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27.08.2012

18:59 Uhr

Millionärssteuer in Frankreich

Hollande droht Pleite mit Wahlkampfschlager

VonThomas Hanke

Im Wahlkampf gegen Ex-Präsident Sarkozy hat der neue Amtsinhaber Hollande mit einer satten 75-Prozent-Abgabe für Millionäre gepunktet. Doch diejenigen, die Hollande eigentlich treffen willen, leben in London.

Frankreichs Präsident Francois Hollande während einer Rede in Paris. dpa

Frankreichs Präsident Francois Hollande während einer Rede in Paris.

ParisDer Wahlkampfschlager von François Hollande – die Millionärssteuer von 75 Prozent – wird politisch zu einer schweren Hypothek für ihn. Die Superabgabe wird aller Voraussicht nach nur wenig Einnahmen bringen. Doch in Frankreich sorgt sie nicht nur bei den Reichen, sondern auch bei Unternehmen für Kopfzerbrechen: Sollte man bestimmte Geschäftsbereiche ins Ausland verlagern? Wird es in Zukunft schwieriger, Top-Kräfte aus dem Ausland anzuwerben? Und außerhalb Frankreichs „wirkt die Steuer wie ein großes rotes Schild: Vorsicht, Gefahr!“, sagt Berater Jeffrey Owens, der früher die Steuerabteilung in der OECD leitete.

In der französischen Industrie verdient kaum jemand mehr als eine Million Euro. Hinsichtlich des Finanzsektors mutmaßen die Medien allerdings seit Wochen, ob und, wenn ja, welche Bank einen Teil ihres Personals nach London, Zürich oder Singapur verlagern wird. Doch bei näherem Nachfragen ist nur zu hören, dass es keine Planungen dafür gebe, Händler oder Investment-Banker von Paris nach London zu versetzen.

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Das hat wenig mit Patriotismus zu tun und viel damit, dass der größte Teil der sehr gut bezahlten französischen Bankexperten bereits in London arbeitet. Das in Paris verbliebene Personal kommt mit dem Gehalt samt Boni nicht in die Nähe des kritischen Wertes von einer Million, und lediglich die darüberliegenden Gehaltsbestandteile werden mit 75 Prozent besteuert werden.

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Die Vorstände aber, die über eine Million Euro verdienen, können schlecht von Paris nach London umziehen. Mit einer Welle von Kapitalflucht wird ebenfalls nicht gerechnet: Der Steuerhammer soll keine Kapitaleinkünfte treffen. Die Besitzer großer Vermögen fluchen allerdings über die erhöhte Vermögensteuer, der sie jetzt aber nicht mehr ausweichen können.

Kommentare (16)

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TheoLingen

27.08.2012, 20:54 Uhr

Der Holländer wird zum Clown!
Jedes Land bekommt den Anführer den es verdient.

Leo

27.08.2012, 21:27 Uhr

Holland gleicht niemand. Farbloser roter Funktionar

Toll

27.08.2012, 22:20 Uhr

Was ich nicht verstehe ist warum wir in Europa nicht längst eine Einkommensteuer nach amerikanischen Vorbild haben. Jeder muss sie zahlen egal wo er lebt und wo er das einkommen generiert, er darf aber im Ausland gezahlte Steuern abziehen. So kann jeder leben wo er will ohne Steuern zu hinterziehen oder er muss seinen Pass abgeben.

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