Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.04.2012

10:46 Uhr

Mission "Atalanta"

Kampf gegen Seeräuber wird zum Risiko

VonFlorian Brückner

ExklusivDie EU will somalische Piraten auch an Land bekämpfen. Doch Experten warnen vor den Risiken - der Schuss könnte wie in Afghanistan nach hinten losgehen. Der Tod von Zivilisten könnte verheerende Folgen haben.

Ein bewaffneter somalischer Pirat blickt vom Ufer aus auf einen von den Piraten gekaperten Frachter. AFP

Ein bewaffneter somalischer Pirat blickt vom Ufer aus auf einen von den Piraten gekaperten Frachter.

Sie sind von Luft aus gut zu sehen, die Lager der Piraten an der Küste Somalias. Mitten am Strand lagern Fässer mit Treibstoff, Zelte voll mit Ausrüstung, die weißen Boote der Piraten liegen einsatzbereit am Ufer. Durch den Sand rumpelt ein Tankwagen mit Nachschub. All das beobachten die Fernaufklärer der europäischen Anti-Piraterie-Mission EUNAVFOR, die hoch im Himmel über der Küste Somalias kreisen.

Bislang waren die Flugzeuge für die Piraten weitgehend bedeutungslos. Das Festland war für die Piraten am Horn von Afrika ein sicherer Rückzugsort. Doch damit dürfte es bald vorbei sein. Denn die Europäische Union will künftig auch die Stützpunkte der Piraten ins Visier nehmen, um Boote und Munitionslager der Seeräuber auszuschalten. Die 27 EU-Außenminister haben jüngst einer entsprechenden Anpassung des Anti-Piraterie-Einsatzes „Atalanta“ zugestimmt. „Wir sind uns in der EU einig, dass gegen die Piraterie ernst, robust und auch nachhaltig vorgegangen werden muss“, begründete Bundesaußenminister Guido Westerwelle die Entscheidung.

Für Konteradmiral Duncan Potts, der das Oberkommando über die EUNAVFOR im britischen Northwood inne hat, kommt die Ausweitung des Mandats genau rechtzeitig. “Wir verzeichnen taktische Erfolge gegen die Piraten”, sagt Potts im Gespräch mit “Handelsblatt Online”. “Die Piraten sind unter Druck und es ist jetzt ein kritischer und richtiger Zeitpunkt, diesen noch weiter zu erhöhen.”

Tatsächlich hat sich die Zahl der erfolgreichen Piratenangriffe auf Handelsschiffe deutlich  reduziert. Laut dem International Maritime Bureau der Internationalen Handelskammer (ICC) wurden im letzten Quartal 2011 31 Schiffe angegriffen, vier wurden von den Piraten gekapert - im Jahr zuvor waren es noch 90 Angriffe und 19 gekaperte Schiffe gewesen. Und während im vergangenen Jahr 30 Handelsschiffe und mehr als 700 Seeleute in der Gewalt der Piraten waren, sind es jetzt noch acht Schiffe und 200 Geiseln.

“Das sind alles gute Nachrichten, aber letztlich hat sich an den großen strategischen Gegebenheiten in Somalia nichts geändert”, sagt Konteradmiral Potts.  “Wir dämmen die Bedrohung zweifellos ein, aber in dem Moment, wo wir aus der Region abzögen, würden die Angriffe der Piraten und vor allem die Zahl der erfolgreich gekaperten Schiffe wieder zunehmen.”

Kommentare (9)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

solar

04.04.2012, 11:00 Uhr

Gott, wie primitiv kann man sein????
Ist das normal, wenn man Leichen isst?

Einfach aus den betroffenen Küstenregionen die Bewohner als Matrosen rekrutieren und Ruhe ist es. Wenn die merken, dass die Seefahrt nicht Beute, sondern Arbeitgeber ist, werden die von sich aus die Piraten im eigenen Land ausräuchern und wir können uns die ganzen Marine Einsätze sparen.

Ist es eigentlich bekannt, dass die USA für den Iraq Krieg mehr Geld ausgegeben hat, als es gekostet hätte, ALLE Häuser in USA mit Solar zur 100% Selbst-Versorgung auszustatten?

Naja, nur eben.
Am Tod von Unschuldigen verdient man mehr.


Account gelöscht!

04.04.2012, 12:26 Uhr

Na, ganz so einfach ist es nicht.

Die Frage ist, wie man mit gescheiterten Staaten umgeht, die nicht mehr in der Lage sind, für die Sicherheit ziviler Transporte in ihrem Umfeld zu sorgen.

Hier hat die Weltgemeinschaft einfach keine Antwort, denn die alles blockierende Regel ist ja: Völlige Nichteinmischung in innere Angelegenheiten! Aber was nutzt es, mit Geld zu versuchen, einen Staat aufzubauen, wenn man selbst absolut keine Möglichkeiten hat und auf die vorhandenen Strukturen angewiesen ist? Dort versickert das Geld ja nur im Sumpf aus Korruption und Kriminalität.

Die einzig sinnvolle Lösung wäre sicherlich, solche Staaten komplett unter UNO-Verwaltung zu stellen, bis funktionierende Strukturen aufgebaut sind, und diese Staaten dann im Anschluss in die Selbstverwaltung zu überführen.

Dies scheitert aber an den divergierenden Interessen der UNO-Mitgliedsstaaten, von denen die Demokratien - oder sagen wir besser: Die Staaten mit einem klaren Rechtssystem - deutlich in der Minderheit sind.

Es gibt recht gute Konzepte, insbesondere afrikanische Staaten zu entwickeln, nur scheitern diese Konzepte immer an der Nichteinmischungsregel!

LIW

04.04.2012, 12:28 Uhr

@solar, wir sind nicht für das Wohl der Welt verantwortlich. Vor allem nicht in einer Region, die aus politischen und religiösen Gründen noch im Mittelalter leben und die dem Westen überwiegend feindlich gesinnt sind (was auch wieder religiöse Gründe hat).

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×