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10.07.2013

20:38 Uhr

Mit neuem Namen

Griechisches Staatsfernsehen sendet wieder

Zunächst war nur ein Testbild zu sehen, doch nun sendet das griechische Staatsfernsehen wieder. Knapp einen Monat nach seiner überraschenden Schließung startet der Sender mit einem Film – und unter neuem Namen.

Testbild des EDT: Am Mittwochabend zeigte das griechische Staatsfernsehen einen alten schwarz-weiß Film. AFP

Testbild des EDT: Am Mittwochabend zeigte das griechische Staatsfernsehen einen alten schwarz-weiß Film.

AthenKnapp einen Monat nach seiner überraschenden Schließung ist das staatliche griechische Fernsehen am Mittwoch mit neuem Namen wieder auf Sendung gegangen. Genau um 21 Uhr Ortszeit (20 MESZ) begann das Programm mit einer alten griechischen schwarz-weiß-Filmkomödie aus den 1960er Jahren. Am Morgen war zunächst ein Testbild mit dem Titel „Hellenisches Öffentliches Fernsehen“ (Hellenikí Dimósia Tileórasi - EDT) erschienen. Zunächst gab es auf allen Frequenzen nur ein Programm. Vor der Schließung gab es drei TV-Kanäle und ein Satellitenprogramm.

Wie die Nachrichtenagentur dpa erfuhr, wird aus dem Studio einer Privatfirma im Osten Athens bei der Ortschaft Paiania gesendet. „Das ist eine Übergangslösung“, sagte Staatssekretär Pantelis Kapsis dem Nachrichtensender Skai. Es werde zunächst nur ein Notprogramm mit Filmen, Dokumentationen und Musiksendungen geben. „Nachrichten wird es zunächst in der Form von Einblendung von Texten als Laufband geben“, sagte der Staatssekretär weiter. Diese Übergangsphase werde dauern, bis ein neues, verschlanktes Staatsfernsehen aufgebaut sei. Wann auch ein neues staatliches Radio auf Sendung gehen wird, blieb zunächst unklar. Es wird damit gerechnet, dass es erst in zwei bis drei Monaten ein normales TV-Programm geben wird.

Die Maßnahmen des griechischen Sparpakets

Renten

Die Rentner müssen mit Kürzungen um fast 4,8 Milliarden Euro rechnen. Alle Renten von 1000 Euro aufwärts werden um fünf bis 15 Prozent gesenkt. Das Weihnachtsgeld für Rentner wird abgeschafft; es war bereits von einer Monatsrente auf 400 Euro gekürzt worden. Die Gewerkschaften rechneten aus, dass damit die Rentner im Durchschnitt 2000 Euro im Jahr verlieren werden.

Arbeitnehmer

Die Abfindungen für entlassene Arbeitnehmer werden drastisch gesenkt. Arbeitgeber dürfen Verträge mit jedem einzelnen Arbeitnehmer schließen. Damit werden praktisch Tarifverhandlungen umgangen.

Staatsbedienstete

Auch den Staatsbediensteten werden die jeweils verbliebenen 400 Euro vom Weihnachtsgeld sowie vom Urlaubsgeld gestrichen. Viele Löhne und Gehälter sollen um sechs bis 20 Prozent verringert werden. Bis Ende 2012 sollen 2000 Staatsbedienstete in die Frühpensionierung gehen oder entlassen werden. Bis zum Eintritt des Rentenalters erhalten sie dann 60 Prozent ihres letzten Gehalts.

Gesundheitswesen

Im Gesundheitswesen sollen 1,5 Milliarden Euro eingespart werden. Unter anderem sollen die Versicherten sich mit höheren Eigenbeiträgen beim Kauf von Medikamenten beteiligen. Zahlreiche Krankenhäuser sollen schließen. Andere sollen sich zusammenschließen.

Gehaltskürzungen

Die Gehälter der Angestellten der öffentlich-rechtlichen Betriebe, wie beispielsweise der Elektrizitätsgesellschaft (DEI), sollen denen der Staatsbediensteten angeglichen werden. Dies bedeutet für die Betroffenen nach Berechnungen der Gewerkschaften bis zu 30 Prozent weniger Geld.

Kindergeld

Familien, die mehr als 18 000 Euro im Jahr verdienen, haben keinen Anspruch auf Kindergeld mehr.

Rentenalter

Das Rentenalter wird für alle von 65 Jahre auf 67 Jahre angehoben.

Die Regierung in Athen hatte das staatliche Fernsehen (ERT) Mitte Juni im Zuge ihrer Sparmaßnahmen überraschend per Dekret des konservative Ministerpräsidenten Antonis Samaras geschlossen. Der Schritt führte zu landesweiten Protesten und zu Turbulenzen in der Koalition. Die kleinere Partei Demokratische Linke verließ aus diesem Grund die Athener Regierung. Seitdem haben die Konservativen und ihr kleinerer Koalitionspartner, die Sozialisten, nur noch eine knappe Mehrheit von 155 Abgeordneten im 300-Sitze-Parlament.

Die rund 2700 Angestellten des geschlossen Staatsrundfunks halten das Gebäude des Rundfunks im Athener Vorort Agia Paraskevi besetzt und senden ein Protestprogramm via Internet. Ihre Gewerkschaft charakterisierte die Sendung des neuen Staatsfernsehens als eine „Piratensendung“. Auch die Oppositionsparteien kritisierten den Vorgang. Staatsekretär Kapsis rief die ehemaligen Angestellten auf, die Besetzung aufzugeben, sich neu zu bewerben und damit an der Bildung des neuen Rundfunks teilzunehmen.

Von

dpa

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

10.07.2013, 09:27 Uhr

Schön - die nächste EU-Tranche fließt ja auch wieder.
Da muß man nicht weiter so tun, als ob man Kosten sparen und Leute entlassen will (ganz unabhängig davon, ob der Rundfunk hierfür der richtige Ansatzpunkt war - er war jedenfalls publicity-mäßig ein Volltreffer).

Aber die Tragik-Komödie wird weitergehen. Bin gespannt, wie die Schauspieler in der griechischen Regierungstruppe das nächste Mal den Anschein erwecken wollen, daß sie diesmal etwas getan hätten (und auch wie die wesentlich schlechteren Darsteller der Troika den Anschein erwecken wollen, daß sie es glauben würden).

Wir sollten diese Farce genießen - schließlich bezahlen wir auch teuer dafür.

Account gelöscht!

10.07.2013, 10:32 Uhr


Gute parteigänger finden bald wieder ihre Anstellung.
Nur ein Schaulaufen für "Kafkas Fangruppe" in Bruessel bzw Landesparlamenten. Süss die Jungs da unten.

Rene

10.07.2013, 11:07 Uhr

Deutschland hat ja wieder Steuergeld überwiesen. Kann man den defizitären Laden ja weiter (deutsches) Geld verbrennen lassen. Ist der finanzielle Druck weg, versanden die Reformen.

Ein neuer Tag, eine neue Milliarde...

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