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04.09.2014

13:48 Uhr

Mistral-Schiffe für Russland

Frankreich kann Lieferstopp verkraften

VonThomas Hanke

Frankreich hat die Lieferung zweier Kriegsschiffe im Wert von 1,2 Milliarden Euro für Russland ausgesetzt. Halb so wild? Dafür winken Aufträge anderer osteuropäischer Länder, die einen wesentlich höheren Wert ausmachen.

Zwei Kommandoschiffe der Mistral-Klasse ankern gerade vor Saint-Nazaire. Die französische Regierung soll deren Lieferung an Russland zwar ausgesetzt, aber nicht definitiv abgesagt haben. AFP

Zwei Kommandoschiffe der Mistral-Klasse ankern gerade vor Saint-Nazaire. Die französische Regierung soll deren Lieferung an Russland zwar ausgesetzt, aber nicht definitiv abgesagt haben.

Die Lieferung der beiden französischen Kommando- und Landungsschiffe an Russland ist nach Aussage einer Mitarbeiterin des Staatspräsidenten nur suspendiert worden, aber nicht definitiv abgesagt. Weil Paris sich die Möglichkeit offenhalten will, die beiden Schiffe im Wert von rund 1,2 Milliarden Euro doch noch der russischen Marine zu übergeben, hat die Regierung auch noch keine Forderungen an die Nato-Partner gestellt, anstelle der Russen in den Vertrag einzutreten.

Russische Vertreter dagegen sprechen bereits davon, Frankreich habe den Vertrag annulliert – was für Moskau kein großes Problem darstelle, die Beziehungen zwischen den beiden Ländern aber belasten werde. In Saint Nazaire, wo die Schiffe der Mistral-Klasse auf der Werft von STX im Auftrag der staatlichen Marinewerft DCNS gebaut werden, hält sich die Aufregung in Grenzen.

Putin spricht...

über Krieg und Frieden

„Russland hat keine Absicht, Krieg gegen das ukrainische Volk zu führen.“
am 4.3. in einer Pressekonferenz

„Wenn ich will, kann ich in zwei Wochen Kiew einnehmen.“
am 01.09. in einem Telefonat mit EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso, das dieser öffentlich machte. Die russische Seite erklärte im Anschluss, das Zitat sei aus dem Zusammenhang gerissen worden.

über Rüstung

„Die Militarisierung des Weltraums und die US-Stützpunkte in Europa und Alaska, direkt an unserer Grenze, nötigen uns zu einer Reaktion.“
am 10.09. in einer Pressekonferenz

über die Zukunft der Ostukraine

„Russland behält sich das Recht vor, alle vorhandenen Mittel zu nutzen, sollte es in östlichen Regionen der Ukraine zu Willkür kommen.“
am 4. 3. in einer Pressekonferenz

„Diese Gebiete (im Süden und Osten der Ukraine) waren als Neurussland historisch ein Teil des Russischen Reiches. Erst in den 1920er Jahren wurden die Territorien von den Bolschewiken der Ukraine gegeben. Gott weiß warum.“
am 17. 4. im russischen Staatsfernsehen

„Es müssen umgehend substanzielle inhaltliche Verhandlungen anfangen - nicht zu technischen Fragen, sondern zu Fragen der politischen Organisation der Gesellschaft und der Staatlichkeit im Südosten der Ukraine.“
am 31. 8. vor dem Treffen der Ukraine-Kontaktgruppe

über die Führung der Ukraine

„In der Ukraine gibt es bislang keine legitime Macht, mehrere Staatsorgane werden von radikalen Elementen kontrolliert.“
am 18. 3. in der Rede an die Nation

„Sind sie da jetzt völlig verrückt geworden? Panzer, Schützenpanzerwagen und Kanonen! (...) Sind sie total bekloppt? Mehrfachraketenwerfer, Kampfjets im Tiefflug! (...) Sind sie dort jetzt völlig bescheuert geworden, oder was?
am 17. 4. im russischen Staatsfernsehen

über den Westen

„In der Ukraine überschritten die westlichen Partner die rote Linie, verhielten sich grob, verantwortungslos und unprofessionell.“
am 18.3. in der Rede an die Nation

„Die Vereinigten Staaten dürfen in Jugoslawien, Irak, Afghanistan und Libyen agieren, aber Russland soll es verwehrt sein, seine Interessen zu verteidigen.“
am 18.3. in der Rede an die Nation

über Russen im Ausland

„Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurden die Russen zu einem der größten geteilten Völker der Welt. Millionen von Menschen gingen in einem Land ins Bett und erwachten in einem ganz anderen und wurden zur nationalen Minderheit.“
am 18.3. in der Rede an die Nation

„Ich glaube daran, dass die Europäer, vor allem aber die Deutschen, mich verstehen werden (...). Unser Land hatte das starke Bestreben der Deutschen nach Wiedervereinigung unterstützt. Ich bin sicher, dass sie das nicht vergessen haben und rechne damit, dass Bürger Deutschlands das Bestreben der russischen Welt, ihre Einheit wiederherzustellen, (...) ebenfalls unterstützen werden.“
am 18.3. in der Rede an die Nation

Ein Gewerkschaftsvertreter sagte, bei dieser Art von Aufträgen werde „immer über Bande gespielt, es gibt geopolitische Risiken, und wir bekommen es letzten Endes ab.“ Die Arbeiten an einem Schiff sind abgeschlossen, das zweite ist im Rohbau. Ob wirklich Arbeitsplätze gefährdet sind, wie die Gewerkschaften geltend machen, ist unklar. Denn STX hat mehrere Großaufträge für Kreuzfahrtschiffe, die die Werft bis 2019 auslasten.

Der bereits fertige Helikopter-Träger, der auf den Namen Wladiwostok getauft wurde, sollte in der kommenden Woche Erprobungsfahrten auf hoher See machen. Die Lieferung war für Oktober vorgesehen. Was mit den 400 russischen Soldaten geschieht, die bereits seit Wochen an Bord sind, ist derzeit noch unklar. Am Mittwochabend jedenfalls blieben sie ganz gelassen und organisierten ein kleines Rock-Konzert.

Kommentare (2)

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Herr Teito Klein

04.09.2014, 17:23 Uhr

Hollande ist endlich aufgewacht
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Die für Oktober geplante Lieferung eines ersten Mistral-Hubschrauberträgers an Russland hatte international Kritik ausgelöst. Frankreichs sozialistischer Präsident François Hollande hatte noch vor wenigen Wochen auf der geplanten Lieferung des ersten von zwei Mistral-Kriegsschiffen beharrt. „Die Russen haben bezahlt; wir müssten 1,1 Milliarden Euro zurückzahlen“, wenn das Schiff nicht geliefert würde, sagte er damals.

Und was wird jetzt aus den zwei Hubschrauberträgern? Kauft die jetzt die Nato, oder Deutschland und schenkt sie Israel?
Oder werden sie zu Hilfsschiffen? Oder ein Lazarettschiff?
Freiwillig hat Hollande das sicherlich nicht getan. Da war der Druck von Außen wohl doch zu groß.

Herr C. Falk

04.09.2014, 17:40 Uhr

Frankreich als "Grande Nation" ist auch nur noch ein Schatten seiner selbst oder nur Herr Hollande?
Aber der war shon immer ziemlich schattenhaft...

Ein de Gaulle oder selbst Sarkozy hätten aus reiner Selbstachtung wohl anders gehandelt, aber das letzte Wort ist wohl doch noch nicht ganz gesprochen....

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