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20.08.2014

09:53 Uhr

Militärübung

Russland lässt die Muskeln spielen

Provokation statt Deeskalation: Ein weiteres Mal lässt der Kreml eine breitangelegte Militärübung durchführen, während in der Ukraine erbittert gekämpft wird. Etwa 20 Raketen sollen getestet werden.

Russische Soldaten 2008 in Georgien: An der Grenze zur Ukraine soll wieder einmal eine Militärübung durchgeführt werden. dpa

Russische Soldaten 2008 in Georgien: An der Grenze zur Ukraine soll wieder einmal eine Militärübung durchgeführt werden.

MoskauInmitten der Ukraine-Krise will die russische Armee eine weitere Militärübung starten. Das Manöver finde in der südrussischen Region Astrachan statt, sagte Armeesprecher Igor Klimow am Mittwoch der Nachrichtenagentur Interfax. Die Region liegt mehrere hundert Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt.

Bei dem Manöver sollen nach Armeeangaben verschiedene Raketensysteme getestet werden. Die Übung diene dazu, Luft- und Raketenangriffe zu simulieren. Etwa 800 Soldaten sollten daran teilnehmen. Am Mittwoch sollen laut Klimow etwa 20 Raketen vom Typ S-300 und S-400 getestet werden.

Der Streit um die humanitäre Hilfe für die Ostukraine

11. August

Kremlchef Wladimir Putin kündigt russische Hilfe an. Ein Konvoi soll in Abstimmung mit dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) organisiert werden.

12. August

In Russland werden laut Staatsfernsehen etwa 280 Lastwagen mit rund 2000 Tonnen Nahrungsmitteln, Medikamenten und anderen Gütern beladen. Beim Start ist unklar, ob der Transport mit Kiew abgestimmt ist. Der Vizechef der ukrainischen Präsidialverwaltung, Waleri Tschaly, sagt, man werde keinen rein russischen Konvoi auf ukrainisches Staatsgebiet lassen. Die Regierung in Kiew befürchtet, dass der Kreml unter dem Deckmantel einer Hilfsaktion Waffen für Separatisten einschmuggeln könnte. Moskau weist dies zurück.

13. August

In Kiew bekräftigt Ministerpräsident Arseni Jazenjuk, nur unter IKRK-Federführung werde der Konvoi ins Land gelassen. Laut Innenminister Arsen Awakow dürfen die Lastwagen nicht wie zunächst geplant durch das Gebiet Charkow fahren. Erstmals kündigt auch die Regierung in Kiew Unterstützung für die notleidenden Menschen an.

14. August

Der russische Konvoi steht vor der Grenze im Gebiet Rostow. Von dort können die Lastwagen direkt in ein von Separatisten kontrolliertes Gebiet einfahren. Die ukrainische Regierung startet Fahrzeuge mit eigenen Hilfsgütern. Insgesamt will Kiew mehr als 70 Lastwagen mit rund 800 Tonnen Hilfsgütern ins Krisengebiet schicken und dort dem Roten Kreuz übergeben. Erste ukrainische Transporter mit Medikamenten und Lebensmitteln erreichen am Abend einen Sammelpunkt nördlich von Lugansk. Ob der russische Konvoi die Grenze passieren darf, ist unklar. Er hängt wegen mangelnder Absprachen zwischen Moskau, Kiew und dem Roten Kreuz fest.

15. August

Moskau und Kiew einigen sich. Der russische Konvoi darf über die Grenze, wenn seine Ladung vom Roten Kreuz kontrolliert und formell übernommen wird. Laut Pentagon hat Moskau Washington versichert, der Konvoi sei kein Vorwand für militärisches Eingreifen. Berichte über einen angeblichen russischen Armeekonvoi auf ukrainischem Gebiet sorgen für Aufregung. Der Westen wirft Russland Provokation vor. Moskau weist die Vorwürfe zurück.

16. August

Separatistenführer Andrej Sachartschenko spricht von Verstärkung - unter anderem „1200 in Russland ausgebildete Kämpfer“. Der Kreml dementiert aber später erneut jede Unterstützung. Der Hilfskonvoi aus Moskau steht weiter vor der ukrainischen Grenze. Russland fordert für die Verteilung der Güter durch das Rote Kreuz eine Feuerpause. Die Lebensmittel sollen vor allem Lugansk zu Gute kommen - in der Separatistenhochburg leben rund 200 000 Bewohner ohne Versorgung. Eine baldige Waffenruhe ist aber nicht in Sicht.

