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05.12.2014

17:50 Uhr

Milliardenplan

Frankreich will Armee modernisieren

Mit dem milliardenschweren Programm „Scorpion“ will die französische Regierung seine Armee aufrüsten. Geplant sind dabei vor allem neue gepanzerte Fahrzeuge. Ziel ist das Jahr 2025.

Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian (r.) stellte das Programm „Scorpion“ am Freitag im ostfranzösischen Varces-Allières-et-Risset vor. AFP

Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian (r.) stellte das Programm „Scorpion“ am Freitag im ostfranzösischen Varces-Allières-et-Risset vor.

Varces-Allières-et-RissetDie französische Regierung hat einen milliardenschweren Plan zur Modernisierung der gepanzerten Fahrzeuge für die Landstreitkräfte bis zum Jahr 2025 verkündet. Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian stellte das Programm „Scorpion“ am Freitag im ostfranzösischen Varces-Allières-et-Risset vor. „Eine neue Generation von gepanzerten Fahrzeugen ist nötig“, sagte er. Für mindestens fünf Milliarden Euro soll der 40 Jahre alte Bestand erneuert werden.

Ab 2018 sollen die Landstreitkräfte neue Panzerfahrzeuge erhalten - darunter Transportfahrzeuge, Spähpanzer und Kampfpanzer. Für den Anfang sind fünf Milliarden Euro vorgesehen. Doch das Programm wird auf längere Sicht „bis zu 8,7 Milliarden Euro“ umfassen, sagte der Minister ohne nähere Zeitangaben.

Die deutsche und französische Wirtschaft im Vergleich

Wachstum

Frankreich: Die Industriestaaten-Organisation OECD hat die Wachstumsprognose erst vorige Woche mehr als halbiert. 2014 wird das Bruttoinlandsprodukt demnach nur um 0,4 Prozent zulegen, nachdem im Frühjahr noch 0,9 Prozent vorausgesagt worden waren. Für kommendes Jahr wurde die Prognose von 1,5 auf 1,0 Prozent zurückgenommen.

Deutschland: Auch bei Europas Nummer eins hat die OECD den Daumen gesenkt. Für das laufende Jahr wurde die Prognose von 1,9 auf 1,5 Prozent zurückgenommen, für 2015 von 2,1 auf ebenfalls 1,5 Prozent.

Arbeitslosigkeit

Frankreich: Wegen der Konjunkturflaute leidet der Nachbar unter einer Rekordarbeitslosigkeit. Die EU-Kommission sagt für dieses Jahr einen Anstieg auf 10,4 Prozent voraus, 2015 soll es leicht nach unten gehen auf 10,2 Prozent. Das entspricht etwa dem Durchschnitt aller 28 EU-Staaten.

Deutschland: Hier ist die Arbeitslosenquote nur halb so hoch. Nach der Prognose der EU-Kommission wird sie in diesem Jahr auf 5,1 Prozent fallen und 2015 auf diesem Niveau verharren. Mit Österreich weist die Bundesrepublik damit die niedrigste Arbeitslosigkeit in der Euro-Zone auf.

Staatsschulden

Frankreich: Erst 2017 will die Regierung die jährliche Neuverschuldung unter die in den EU-Verträgen erlaubte Höchstgrenze von drei Prozent im Verhältnis zur Wirtschaftskraft drücken. Eigentlich sollte das schon 2015 der Fall sein, doch sieht sich die Regierung in Paris wegen der schwachen Konjunktur dazu nicht in der Lage. Der Schuldenberg wird nach Prognose der EU-Kommission bis 2015 auf 96,6 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt wachsen. Die EU erlaubt eigentlich nur 60 Prozent.

Deutschland: Der Staat könnte 2014 bereits das dritte Jahr in Folge einen leichten Überschuss aufweisen. Zum Halbjahr wurden 16 Milliarden Euro mehr eingenommen als ausgegeben. Alle übrigen Euro-Staaten dürften hingegen rote Zahlen schreiben. Allerdings ist der Schuldenstand mit rund 76 Prozent immer noch höher als erlaubt.

Wettbewerbsfähigkeit

Frankreich: Ein Grund für die Misere ist die gesunkene Wettbewerbsfähigkeit. Eine Arbeitsstunde kostet private Arbeitgeber durchschnittlich 35,00 Euro. In der besonders stark dem internationalen Wettbewerb ausgesetzten Industrie sind es sogar 36,70 Euro - in der EU sind die Kosten nur in Schweden, Belgien und Dänemark höher. Das ist auch einer der Gründe dafür, warum Frankreich im weltweiten Standortranking des World Economic Forum (WEF) nur Platz 23 belegt.

Deutschland: Die Arbeitskosten liegen niedriger als in Frankreich. In der Privatwirtschaft sind es 31,70 Euro, in der Industrie 36,20 Euro. Im Standortvergleich des WEF belegt Deutschland den fünften Rang, wobei besonders die gut ausgebildeten Fachkräfte und innovative Unternehmen gelobt werden.

Industrie

Frankreich: Zwar kann das Nachbarland mit großen Unternehmen wie den Autobauern Renault und Peugeot Citroen oder dem Atomkonzern Areva aufwarten. Allerdings fehlt es an einem breiten und exportstarken Mittelstand, der die Absatzkrise in der Euro-Zone durch wachsende Geschäfte in Asien und anderen Boomregionen ausgleichen kann. Die Industrie ist deshalb auf dem Rückzug: Sie trägt nur noch 10,25 Prozent zur Wirtschaftsleistung bei, der EU-Schnitt liegt bei 15,3 Prozent.

Deutschland: Hierzulande haben viele "hidden champions" ihre Heimat - also unbekannte mittelständische Unternehmen, die Nischen besetzt haben und mit ihren Produkten zu den Weltmarktführern gehören. Die Industrie erlebt in Deutschland eine Renaissance, weil diese Firmen in den Boomregionen aktiv sind. "Nur Deutschland hat es geschafft, zwischen 2007 und 2012 Jobs in der Industrie aufzubauen", stellte die EU-Kommission in ihrem europaweiten Vergleich fest. Der Industrie-Anteil an der Wirtschaftsleistung liegt mit 22 Prozent klar über dem EU-Schnitt.

Der Auftrag für die ersten Fahrzeuge geht an die französischen Unternehmen Nexter, Renault Trucks Défense und Thales. Sie sollen zunächst zwei gepanzerte Fahrzeuge entwickeln für einen Gesamtbetrag von 752 Millionen Euro. Eines ist als Ersatz für die bisherigen gepanzerten Truppentransportfahrzeuge VAB gedacht, das andere als Ersatz für Späh- und leichte Kampfpanzer vom Typ AMX-10 RC oder ERC 90 Sagaie. Vom ersten Fahrzeug sollen bis 2025 780 bestellt werden, vom zweiten 110. Weitere Fahrzeuge sollen folgen und auch die Panzer vom Typ Leclerc sollen modernisiert werden.

Von

afp

Kommentare (1)

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Herr Sebastian Austerlitz

08.12.2014, 17:22 Uhr

So schlau die Franzosen. Da kommt ihnen ja genau recht, dass Nexter (französisch-staatliches Unternehmen) mit unserem deutschen KMW fusionieren möchte. Unser Wissen und Arbeitsplätze abziehen und in Zukunft eine vorbildliche Rüstungsindustrie vorweisen können. Wann ist unsere Politik aufgewacht und verhindert das endlich?

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