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08.02.2012

11:49 Uhr

Mit 475 Euro sind Sie dabei

Was die Griechen-Pleite jeden Deutschen kosten würde

VonJan Mallien, Andreas Niesmann

In Athen wird aktuell weiter um den Schuldenschnitt gerungen. Doch immer mehr Politiker aus der Euro-Zone rechnen mit einer Pleite Griechenlands. Ein kompletter Zahlungsausfall käme auch die deutschen Bürger teuer.

Die Rechnung bitte: Eine Pleite Griechenlands würden jeden Deutschen 475 Euro kosten - mindestens. Getty Images

Die Rechnung bitte: Eine Pleite Griechenlands würden jeden Deutschen 475 Euro kosten - mindestens.

DüsseldorfFür Griechenland wird es eng. Eine Pleite ist längst kein Tabu-Thema mehr, das hat am Wochenende sogar der sonst so diplomatische Euro-Gruppenchef Jean-Claude Juncker deutlich gemacht. Sollte Griechenland die nötigen Reformen nicht umsetzen, könne es nicht erwarten, „dass weitere Solidaritätsleistungen von den anderen erbracht werden“, sagte der Luxemburgische Regierungschef.

Anfang der Woche dann machten auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy ihrem Ärger Luft: Sie forderten die griechische Regierung und alle Parteien in Athen ultimativ auf, die zugesagten Reformen bedingungslos und zügig umzusetzen. „Die Zeit drängt und deshalb muss schnell etwas geschehen“, sagte Merkel.

Die griechischen Politiker sollen sich unmissverständlich und über Parteigrenzen hinweg zu dem harten Sparkurs bekennen, den die Troika aus EU, EZB und IWF dem Land verordnet hat. Außerdem muss die Regierung die Verhandlungen mit den Privatgläubigern über einen Schuldenschnitt endlich zum Abschluss bringen. Zuletzt standen die Zeichen auf Einigung - ein Abschluss der Verhandlungen wird für Mittwoch oder Donnerstag erwartet.

Doch selbst wenn beide Bedingungen erfüllt werden, ist Griechenland noch lange nicht gerettet. Schon oft haben die Euro-Retter vorzeitig den Durchbruch verkündet, und genauso oft stellte sich im Nachhinein heraus, dass ihre Rettungspläne nicht ausreichten. Inzwischen spielen daher immer mehr Ökonomen den Ernstfall durch. Würde der Hellas-Bankrott tatsächlich die ganze Welt in eine Krise stürzen, wie Citigroup-Chefökonom Willem Buiter gewarnt hat?

Schon am 20. März könnte es eine Antwort auf diese Frage geben, denn an diesem Tag werden Griechenland-Anleihen im Wert von 15 Milliarden Euro fällig. Ist die Griechenland-Rettung bis dahin nicht unter Dach und Fach, bliebe der Regierung in Athen wohl keine andere Wahl mehr, als einen Zahlungsstopp für die Staatsschulden zu verkünden. Das Land wäre pleite.

Der Fahrplan zum griechischen Rettungspaket

7. Februar

Massenstreiks in Griechenland. Mehr als 10 000 Menschen protestieren in Athen gegen geplante noch größere Sparanstrengungen. Die Verhandlungen der griechischen Regierung mit der „Troika“ aus Internationalem Währungsfonds (IWF), Europäischer Zentralbank (EZB) und EU-Kommission sind in der entscheidenden Phase. Zugleich laufen die Verhandlungen mit den privaten Gläubigern über einen Schuldenschnitt im ursprünglich geplanten Umfang von rund 100 Milliarden Euro.

Am Abend sollten die Chefs der Regierungsparteien zusammenkommen, um das geplante neue Sparprogramm zu billigen, doch das Treffen wurde erneut um einen Tag auf Mittwoch verschoben. Das Programm müsste danach vom Ministerrat und an den kommenden Tagen vom Parlament genehmigt werden. Sobald dann auch der „Troika“-Bericht vorliegt, sollen die Euro-Finanzminister unterrichtet werden. Dann erst könnten sie das neue Milliarden-Hilfspaket freigeben, das binnen Wochen benötigt wird, um die Zahlungsunfähigkeit Athens abzuwenden.

8. Februar

Die Chefs der Regierungsparteien sollen zusammenkommen, um das neue Sparprogramm abzusegnen, dass Bedingung zum Abschluss der Verhandlungen mit der Troika ist.

