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16.01.2008

15:39 Uhr

Mindestens zwei Tote

Schüsse auf Demonstranten in Kenia

In Kenia hat es erneut blutige Unruhen gegeben. Polizisten sind am Mittwoch in mehreren Orten mit Knüppeln, Tränengas und scharfen Schüssen gegen hunderte Demonstranten vorgegangen. Mindestens zwei Männer wurden erschossen.

HB KISUMU. Die Anhänger von Oppositionschef Raila Odinga ignorierten ein Demonstrationsverbot und protestierten gegen das Ergebnis der Präsidentenwahl vom 27. Dezember. Amtsinhaber Mwai Kibaki hatte sich trotz eines unklaren Wahlausganges zum Sieger erklären lassen.

In der Stadt Kisumu, einer Hochburg der Opposition, waren rund 1000 Menschen dem Aufruf der Orange Demokratiebewegung (ODM) gefolgt und auf die Straße gegangen. Polizisten lösten die Versammlung gewaltsam auf. Ein Reuters-Kameramann berichtete von einer auf der Straße liegenden Leiche, die am Rücken und auf der Seite Schusswunden aufwies.

In der Hafenstadt Mombasa errichteten rund 150 Jugendliche Barrikaden und zündeten Reifen an, bevor die Polizei sie mit Waffengewalt auseinandertrieb. In der Stadt Eldoret im Rift Valley errichteten Demonstranten Straßensperren. Diese Region war von den gewaltsamen Unruhen nach der Präsidentenwahl Ende Dezember am schwersten betroffen. Mehr als 600 Menschen kamen bei diesen Auseinandersetzungen ums Leben.

In der Hauptstadt Nairobi riegelte die Polizei den Uhuru-Park ab, in dem eine Protestkundgebung stattfinden sollte. In Kibera, einem Armenviertel Nairobis, versammelten sich mehrere hundert Menschen zu einem Protestmarsch. Jugendbanden blockierten die Straßen und riefen: „Ohne Raila kein Frieden“. Drei Jugendliche wurden auf der Flucht vor den Sicherheitskräften angeschossen. Im Geschäftsviertel der Metropole trieben Polizisten Demonstranten mit Tränengas auseinander. Schwaden des Reizgases zogen durch die Büros der umliegenden Gebäude. Nach den vorangegangenen Unruhen blieben aber auch viele Bewohner der Hauptstadt zu Hause. Ladenbesitzer verbarrikadierten ihre Schaufenster, Bereitschaftspolizisten patrouillierten in den Straßen.

Am Dienstag hatte die Opposition im Parlament einen Etappensieg gegen Präsident Kibaki errungen, indem sie ihren Kandidaten für das Amt des Parlamentspräsidenten durchbrachte. „Das markierte gestern einen Wendepunkt“, sagte ODM-Chef Odinga zu Journalisten, bevor er mit Getreuen zum Uhuru-Park zog.

Der Wahlausgang war auch international auf Kritik gestoßen. 13 Nationen, darunter auch die USA, drohten mit dem Einfrieren ihrer Hilfen für Kenias Regierung, wenn sie sich nicht an die Regeln einer guten Regierungsführung, an Demokratie und Menschenrechte halte. Bundesentwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul bekräftigte, die direkten EU-Finanzhilfen für Kenia müssten solange eingefroren werden, bis die Konfliktparteien eine politische Lösung akzeptierten.

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