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12.09.2015

13:21 Uhr

Mit großem Vorsprung

Linkspolitiker Corbyn wird neuer Labour-Chef

Lange galt er als Außenseiter seiner Partei, jetzt wurde er an die Spitze gewählt: Jeremy Corbyn ist der neue Chef der britischen Labour-Partei. Damit setzen jüngere Partei- und Gewerkschaftsmitglieder ein Zeichen.

Der britische Ex-Premier Tony Blair wirft seinem neuen Parteichef vor, moderate Wähler in die Arme der Tories zu treiben. Reuters

Blair-Antipode

Der britische Ex-Premier Tony Blair wirft seinem neuen Parteichef vor, moderate Wähler in die Arme der Tories zu treiben.

LondonDer Linkspolitiker Jeremy Corbyn hat die Urwahl der britischen Labour-Partei mit großem Vorsprung gewonnen. Der 66-jährige Sozialist und langjährige Partei-Außenseiter wurde mit 59,5 Prozent der Stimmen zum neuen Labour-Chef und damit zum Oppositionsführer gewählt, wie am Samstag auf einem Sonderparteitag in London mitgeteilt wurde. Corbyn gehört zu den energischsten Kritikern der Sparpolitik des konservativen Regierungschefs David Cameron, er will seine Partei weit nach links ausrichten.

Nach seinem Wahlsieg rief Corbyn dazu auf, in Großbritannien eine „bessere Gesellschaft“ aufzubauen. Dies sei mit einer entschlossenen Labour-Partei möglich. Im Wahlkampf hatte er großen Zuspruch von jüngeren Parteimitgliedern, Gewerkschaftern und den Gegnern des politischen Establishments erhalten. Zu seinen schärfsten parteiinternen Kritikern gehörte Ex-Premierminister Tony Blair, der Corbyn als Gefahr für Labour bezeichnet hatte, weil er moderate Wähler in die Arme von Tories-Chef Cameron treibe.

Corbyn triumphierte in der Urwahl über die drei anderen Kandidaten Andy Burnham, Yvette Cooper und Liz Kendall, die alle drei die Partei weiter in der Mitte verankern wollten. Auftrieb hatte Corbyn auch durch die Erfolge der linken Syriza in Griechenland und der Anti-Establishment-Partei Podemos in Spanien erhalten.

Was die Briten an der EU stört

Nationale Identität

Als ehemalige Weltmacht ist Großbritanniens Politik noch immer auf Führung ausgelegt. London ist gewohnt, die Linie vorzugeben, statt sich mühsam auf die Suche nach Kompromissen zu begeben. Die Briten reagieren allergisch auf jegliche Vorschriften aus Brüssel.

Londoner City

Die Londoner City ist trotz massiven Schrumpfkurses noch immer die Lebensader der britischen Wirtschaft. Großbritannien fühlt sich von Regulierungen, die in Brüssel ersonnen wurden, aber die City treffen, regelrecht bedroht.

Soziales und Arbeitsmarkt

Auch in der Sozial- und Arbeitsmarktpolitik wollen sich die Briten nicht von Brüssel herein reden lassen. Eine gemeinsame EU-weite Arbeitszeitrichtlinie hat beispielsweise für heftigen Streit gesorgt.

EU-Bürokratie

Die Euroskeptiker unter den Briten halten die Bürokratie in Brüssel für ein wesentliches Wachstumshemmnis. Anti-Europäer in London glauben, dass Großbritannien bilaterale Handelsabkommen mit aufstrebenden Handelspartnern in aller Welt viel schneller aushandeln könne als der Block der 27. Die Euroskeptiker fordern auch, dass der Sitz des Europaparlaments in Straßburg abgeschafft wird und die Abgeordneten nur noch in Brüssel tagen.

Medien

Die britische Presse ist fast durchgehend europafeindlich und prägt das Bild der EU auf der Insel. Das hat politische Wirkung. „Ich muss meinen Kollegen in Brüssel dauernd sagen, sie sollen nicht den 'Daily Express' lesen“, zitierte mal die „Financial Times“ einen britischen Minister.

Von

afp

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