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18.04.2015

09:26 Uhr

Mindestens 30 Tote

Selbstmordattentat in Afghanistan

Ein Motorradfahrer rast in Dschalalabad in eine Menschenmenge – und zündet eine Bombe. 30 Menschen sterben, mehr als 100 werden verletzt. Die Taliban äußern sich umgehend zu dem Anschlag: Sie verurteilen ihn entschieden.

Sicherheitskräfte untersuchen den Tatort. ap

Nach dem Anschlag in Dschalalabad

Sicherheitskräfte untersuchen den Tatort.

KabulBei einem Selbstmordanschlag in der ostafghanischen Stadt Dschalalabad sind am Samstag mindestens 30 Menschen getötet worden. Wie ein Sprecher des Gouverneurs de Provinz Nangarhar, Ahmad Sia Abdulsai, mitteilte, fuhr ein Selbstmordattentäter auf einem Motorrad in eine Menge wartender Zivilisten und Sicherheitskräfte, die vor einer Bank auf die Auszahlung ihrer Löhne warteten. Mehr als 100 Menschen seien verletzt worden, viele davon lebensgefährlich.

Die Bank befand sich im Zentrum des Geschäftsviertels von Dschalalabad, sagte Abdulsai. Bei einem Schrein in der Stadt sei ein weiterer Sprengsatz hochgegangen. Dabei sei niemand verletzt worden. Bei einer dritten Explosion, die in Dschalalabad gehört wurde, habe es sich um eine kontrollierte Sprengung der afghanischen Truppen gehandelt.

Der Afghanistan-Einsatz im Wandel

Intervention

Als Reaktion auf die Anschläge vom 11. September 2001 intervenierte eine von den USA geführte Koalition in Afghanistan, um das Regime der radikalislamischen Taliban zu stürzen und die für die Anschläge verantwortliche Terrororganisation Al-Kaida zu bekämpfen.

Stabilisierung

Nach dem Sturz der Taliban stationierte die Nato von Dezember 2001 an die „International Security Assistance Force“ (Internationale Sicherheitsunterstützungstruppe, Isaf) in Afghanistan. Ihre ursprüngliche Aufgabe: Stabilisierung des Landes. Deutschland beteiligte sich an der Mission mit bis zu 5350 Soldaten.

Krieg

Im Laufe der Jahre nahmen die Angriffe der Taliban auf die afghanische Regierung und die internationalen Truppen kontinuierlich zu. Die Isaf-Truppe wurde auf bis 130 000 Soldaten aufgestockt und ging dazu über, die Taliban offensiv zu bekämpfen. In Deutschland war trotzdem noch lange von einem „Stabilisierungseinsatz“ die Rede. 2010 war der damalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) der erste deutsche Politiker, der von Krieg sprach.

Ausbildung

Zum Jahreswechsel soll der Isaf-Einsatz beendet und durch die Mission „Resolute Support“ (Entschlossene Unterstützung) mit etwa 13 000 Soldaten ersetzt werden. Der neue Auftrag lautet „Ausbildung, Beratung, Unterstützung“. Trotzdem kann die Truppe weiterhin in Gefechte verwickelt und Ziel von Anschlägen werden.

Die aufständischen Taliban wiesen jede Verantwortung für die Tat zurück. „Wir verurteilen sie entschieden“, sagte ein Sprecher der radikalislamischen Kämpfer. Nach Angaben des Polizeichefs blieb zunächst unklar, ob der Attentäter den Sprengstoff am Körper trug oder ein Auto dazu nutzte. Untersucht werde ferner, ob es eine zweite Explosion gab, als Umstehende nach der ersten zu Hilfe eilten.

Die Nato war einst mit bis zu 130.000 Soldaten in Afghanistan vertreten. Davon sind nur noch einige Tausend geblieben. Sie helfen den afghanischen Truppen vor allem bei der Ausbildung und bei Spezialeinsätzen.

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