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16.01.2005

16:45 Uhr

Misshandlungen im irakischen Gefängnis Abu Ghraib

US-Soldat wegen Folter zu zehn Jahren Haft verurteilt

Wegen der Misshandlungen im irakischen Gefängnis Abu Ghraib ist der US-Soldat Charles Graner von einem texanischen Militärgericht zu zehn Jahren Haft verurteilt worden.

US-Soldat Charles Graner wird in Handschellen abgeführt. Foto: dpa

US-Soldat Charles Graner wird in Handschellen abgeführt. Foto: dpa

HB FORT HOOD. Das Gericht in Fort Hood im US-Bundesstaat Texas hatte den 36-Jährigen Graner zuvor in zehn Anklagepunkten der Misshandlung von Gefangenen schuldig befunden, die im US-geführten Gefängnis Abu Ghraib bei Bagdad einsaßen. Einige der Taten waren auf Fotos dokumentiert und auf diesem Weg im vergangenen Jahr an die Öffentlichkeit gekommen, darunter Bilder, wie die Gefangenen nackt eine Pyramide bilden mussten oder gezwungen worden waren, vor den Soldaten zu masturbieren. Graners Verteidigung hatte argumentiert, der Soldat habe auf Anordnung seiner Vorgesetzten gehandelt. Die Militärführung und die Regierung der USA haben die Schuld an den Vorfällen jedoch einer kleinen Gruppe von Soldaten zugeordnet und erklärt, es gebe keine Strategie der Gefangenenmisshandlung. Der Skandal hat dem Ansehen der USA massiv geschadet, ganz besonders im Irak.

In seiner ersten öffentlichen Erklärung zu dem Skandal räumte Graner vor der Entscheidung über das Strafmaß ein, falsch gehandelt zu haben. Er habe sich wiederholt bei Vorgesetzten beschwert, sei aber angewiesen worden, mit der groben Behandlung der Gefangenen fortzufahren. „Ich habe nichts von dem, was ich dort getan habe, gern getan. Vieles davon war falsch, vieles ein Verbrechen“, sagte Graner, der vor seinem Militärdienst Gefangenenaufseher gewesen war. Während der zweieinhalbstündigen Befragung trat der in Uniform vor Gericht stehende Soldat am Samstag voller Selbstbewusstsein auf, lächelte von Zeit zu Zeit und bat um die Chance, weiter in der US-Armee dienen zu dürfen. Graner ist verheiratet und hat zwei Kinder im Alter von elf und 13 Jahren.

Über Fotos von den Misshandlungen, die ihn breit grinsend zeigen, sagte Graner, Galgenhumor sei der einzige Ausweg gewesen, mit den harten Bedingungen in dem Gefängnis zurecht zu kommen. „Wenn ich mitbekam, dass jemand ein Foto macht, habe ich gelächelt. Das ist die einzige Erklärung, die ich habe“, fügte er hinzu. Der Angeklagte nannte mehrere Vorgesetzte, bei denen er sich über die Haftbedingungen für die Insassen oder den verlangten Umgang mit ihnen wie Schlafentzug beschwert habe. „Wie alle guten Soldaten, oder schlechten kleinen Soldaten, sagte ich „Zu Befehl'. Und wir machten weiter.“

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