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30.07.2011

17:08 Uhr

Moderne Raketen statt alter Flinten

Womit Libyens Rebellen gegen Gaddafi kämpfen

VonFidelius Schmid

Jahrzehnte alte Schießgeräte sind schon lange Vergangenheit. Stattdessen kämpfen die libyschen Regierungsgegner mit hoch technisierten Maschinengewehren und Raketen - und die kommen zum Teil auch aus Deutschland.

Rebellen in der Nähe von Ajdabiyah: Angaben aus Sicherheitskreisen zufolge kommen die meisten Waffen aus den Lagern der Armee. Quelle: Reuters

Rebellen in der Nähe von Ajdabiyah: Angaben aus Sicherheitskreisen zufolge kommen die meisten Waffen aus den Lagern der Armee.

DüsseldorfDie Bilder sind verwackelt und unscharf, Wind bläst ins Mikrofon. Ein paar Pick-up-Trucks auf einer Wüstenstraße und einige Männer sind zu erkennen, einer von ihnen liegt neben einem dunklen Apparat. Plötzlich hört man ein Zischen, die Kamera folgt einem Feuerstrahl. An seinem Ende geht in der Ferne ein viereckiges Objekt in Flammen auf. „Gott, Gott ist groß“, rufen die Männer.

Die Aufnahmen, die im Mai auf die Internetplattform Youtube gestellt wurden, sollen libysche Rebellen beim Üben mit Panzerabwehrraketen des Typs „Milan“ zeigen. Sind die Aufnahmen echt, belegen sie zusammen mit Dutzenden anderen Fotos und Videos, dass Libyens Opposition in ihrem Kampf gegen Machthaber Muammar el Gaddafi längst nicht mehr nur auf jahrzehntealte Flinten vertrauen muss. Nach Handelsblatt-Recherchen verfügen die Rebellen inzwischen unter anderem über belgische Gewehre, russische Maschinengewehre und Panzerabwehrraketen sowie die Milan-Rakete, deren Zünder, Kreisel und Abschussanlage in Deutschland hergestellt wird.

Die meisten Waffen stammen nach Angaben aus Sicherheitskreisen aus Waffenlagern der libyschen Armee, die die Rebellen eingenommen haben. Zudem haben mehrere Nato-Mitgliedstaaten Ströme mit Militärgerät aus dem Sudan, Tunesien und Ägypten registriert. „In so einer Situation stehen die illegalen Waffenhändler automatisch vor der Tür, da brauchen die Rebellen keine gezielten Einkäufer“, sagt ein Kenner des illegalen Waffenhandels, der namentlich nicht genannt werden will.

Auch Frankreich hat französischen Diplomaten zufolge rund 40 Tonnen Waffen an die Rebellen geliefert, ebenso soll das Emirat Katar zu den regelmäßigen Lieferanten gehören. Für die internationale Gemeinschaft sind Waffenlieferungen an Libyens Rebellen problematisch, denn noch gilt ein Uno-Waffenembargo gegen das Land. „Natürlich will keiner zugeben, dass er Waffen liefert, da es ja ein Embargo gibt“, sagt Florence Gaub, Libyen-Expertin des Nato-Defense-College in Rom.

Auch für die Bundesregierung ist dies ein Problem, zumindest was die Kontrolle über aus Deutschland exportiertes Kriegsgerät betrifft. Und genau solches ist nun in Nordafrika aufgetaucht: Ein weiteres Video, angeblich Mitte Juni von einem amerikanischen Kameramann im Westen Libyens gedreht, zeigt, wie Rebellen eine Milan-Rakete aufladen.

Kommentare (3)

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kurzda

30.07.2011, 18:21 Uhr

Damit die Waffen(Länder)händler verkaufen können, brauchen die Klienten Geld. Woher sollen die Rebellen das haben ? Darauf gibts nur eine Antwort: Das sind die humanitären Hilfen, wie zuletzt die 100 Mio Euro aus Deutschland

Account gelöscht!

31.07.2011, 01:16 Uhr

Sehr gut für die Waffenhändler, wenn die Waffen überschätzt werden. Sie hoffen wie in allen aktuellen Konflikten, dass diese außer wechselseitiger Zerstörung keine Entscheidung auf dem Schlachtfeld herbeiführen. Das Handelsblatt sollte mit diesem Kriegsgeschehen höchst zufrieden sein. Die Märkte sind glücklich und das ist es ja, was ihre Leser am meisten interessiert.

hasan

31.07.2011, 08:17 Uhr

Wer die Bevölkerung schützen wil hääte in Syrien viel zu tun. Gaddafi hat mit der eigenen Bevölkerung eher Einvernehmen. Bis auf die konditionierten "Rebellen".
Das wäre eine Aufgabe zum Schutz der Bevölerung. Aber dort droht der lange Arm der Hisbollah.

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