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28.01.2016

19:44 Uhr

Mittelmeer-Route

Mindestens 25 Flüchtlinge bei Bootsunglück vor Samos gestorben

Das Drama im Mittelmeer hört nicht auf. Nachdem schon am Mittwoch sieben Menschen in der Ägäis starben, kenterte heute ein Holzboot vor der griechischen Insel Samos. Mindestens 25 Flüchtlinge kamen dabei ums Leben.

In diesem Boot versuchten die Flüchtlinge, das Mittelmeer zu überqueren. Kurz vor der Ankunft auf Samos kenterte das Holzschiff. ap

Wrack

In diesem Boot versuchten die Flüchtlinge, das Mittelmeer zu überqueren. Kurz vor der Ankunft auf Samos kenterte das Holzschiff.

AthenNach dem Kentern ihres Holzboots vor der griechischen Insel Samos sind mindestens 25 Flüchtlinge ums Leben gekommen. Zehn von ihnen seien Kinder, teilte die Küstenwache am Donnerstag mit. Zehn Passagiere seien gerettet worden. Die Küstenwache und Schiffe der europäische Grenzschutzagentur Frontex hätten eine Rettungsaktion gestartet. Die Gründe für das Unglück waren zunächst unbekannt.

Am Mittwoch war bereits ein Boot mit Flüchtlingen vor der Insel Kos gesunken. Dabei waren sieben Menschen, darunter zwei Kinder, ums Leben gekommen. Griechenland mit seiner Tausende von Kilometern langen Küste und den vielen Inseln nahe der Türkei ist für die meisten Flüchtlinge das Haupteingangstor Richtung Europa. Trotz verstärkter Grenzkontrollen und schlechten Wetters kommen seit Beginn des Jahres weiter rund 1500 Flüchtlinge pro Tag in Schlauch- und Holzbooten in Griechenland an.

Die Türkei und die Flüchtlingskrise

Wichtigstes Transitland auf dem Weg in die EU

Die Türkei hat nach eigener Zählung inzwischen über 2,5 Millionen Flüchtlinge aufgenommen - mehr als jedes andere Land der Welt. Diesen offiziellen Angaben zufolge stammen alleine 2,2 Millionen der Schutzsuchenden aus Syrien, weitere 300 000 aus dem Irak. Die Türkei mit ihren rund 78 Millionen Einwohnern ist das wichtigste Transitland für Flüchtlinge auf dem Weg in die EU.

Deutsche Finanzhilfen?

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) stellte der Türkei kürzlich bei einem Besuch in Istanbul Finanzhilfen, eine erleichterte Einreise ihrer Bürger in den Schengen-Raum und eine Wiederbelebung der EU-Beitrittsverhandlungen in Aussicht. Im Gegenzug erwartet Merkel von Ankara eine schnellere Einführung des Rückübernahmeabkommens. Das Abkommen sieht bislang vor, dass die Türkei Flüchtlinge aus Drittstaaten wie Syrien erst ab Oktober 2017 zurücknehmen muss.

Flüchtlingszaheln steigen rapide

Die Zahl der Flüchtlinge in der Türkei ist rapide gestiegen: Erst im Juni vergangenen Jahres übersprang die Zahl der Schutzsuchenden aus dem benachbarten Syrien die Millionenmarke. Nach Regierungsangaben hat die Türkei inzwischen acht Milliarden Dollar (sieben Milliarden Euro) für die Flüchtlinge ausgegeben. Die internationale Unterstützung beziffert Ankara auf weniger als 500 Millionen Dollar.

Zwischenstation oder Endziel?

Viele Flüchtlinge durchqueren die Türkei nur. Andere Schutzsuchende, besonders aus Syrien, verbrachten längere Zeit in der Türkei und versuchen nun, nach Europa weiterzuziehen. Sie haben nach mehr als vier Jahren Bürgerkrieg in ihrer Heimat die Hoffnung auf eine Rückkehr verloren und sehen keine Perspektive in der Türkei.

Syrer bekommen nur „vorübergehenden Schutz“

Die Türkei gewährt Syrern keinen Flüchtlingsstatus, sondern „vorübergehenden Schutz“. Arbeiten dürfen sie nicht. Allerdings dulden die Behörden in der Regel, wenn Flüchtlinge etwa auf dem Bau oder in der Gastronomie schwarz arbeiten - weit unterhalb türkischer Löhne. Die meisten Flüchtlingskinder gehen nicht zur Schule. Dem türkischen Schulsystem fehlt dafür die Kapazität.

Viele Flüchtlinge meiden die Camps

Zwar unterhalten die Flüchtlingscamps eigene Schulen. Nicht einmal jeder siebte Syrer lebt aber in diesen Lagern. Die Mehrheit schlägt sich in Städten im Südosten der Türkei oder in Metropolen wie Istanbul durch.

Von

ap

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