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30.10.2012

20:55 Uhr

Ministerpräsident Erdogan

Türkei bietet Hilfe in der Euro-Krise an

Bei der Neueröffnung der türkischen Botschaft in Berlin hat Ministerpräsident Erdogan eine klare Botschaft im Gepäck. Er strebt mit seinem Land weiterhin eine EU-Vollmitgliedschaft an - vor 2023.

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan (l) mit Außenminister Guido Westerwelle bei der Eröffnung der neuen Botschaft. dpa

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan (l) mit Außenminister Guido Westerwelle bei der Eröffnung der neuen Botschaft.

BerlinDer türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hält am Ziel eines EU-Beitritts seines Landes fest. „Wir bereiten uns darauf vor, dass wir Vollmitglied in der EU werden“, sagte Erdogan am Dienstagabend bei einer europapolitischen Rede in Berlin. Auf die Frage, ob die Türkei bis 2023 EU-Mitglied sein werde, antwortete er: „So lange wird man uns nicht hinhalten, oder?“ Als Problem benannte Erdogan allerdings die Zypern-Frage. Die Türkei erkennt das EU-Mitglied Zypern nicht an.
Selbstbewusst bot der türkische Regierungschef auch Hilfe in der Euro-Finanzkrise an. „Wenn Sie uns vor die Tür setzten, werden Sie am Ende verlieren. Wir werden jeden Tag stärker.“, sagte er. Die Türkei werde jeden Beitrag leisten, damit die Euro-Krise überwunden werden könne. Sein Land werde keine Belastung für die EU sein. „Wir kommen, um Last zu übernehmen“, sagte Erdogan. Erdogan verwies auf das Wirtschaftswachstum, den Schuldenabbau und die junge, gut ausgebildete Jugend seines Landes. „Da sind wir für die europäische Union ein Vorbild.“

Gleichzeitig forderte der türkische Ministerpräsident die in Deutschland lebenden Türken auf, sich stärker an der deutschen Gesellschaft zu beteiligen. „Sie sollen sich hier nicht als Gäste sehen, Sie sollen sich als dazugehörig sehen“, sagte Erdogan am Dienstag in Berlin. Gleichzeitig sollten sie aber auch ihre türkische Hintergrund als kulturellen Schatz begreifen.

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) betonte in seinem Grußwort, dass die fast drei Millionen Menschen türkischer Herkunft in der Bundesrepublik die deutsche Kultur bereicherten. „Sie sind aus unserer Gesellschaft nicht wegzudenken, sie sind ein Teil von uns“, sagte der FDP-Politiker vor den rund 2.000 geladenen Gästen.

Die neue Botschaft ist die größte aller türkischer Auslandsvertretungen. Das Grundstück hatte das damalige Osmanische Reich bereits 1918 erworben. Nach Gründung der türkischen Republik hatten die Botschafter bis 1944 hier ihren Sitz. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Botschaftskanzlei bei Bombenangriffen zerstört.

Erdogan nannte den Neubau ein Symbol der tief verwurzelten Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei. Der historische Ort an dem sie errichtet wurde, zeige, wie lange die Freundschaft zwischen den beiden Ländern schon währe. Am (morgigen) Mittwoch empfängt Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) den türkischen Ministerpräsidenten im Kanzleramt. Bei dem Treffen soll es neben bilateralen Fragen auch um die Lage in Syrien gehen.

Erdogan rief die Menschen mit türkischem Hintergrund in Deutschland dazu auf, sowohl die deutsche als auch die türkische Sprache „in bester Art und Weise“ zu erlernen. Er kündigte an, ein türkisches Kulturzentrum in Berlin eröffnen zu wollen, das den deutschen Goethe-Instituten im Ausland ähneln solle. Er unterstrich, dass hinter den in Deutschland lebenden Türken eine „starke Türkei, mit einer starken Wirtschaft, mit einer aktiven Außenpolitik“ stehe.

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