9. Februar

In Brüssel kommt um 18 Uhr die Eurogruppe zu einer Sondersitzung zusammen, um über das zweite Hilfspaket für Griechenland in Höhe von rund 130 Milliarden Euro zu beraten. Die Regierung hofft auf einen Beschluss, obwohl es in der  Sitzung am Mittwochabend noch keine endgültige Einigung über weitere Sparmaßnahmen gab, die Voraussetzung für weitere Notkredite sind. Offen ist auch, ob der mit den Banken verhandelte Schuldenerlass steht. Die Bankenvertreter treffen sich am Donnerstag in Paris.

13. Februar

Wenn es auch zu einer Einigung über den Schuldenschnitt kommt, muss Griechenland seinen Privatgläubigern ein Angebot für einen Umtausch ihrer Anleihen vorlegen. Das ist ein komplizierter Vorgang. Die Frist für die Abgabe des Angebots läuft am 13.  Februar ab. Durch den Schuldenschnitt sollen hundert Milliarden Euro vom griechischen Schuldenberg abgetragen werden.

15. Februar

Ein neues Hilfspaket muss nach einem Beschluss der Finanzminister auch auf nationaler Ebene abgesegnet werden. In Deutschland ist dafür der Bundestag zuständig - der allerdings am Freitag dieser Woche letztmals vor einer zweiwöchigen Sitzungspause zusammentritt. Deswegen müsste wahrscheinlich eine Sondersitzung abgehalten werden, als Termin wird der 15. Februar genannt.

20./21. Februar

In Brüssel treffen sich an zwei Tagen hintereinander erst die Eurogruppe, dann die Finanzminister aller 27 EU-Länder. Die Beratungen sind eine weitere Möglichkeit, wichtige Weichen zur Griechenland-Rettung zu stellen - oder im schlimmsten Fall für eine Staatspleite des Landes, wenn die Bemühungen scheitern.

1./2. März

Der nächste EU-Gipfel ist angesetzt. Zu diesem Zeitpunkt soll Griechenland mit seinen privaten Gläubigern den Anleihenumtausch im Rahmen des Schuldenschnitts abgeschlossen haben. Das Thema Griechenland dürfte den Gipfel beherrschen.

12./13. März

Treffen der EU-Finanzminister und Euro-Gruppe in Brüssel

20. März

Anleihen Griechenlands über 14,5 Milliarden Euro werden fällig. Da Athen kein Geld hat, um die Schulden zu bezahlen, wäre das Land ohne weitere Hilfen pleite. Voraussetzung für Hilfen darüber hinaus ist der Abschluss der Verhandlungen mit den privaten Gläubigern, die vom Internationale Bankenverband IIF vertreten werden. Danach folgen aber noch langwierige Zustimmungsprocedere auf Seite der Gläubiger. Der Erfolg hängt letztlich davon ab, wie viele Banken und andere Besitzer griechischer Staatsanleihen dem Ergebnis zustimmen und auf ihr Geld verzichten.

Ein Bankrott hätte für die griechische Bevölkerung dramatische Folgen. Der Staat wäre kaum noch in der Lage, weiter in vollem Umfang die Gehälter an Lehrer, Polizisten und andere Beamte zu bezahlen. Auch staatliche Auftragnehmer wie zum Beispiel Baufirmen müssten um ihre Außenstände bangen. 

Am heftigsten aber würde ein Zahlungsstopp die griechischen Banken treffen. Mit etwa 40 Milliarden Euro halten sie die meisten hellenischen Anleihen und würden die nötigen Abschreibungen bei einem Totalausfall kaum verkraften.

Kommentare (119)

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Account gelöscht!

08.02.2012, 12:03 Uhr

"Mit 475 Euro wäre jeder einzelne dabei."

Gibt es schon ein Spendenkonto fuer Griechenland? Wie ist dies mit Portugal, Spanien, Italien, Belgien. Werden dafuer auch Konten eingerichtet?

Rodriguez

08.02.2012, 12:06 Uhr

Nur 38 Milliarden? Bei unserem Schuldenberg macht das ja eh nichts mehr aus. Dafür!!

Account gelöscht!

08.02.2012, 12:10 Uhr

Das sind die Kosten, die uns die Pleite bis jetzt kosten würde.
Die zukünftigen Kosten, wenn durch das fällig werden der CDS die Banken erst richtig ins Straucheln kommen, stehen noch aus.
Und wenn das funktioniert, hindert die Hedgefonds nichts mehr, in Portugal weiter zu machen.

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