17. August

Im Osten nichts Neues - das Rote Kreuz wartet weiter auf Sicherheitsgarantien, sonst will die Organisation den Konvoi nicht in die Kampfzone führen. Die Separatisten schießen ein Armeeflugzeug ab, während der ukrainische Außenminister Pawel Klimkin vom Westen Waffenhilfe erbittet. Alle Augen richten sich auf Berlin: Ein Treffen von Klimkin, seinem deutschen Kollegen Frank-Walter Steinmeier sowie Sergej Lawrow aus Russland und dem Franzosen Laurent Fabius soll dort am Abend zur Entspannung der Lage beitragen.

Russland hielt seit Beginn des Ukraine-Konflikts bereits mehrere Militärübungen ab. Kiew wertet die Manöver als Drohgebärden Moskaus. Die ukrainische Regierung und der Westen werfen der russischen Regierung vor, die Separatisten im Osten der Ukraine mit Waffen und Kämpfern zu unterstützen.

Von

afp

Kommentare (6)

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Herr Torsten Steinberg

20.08.2014, 11:08 Uhr

Gähn! Mal wieder die übliche Stimmungsmache! Einfach nur ermüdend, wenn es nicht so ärgerlich wäre und ein anderer Zweck als eskalierende Aufhetzung einfach nicht erkennbar ist. Machen doch eigentlich nur die bösen Russen - oder?

Astrachan ist von der ukrainischen Grenze ca. 700 km Luftlinie entfernt. Eine Entfernung von einigen hundert Kilometern wird wohl richtig erwähnt, aber warum wird ein Foto aus dem Jahre 2008 in den Text eingefügt mit dem vielsagenden Untertitel, an der Grenze zur Ukraine soll mal wieder ein Manöver stattfinden? Bei den S-300 und S-400-Raketen handelt es sich übrigens, im Internet für jedermann leicht zu recherchieren, um Luftabwehrraketen, wie Israel sie im Rahmen des Iron Dome tagtäglich zur Abwehr hintertückischer Hamas-Präsente einsetzt. Ihre Reichweite beträgt bis zu 400 km. Das Raketentestgelände befindet sich nun mal bei Astrachan, so dass derartige Raketen schon seit langem eben dort getestet werden. Die Entfernung zur Ukraine spielt dabei nicht die geringste Rolle, im Guten wie im Bösen nicht. Es werden nicht eine oder zwei Raketen getestet, sondern 20, weil es darum geht, die Fähigkeit zur gleichzeitigen Abwehr mehrerer Angriffsflugkörper zu testen. Dafür braucht man locker schon mal ein paar hundert Mann, und es ist eine blödsinnige Irreführung in diesem Zusammenhang von einem breitangelegten Manöver zu sprechen, während es sich nur um einen Test handelt, wie er ähnlich schon mehrfach stattgefunden hat. Verständlich ist es andererseits schon, dass diese Veranstaltung ein Muskelspiel genannt wird, wenn man selber zur Verteidigung doch nur verrottete Schutzwesten aufzubieten hat.

Herr Woifi Fischer

20.08.2014, 11:30 Uhr

Militärübung Russland lässt die Muskeln spielen.

Wie kann es eine Mittelmacht wie Russland wagen, seine Muskel zu zeigen?

Russland besitzt ein rissiges Arsenal an Atomwaffen? Ob einsatzbereit oder nicht.
Russland verfügt über eine Truppenstärke von ca. 1.130 000 Mann, und da sprechen die USA von einer Mittelmacht?
Europa und ganz speziell die BRD dürfen Russland nicht unterschätzen und schon gar nicht sich in die inneren Angelegenheit Russlands ein zu mischen, dies wäre Tödlich, Angesicht dieser Überlegenheit.

elly müller

20.08.2014, 11:37 Uhr

Dieses ständige darstellen der militärischen Macht scheint Putin zu beflügeln!

Das ganze Machtgehabe ist aus den letzten Jahrhunderten und eigentlich sollten wir alle weiter, viel weiter sein!

Wenn Putin gewillt wäre, dann würde er auf die Forderungen eingehen wie z.B. die OSZE als Kontrolleure der Grenze einsetzen, Anerkennung des Staates Ukraine und vor allem aufhören mit Waffenlieferungen!!!!

So einfach wäre es und trotzdem macht er es nicht, weil er genau das vorhat, er will allen zeigen wie toll er ist!

In Russland wäre das Geld dieser ganzen Manöver sicher besser investiert wenn er die Infrastruktur und die Industrieanlagen auf Vordermann bringen würde. Wenn er den Menschen mehr Demokratie zubilligen würde und vor allem wenn er die Menschenrechte achten würde!

Wäre ein guter Anfang und vor allem wenn er endlich vernünftig an einen Tisch sitzt und so verhandelt, dass man seinen Worten auch mal glauben kann!

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