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22.03.2011

11:56 Uhr

Militärschlag in Libyen

Ein kopfloser Krieg gegen Gaddafi

VonRüdiger Scheidges

Zerstrittenheit statt Führungsfähigkeit: In der Diskussion über die Militäraktion in Libyen blamiert sich die Nato bis auf die Knochen. Ein Kommentar von Rüdiger Scheidges.

Ein Awcas-Aufklärungsflugzeug der Nato auf dem Stützpunkt Geilenkirchen. Quelle: dapd

Ein Awcas-Aufklärungsflugzeug der Nato auf dem Stützpunkt Geilenkirchen.

Seit zwei Tagen versucht die Koalition der Willigen, das Regime des Colonel Gaddafi mit Bomben und Raketen zum Einhalten zu bewegen. Vergebens. Eine eindeutige Strategie des Westens ist dabei nicht zu erkennen. Wie auch? Die Europäische Union ist tief gespalten, die USA wollen das Heft nicht alleine in die Hand nehmen und die Nato streitet sich über die völkerrechtlich und politisch umstrittene Aktion.

Vor allem in der Nato ist der erbitterte Streit ein Zeichen größter Unentschlossenheit über Weg und Ziel der Intervention gegen den Wüsten-Diktator. Nicht einmal auf ein Mandat für die Überwachung der vom Uno-Sicherheitsrat genehmigten Flugverbotszone konnten sie sich einigen. Die Nato wäre zwar gewiss schlagkräftiger als die dünne „Koalition der Willigen“. Doch sie weiß, dass ein Nato-Angriff auf muslimischem Boden neue, vielleicht unberechenbarere Aggressionen auch benachbarter Staaten nach sich ziehen würde.

Frankreich widersetzt sich Forderungen von etlichen Staaten in der Europäischen Union, die Nato solle jetzt dennoch das Kommando übernehmen. Denn Frankreichs Premier Nicolas Sarkozy will lieber selber den großen Feldherrn gegen den Diktator abgeben, den Frankreich jahrelang mit windigen und unverantwortlichen Rüstungsexporten erst so richtig aufgepäppelt hatte. Es ist frappierend: Momentan scheint allein Frankreich und ein wenig Großbritannien entschlossen, den Waffengang weiter zu führen – womöglich bis zu unausweichlichen Bodenkämpfen in Libyen, den die Nato und die USA ausschließen wollten. Nun droht auch Frankreich die Isolation in dieser seiner Art des „Afrikafeldzugs“.

Das aber genau ist der Kern der internationalen Malaise: Der Diktator soll zwar weg. Am besten aber mit nur einem kleinen bisschen Krieg. Doch das gibt es nicht. Niemand weiß, wie man den Konflikt begrenzen soll, sollte sich Ghaddafi über die nächsten Wochen retten, indem er hunderte, wenn nicht gar tausende als menschliche Schutzschilde missbraucht und der Westen mit hohen Zahlen von zivilen Opfern konfrontiert wird. So unausweichlich diese Situation droht, so ausweislich unvorbereitet sind die Interventionsmächte.

Kommentare (3)

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22.03.2011, 12:25 Uhr

Zu diesem unklaren Zeitpunkt wäre es sehr wichtig, in der Libyen-Frage eng mit der arabischen Liga zusammen zu arbeiten. Ansonsten könnte in der Tat ein unkontrollierbarer Ausgang drohen.

Achaz

22.03.2011, 13:55 Uhr

Und was hätte wohl der obige Schreiberling zu Papier gebracht, wenn Gaddafi seine Drohungen hätte war machen können. Es ist doch ein riesiger Unterschied, ob man Verantwortung trägt, oder nur darüber schreibt, und das auch noch ohne einen Funken Verständnis für die Verantwortlichen zu haben.

sinaa79

22.03.2011, 15:45 Uhr

Wenn sich zwei (oder auch mehrere) streiten, freut sich der dritte (Gaddaffi)...

Jetzt ist wirklich keine Zeit da um sich zu streiten. Mag sein, dass man in Libyen zu hart vorgegangen ist, dennoch, zusammenhalten ist gefragt, denn wenn die UNO nur streitet, geben sie Gaddaffi nur noch mehr Zeit und mehr Macht...

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