminister Arsen Awakow in Kiew an. Moskau befürchtet eine Großoffensive der ukrainischen Sicherheitskräfte und rief den Westen auf, Kiew davon abzuhalten. Die Bundesregierung verteidigte die Entsendung ihrer am Wochenende überraschend freigelassenen Militärbeobachter in die Kampfzone.

In einem Krisentelefonat mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) forderte Russlands Präsident Wladimir Putin nach Kreml-Angaben von Sonntag einen Dialog zwischen der Zentralmacht in Kiew und den Protestführern.

Die blutigen Auseinandersetzungen zwischen Gegnern und Befürwortern der prowestlichen Regierung in Kiew gehen auf andere Landesteile über. In der Schwarzmeermetropole Odessa stürmte eine mit Knüppeln bewaffnete Menge am Sonntag den örtlichen Sitz der Polizei, um moskautreue Gesinnungsgenossen zu befreien. Spezialeinheiten drängten die Angreifer laut örtlichen Medienberichten zuerst zurück. Unter dem Druck der Demonstranten ließ die Polizei dann aber doch nach offiziellen Angaben 67 Personen frei.

Bereits am Freitag lieferten sich die Kontrahenten in Odessa schwere Straßenschlachten. Dabei wurde das zentrale Gewerkschaftshaus in Brand gesetzt, wo Dutzende Menschen starben. Die Staatsanwaltschaft zählte insgesamt 46 Tote und 214 Verletzte.

Angesichts der nicht enden wollenden Gewalt streiten Russland und die ukrainische Führung darüber, wer dafür verantwortlich ist. Kiew verantworte ein „Blutvergießen, das schießende Truppen an unbewaffneten Menschen“ anrichteten, erklärte das Außenamt in Moskau. Awakow sagte jedoch: „Wir werden weiter gegen Extremisten und Terroristen vorgehen, die Gesetze ignorieren und das Leben der Bürger gefährden.“

Kommentare (24)

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05.05.2014, 08:02 Uhr

Die heutigen Amerikaner sind nicht die Amerikaner die uns nach dem Krieg geholfen haben und während des kalten Krieges an unserer Seite standen und die Wiedervereinigung befürworteten. Die Amerikaner heute sind vom Weg abgekommen und müssen sich endlich besinnen und nicht mehr alles mit militärischer Gewalt lösen. Weiterhin war Deutschland 1960 freier als heute und muss soviel Dummes Zeug mitmachen, bis z.B die Ukraine sich selber zerstört. Die hiesigen Politiker bei uns sind zu Marionetten von Amerika und der Türkei geworden.

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05.05.2014, 08:55 Uhr

Es ist mir völlig unbegreiflich, warum in der deutschen Leserbrieflandschaft plötzlich so viele Leute glauben, eine lupenreine und offensichtliche russische Aggression in eine böse amerikanische Intrige umdeuten zu müssen.

Zur Erinnerung: in der Ukraine gibt es einen russischen Bevölkerungsanteil von 17 Prozent, und ohne die Krim sind es sogar nur 14. Auch in den östlichen Bezirken der Ukraine beträgt der russische Bevölkerungsanteil maximal rund ein Drittel. Und ob die überhaupt von den plötzlich überall auftauchenden - bewaffneten Russen vertreten oder gar an Moskau angeschlossen werden wollen, ist m.E. völlig dahingestellt.

Es ist das Recht jedes souveränen Staates, seine Angelegenheiten selbst zu regeln. Dazu gehört auch die Frage, welchen Bündnissen oder Wirtschaftsräumen man beitritt. Es gibt kein russisches Sonder-Interventionsrecht bei seinen Nachbarn.

Wenn Deutschland an irgendetwas KEIN Interesse haben kann, dann ist es das Neuentstehen eines russischen Großreichs vor unserer Haustür. Ein solches steht allerdings allem Anschein nach auf Putins Agenda.

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05.05.2014, 09:23 Uhr

Es ist schon erstaunlich was für eine verzerrte Sichtweise hier gepostet wird und es kann nur vermutet werden, daß Ihr viele psychlogisch geschulte Propagandaschreiber mit verschiedenen Decknamen hier unterwegs sind!
Bezeichnend für den ganzen Konflikt ist das was in Odessa am Wochenende passiert ist. Fast alle getötete Militanten waren entweder russische oder transistrische Separatisten! Das zeigt doch genau, daß hier diese Agitation von Moskau orchestriert wird! Seitens Moskau sind auch jede Menge Toten gewünscht um dann entsprechenden Militäreinsatz zu rechtfertigen und eine Wahl am 25. Mai zu verhindern. Absurd was in z.B. auch in facebook läuft. Da schreibt ein angeblicher Doktor in allen Sprachen (!!! ein multilinguales Talent??), daß er an Hilfe gehindert wurde und Wasserschläuche durchschnitten wurden. Interessant ist, daß dieser Teilnehmer erst 15 Minuten vor der Post sich erstmalig mit falscher Identität in facebook anmeldete!! Wir werden über alle Medien propagandistisch aus Moskau beschallt und bewußt mit Lügen konfrontiert. Ziel ist klar Zweifel und Verunsicherung aufkommen zu lassen. Aber Putin geht noch weiter, was viele nicht wissen, ist, daß Putin in der gesamten EU-kritische und EU-feindliche Parteien - natürlich verdeckt - finanziell unterstüzt um die EU aufzuspalten! Nach dem Motto "divide et impera".
Jetzt können gleich die ganzen Schreiberlinge wieder über diesen Post herfallen, verzerren und mich der Lüge bezichtigen und zu beschimpfen. Denen kann ich nur wünschen, daß sie eines Tages begreifen welchem Herren sie dienten....
Ich wünsche der Ukraine, daß sie eine demokratische Wahl in der gesammten Ukraine abhalten kann und das Volk selbst entscheiden kann, in welchen System sie weiterleben möchten und Herr ihrer selbst sind und wieder Frieden einkehrt.

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