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05.02.2014

17:49 Uhr

Missbrauchsfälle

Uno-Menschenrechtler kritiseren Vatikan scharf

Experten der Vereinten Nationen haben dem Vatikan im Zusammenhang mit Missbrauchsfällen in der Kirche ein vernichtendes Urteil ausgestellt. Doch der Uno-Ausschuss kann nicht mehr als Empfehlungen zur Besserung abgeben.

UN-Beschluss

Vatikan muss Priester nach Missbrauchsfällen entlassen

UN-Beschluss: Vatikan muss Priester nach Missbrauchsfällen entlassen

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RomEin Menschenrechtsausschuss der Vereinten Nationen hat den Umgang des Vatikans mit Missbrauchsfällen in der Katholischen Kirche scharf verurteilt und eine umfassende Aufarbeitung gefordert. In einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht kritisierten die Uno-Experten zudem die Einstellung der Kirche zu Homosexualität, Verhütung und Abtreibung.

Der Bericht ist das Ergebnis einer Anhörung vor dem Uno-Ausschuss für die Rechte des Kindes im Januar, bei der sich Vertreter des Vatikans erstmals öffentlich und ausführlich zu den Missbrauchsskandalen hatten äußern müssen.

„Der Ausschuss ist äußerst besorgt, dass der Heilige Stuhl das Ausmaß der verübten Verbrechen nicht eingestanden und die nötigen Maßnahmen nicht ergriffen hat, um die Fälle von Kindesmissbrauch anzusprechen und Kinder zu schützen“, hieß es nun in dem Bericht. „Und er (der Vatikan) hat eine Politik und Praktiken eingeführt, die zu einer Fortführung des Missbrauchs durch die Täter und deren Straffreiheit geführt haben.“

Der UN-Ausschuss aus fünf unabhängigen Experten rief die von Papst Franziskus im Dezember ernannte Missbrauchskommission im Vatikan auf, eine unabhängige Untersuchung aller Fälle von Missbrauch durch Priester durchzuführen und auch die Reaktionen der Kirche im Verlauf der Jahre unter die Lupe zu nehmen. Es müsse klare Regeln für die verpflichtende Meldung von Vorfällen an die Polizei geben, hieß es in dem Bericht.

Die Empfehlungen des UN-Ausschusses sind nicht bindend und es gibt auch keine Möglichkeit, ihre Umsetzung zu erzwingen. Stattdessen forderten die Uno den Vatikan auf, die Empfehlungen umzusetzen und bis 2017 einen Bericht darüber abzuliefern.

Konkret war es bei der Befragung Mitte Januar darum gegangen, ob der Vatikan die von ihm ratifizierte Uno-Kinderrechtskonvention einhält. Sie verpflichtet die Unterzeichnerstaaten unter anderem, alle nötigen Maßnahmen zum Schutz von Kindern zu ergreifen und die Belange der Kinder über alles andere zu stellen. Der letzte Bericht des Vatikans zur Umsetzung wurde allerdings mit 14 Jahren Verspätung veröffentlicht.

Die Empfehlungen der Uno-Experten gingen weit über die Missbrauchsfälle hinaus und beinhalteten auch Passagen über die Diskriminierung von Kindern und ihr Recht auf angemessene Gesundheitsversorgung. Mit den Aufforderungen, die katholischen Positionen zur Verhütung und Abtreibung zu überprüfen, ging der Ausschuss auch auf Konfrontation mit Kernlehren der Kirche.

Der Vatikan erklärte, er werde die Empfehlungen zum Missbrauch prüfen und bekräftigte sein Bekenntnis zum Schutz der Kinder, lehnte aber eine Einmischung in wichtige Kirchenlehren ein. „Der Heilige Stuhl bedauert allerdings, dass in einigen Punkten der abschließenden Beobachtungen ein Versuch zu sehen ist, sich in die Lehren der Katholischen Kirche zur Würde des Menschen und zur Ausübung religiöser Freiheit einzumischen.“

Der Uno-Botschafter des Heiligen Stuhls, Erzbischof Silvano Tomasi, warf dem Ausschuss vor, mit seinem Aufruf zur Überprüfung der Abtreibungspolitik seine eigenen Richtlinien zum Schutz der Kinder missachtet zu haben. Nach katholischer Lehre beginnt das Leben mit der Empfängnis. Deshalb werden Abtreibung und künstliche Verhütung in der Kirche abgelehnt.

Von

ap

Kommentare (2)

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Papst

05.02.2014, 15:15 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

RumpelstilzchenA

05.02.2014, 19:22 Uhr

Aus der Kirche austreten und die Protz-Bischöfe werden nicht mehr von den allg. Steuergeldern bezahlt (im Grunde eine gewaltige Unverschämtheit).
....von wegen - Uno nur Empfehlungen .....

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