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30.08.2012

20:26 Uhr

Mitt Romney

Die Rede seines Lebens

VonNils Rüdel

Drei Tage lang haben sie ihn gefeiert. Als netten Kerl, als Problemlöser, der Amerika rettet. Heute Abend hat Mitt Romney seinen Auftritt auf dem Parteitag. Es ist die große Chance, eigene Schwächen vergessen zu machen.

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Romneys großer Tag

Video: Romneys großer Tag

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TampaErst war es die Diskussion um Schweizer Konten und Investments auf den Cayman-Inseln. Dann bescherte ein irrlichternder Parteifreund Amerika eine Debatte über echte und unechte Vergewaltigungen. Schließlich war noch es Hurrikan „Isaac“, der Aufmerksamkeit vom Parteitag der Republikaner absaugte und die große Show durcheinanderbrachte.

Mitt Romney kann solche Meldungen überhaupt nicht brauchen. Sie lenken nur ab von seiner wichtigsten Botschaft: Obama ruiniert die Wirtschaft. „Zwei Monate vor der Wahl“, sagte Parteistratege John Ullyot, „ist jeder Tag, an dem nicht die Wirtschaft und Jobs im Vordergrund stehen, ein Verlust für Romney“.

Heute Abend (Ortszeit) hat der Präsidentschaftskandidat der Republikaner nun die große Chance, dafür zu sorgen, dass Amerika wieder über das redet, was er will. Jobkrise, ausufernde Schulden, schwaches Wachstum, Überregulierung – damit will Romney in seiner großen Rede zum Abschluss der Convention in Tampa, Florida, den Amtsinhaber angreifen. Der sieche Zustand der Wirtschaft ist Romneys Hauptthema im Wahlkampf, hier liegt der Ex-Geschäftsmann und selbst ernannte „Mister Fix it“ gegenüber Obama in Umfragen unerreichbar vorn. Und der Zustand der Wirtschaft ist für die Wähler das mit Abstand wichtigste Thema.

Das Team hinter Romney

Matt Rhoades

Romneys Wahlkampfmanager hat die Aufgabe, hinter den Kulissen für einen geschmeidigen Ablauf der Kampagne zu sorgen. Der 37-Jährige gilt als öffentlichkeitsscheuer und gewiefter Taktiker mit exzellenten Verbindungen zu konservativen Medien. Rhoades arbeitete bereits im Team des früheren US-Präsidenten George W. Bush für dessen Wiederwahl 2004. Bei Romneys erfolglosem Anlauf auf die republikanische Kandidatur 2008 fungierte er als Kommunikationsdirektor. Zwischenzeitlich war er bei der Lobbyfirma und Politikberatung DCI Group in Washington tätig.

Bob White

White gehörte in den 80er Jahren zu den Gründern der Investmentfirma Bain Capital und ist seitdem ein enger Vertrauter und Freund Romneys. Der Harvard-Absolvent war bereits bei Romneys gescheitertem Versuch dabei, dem mittlerweile verstorbenen demokratischen Senator Ted Kennedy 1994 dessen Sitz in Massachusetts abzunehmen. Auch wenn White im Wahlkampf 2012 keine offizielle politische Rolle ausfüllt, dürfte das Wort des treuen Wegbegleiters für Romney großes Gewicht haben.

Beth Myers

Die "Washington Post" beschrieb Myers kürzlich als Romneys "Büro-Ehefrau" und meinte damit die enge berufliche Beziehung, die beide verbindet. Während Romney von 2003 bis 2007 in Massachusetts als Gouverneur amtierte, war Myers seine Kabinettschefin. Vor vier Jahren nahm sie die Rolle der Wahlkampfmanagerin ein. Derzeit hat sie die Aufgabe, einen geeigneten Vize-Kandidaten für Romney auszusuchen. Ihre politischen Sporen verdiente sich Myers einst im Wahlkampfteam von Ronald Reagan im Jahr 1980.

Eric Fehrnstorm

Der gelernte Journalist ist ebenfalls einer der engsten Berater, der seit der Gouverneurszeit in Massachusetts zu Romneys innerem Kreis gehört. Zu seinem Verantwortungsbereich zählen vor allem die Wahlkampfspots. Im März leistete er sich einen Patzer, als er Romneys Kampagne mit einer Zaubertafel verglich - und damit den Eindruck erweckte, sein Chef könnte nach der Nominierung die erzkonservativen Töne aus dem Vorwahlkampf wegwischen und einfach durch moderatere Positionen ersetzen.

Peter Flaherty

Der frühere Staatsanwalt aus Boston arbeitete zunächst in Massachusetts und dann während der Präsidentschaftsbewerbung 2008 für Romney. Anschließend gründete er mit Myers und Fehrnstrom eine Politikberatung in Washington. Im Wahlkampfteam ist er dafür zuständig, Romneys Image bei der erzkonservativen und religiösen Wählerschaft aufzupolieren.

Spencer Zwick

Der erst 32-Jährige wacht über die Wahlkampfkasse von Romney, bereits vor vier Jahren war er für dessen Finanzen verantwortlich. Zwick lernte den Politiker als ehrenamtlicher Helfer bei den Olympischen Winterspielen 2002 in Salt Lake City kennen, bei denen Romney Cheforganisator war. Beide verbindet mittlerweile ein fast familiäres Band: Romney und seine Frau Ann beschreiben den Mormonen als ihren "sechsten Sohn".

Keine einzige Rede Romneys und seiner Parteigenossen auf dem Parteitag kam deshalb ohne eine Lobpreisung seiner Bilanz aus: Als Chef des Finanzinvestors Bain Capital habe er angeschlagene Firmen wieder flott gemacht und Tausende Jobs gerettet. Als Gouverneur von Massachusetts habe er das Wachstum angekurbelt, die Steuern gesenkt und die Arbeitslosigkeit reduziert. Schließlich habe er die Olympischen Spiele von Salt Lake City vor der Pleite gerettet und zum Erfolg geführt.

Dass das alles höchstens zur Hälfte stimmt, spielt keine Rolle. Man muss es nur oft genug wiederholen, dann setzt es sich schon fest. Dann klingt es auch, wie es klingen soll: Romney, der Problemlöser, wird auch den Niedergang der USA stoppen und dem Land zu neuer Blüte verhelfen.

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