Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.08.2015

16:50 Uhr

Missglückte Twitter-Aktion

Hillary Clintons Emoji-Gate

VonAxel Postinett

Social Media ist aus dem Leben eines US-Politikers nicht mehr wegzudenken. Doch nicht jede Aktion gelingt dabei - das bekam nun Hillary Clinton zu spüren.

Die US-Präsidentschaftskandidatin forderte in einem Tweet ihre Follower auf, in drei „Emojis“ oder weniger zu erklären, wie sie sich mit ihren Studenten-Schulden fühlen. dpa

Hillary Clinton

Die US-Präsidentschaftskandidatin forderte in einem Tweet ihre Follower auf, in drei „Emojis“ oder weniger zu erklären, wie sie sich mit ihren Studenten-Schulden fühlen.

San FranciscoSeit Präsident Barack Obama 2008 und 2012 souverän gezeigt hat, wie man mit Twitter und Facebook ganze Wahlkämpfe zu seinen Gunsten beeinflussen kann, ist jeder Kandidat und jede Kandidatin selbsternannte Internet-Expertin und Jugend-Versteher(in). So auch Hillary Clinton.

In einem Tweet forderte sie ihre mehr als vier Millionen Follower auf, in drei „Emojis“ oder weniger zu erklären, wie sie sich mit ihren Studenten-Schulden fühlen.

Emojis sind kleine Bildchen, die ohne Worte Gefühle, Stimmungen oder Situationen ausdrücken sollen, sozusagen die Weiterentwicklung der Emoticons wie dem berühmte „Smilie“ :-).

Private und staatliche Kredite in Höhe von zusammen 1,2 Billionen Dollar lasten auf 40 Millionen Abgängern von Hochschulen und Universitäten in den USA. Ein gewaltiges Problem, das nach Meinung vieler Experten die Erholung der amerikanischen Wirtschaft behindert. Jungen Leuten fehlt das Geld für Autos oder Wohnungen, sie bleiben bei ihren Eltern wohnen, bis die Schulden abbezahlt sind, und verschieben eine Familiengründung.

Barack Obamas Streitpunkte mit den Republikanern

Energiepolitik

Während Obama den Ausbau von erneuerbaren Energien fördert, setzen die Republikaner voll auf fossile Energieträger wie Öl und Gas. In konservativen Kreisen gilt der Klimawandel als Mythos. Ein hoher Symbolwert kommt dem Pipelineprojekt Keystone XL zu, das der Präsident 2012 vorerst gestoppt hatte. Bereits in dieser Woche wollen die Republikaner Gesetzentwürfe im Senat und im Repräsentantenhaus behandeln, die den Bau der von Umweltschützern kritisierten Ölpipeline von Kanada an die Golfküste im US-Bundesstaat Texas ermöglichen soll. (Quelle: afp)

Obamacare

In den Augen der Republikaner gängelt der Präsident mit seiner Gesundheitsreform die Bürger und schadet der Wirtschaft. Der erzkonservative Tea-Party-Flügel der Partei verlangt eine komplette Rücknahme der Reform, ein derartiges Gesetz hat angesichts von Obamas Veto-Recht aber keine Chance. Die republikanische Parteiführung fährt daher offenbar die Strategie, Obamacare mit einer Vielzahl von Gesetzesänderungen schrittweise auszuhöhlen. So soll etwa der gesetzlich festgeschriebene Umfang einer Arbeitswoche von 30 auf 40 Stunden erhöht werden. Dadurch müssten Unternehmen weniger Angestellten eine Krankenversicherung bezahlen.

Einwanderungsreform

Erbost nahmen die Republikaner im November die Ankündigung Obamas auf, das Einwanderungssystem im Alleingang zu reformieren und fünf Millionen Migranten ohne gültige Papiere ein befristetes Bleiberecht zu gewähren. Viele konservative Abgeordnete kritisieren dies als Amnestie für illegale Einwanderer. Aus diesem Grund sorgten sie dafür, dass die Finanzierung des Heimatschutzministeriums nur bis Ende Februar gesichert ist. Die Republikaner drohen damit, den Geldhahn für die Einwanderungspolitik zuzudrehen, sollte Obama an seinen Plänen festhalten.

Haushalt

Ein politischer Dauerbrenner in Washington war in den vergangenen Jahren der Streit um die Staatsfinanzen, der das Land mehrfach an den Rand der Zahlungsunfähigkeit brachte. Die Republikaner forderten dabei niedrigere Steuern und heftige Ausgabenkürzungen. Mitte März stoßen die USA erneut an die gesetzliche Schuldenobergrenze, die endgültige Frist für eine Anhebung durch den Kongress dürfte im Frühsommer liegen. Zwar haben die Parteioberen der Republikaner klargestellt, dass sie keinen Zahlungsausfall riskieren würden. Ob ihnen die fiskalpolitischen Hardliner in den eigenen Reihen folgen, ist allerdings ungewiss.

Außenpolitik

Die Außenpolitik ist in den USA traditionelle Domäne des Präsidenten, doch auch dem Senat fällt eine wichtige Rolle zu. So müssen internationale Abkommen von der Kongresskammer ratifiziert werden. Zu den Befürchtungen von Obamas Regierung zählt, dass der republikanisch kontrollierte Kongress das jüngste Abkommen im Atomstreit mit dem Iran torpedieren könnte. Außerdem steht noch immer ein Gesetz aus, das den US-Militäreinsatz gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien und im Irak regelt.

Wer in den ersten Jahren keine Anstellung findet, der zahlt nicht selten noch Mitte 40 an seinen Studenten-Darlehen. Praktisch jeder Möchtegern-Präsidentschaftskandidat auf beiden Seiten des politischen Spektrums hat den Kampf gegen die Studenten-Überschuldung auf seine Fahne geschrieben.

Angesichts der Schwere der Probleme waren die Antworten vieler Twitterer auf die Bitte der ehemaligen US-Außenministerin, freundlich formuliert, ein kleiner Rückschlag. Von Verärgerung bis völligem Unverständnis darüber, dass eine ernste Diskussion auf drei Witzbildchen statt Worte reduziert werden soll, reichten die Antworten.

Sachkundige Twitterer bemängelten auch direkt das Fehlen wichtiger grafischer Ausdrucksmöglichkeiten, um die Frage kompetent beantworten zu können. Mit zu den beliebtesten Emojis gehörten unter den bislang über 2000 Antworten Totenkopf und ein kleiner Haufen Fäkalien.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×