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23.08.2013

14:30 Uhr

Möglicher Giftgaseinsatz

Obama warnt vor schneller Intervention in Syrien

Der US-Präsident sieht die Interessen der USA nach dem möglichen Giftgasanschlag in Syrien bedroht. Obama warnt aber einer schnellen Intervention. Unterdessen sind laut UN mehr als drei Millionen Kinder auf der Flucht.

US-Präsident Barack Obama hat sich erstmals zu dem Giftgasanschlag in Syrien geäußert. ap

US-Präsident Barack Obama hat sich erstmals zu dem Giftgasanschlag in Syrien geäußert.

WashingtonDie Vereinten Nationen schätzen, dass im syrischen Bürgerkrieg mittlerweile mehr als drei Millionen Kinder auf der Flucht sind. Ein Drittel von ihnen habe das stark zerstörte Land verlassen. Diese Zahl sei „ein Meilenstein der Schande“, erklärten das Kinderhilfswerk Unicef und das Flüchtlingshilfswerk UNHCR. Viele Kinder seien traumatisiert, deprimiert und ohne Hoffnung. Nach Berichten über einen neuen Giftgaseinsatz in Syrien wächst unterdessen der Druck auf US-Präsident Barack Obama, militärisch einzugreifen. Dieser jedoch warnte in einer ersten Stellungnahme vor einer schnellen Intervention.

Die meisten minderjährigen Flüchtlinge haben eine Bleibe in den Nachbarländern Libanon, Jordanien, Türkei, Irak oder auch in Ägypten gefunden. „Wir sprechen von Kindern, die von ihrem Zuhause fortgerissen wurden, vielleicht von ihrer Familie. Sie sehen sich Schrecken gegenüber, die wir gar nicht nachvollziehen können“, sagte Unicef-Chef Anthony Lake. Die meisten der ins Ausland geflohenen Kinder sind jünger als elf Jahre. Auch in Europa wachse die Zahl der syrischen Flüchtlinge.

Innerhalb des Bürgerkriegslandes sind nach Angaben der Vereinten Nationen mehr als zwei Millionen Kinder auf der Flucht. Das Flüchtlingshilfswerk unterscheidet zwischen Flüchtlingen im Ausland und Menschen, die innerhalb des eigenen Landes vor dem Bürgerkrieg geflohen sind.

Chemiewaffen im syrischen Bürgerkrieg

23. Juli 2012

Die syrische Regierung bestätigt erstmals, über Chemiewaffen zu verfügen. Sie werde diese nur im Falle einer Militärintervention aus dem Ausland einsetzen, niemals aber gegen Syrer.

20. August 2012

US-Präsident Barack Obama warnt, der Einsatz von Chemiewaffen in Syrien – oder auch schon Vorbereitungen dafür – bedeuteten das Überschreiten einer „roten Linie“.

3. Dezember 2012

Die NATO und die Vereinigten Staaten drohen mit „einer unmittelbaren internationalen Antwort“, sollten diese Waffen eingesetzt werden. Ein US-Regierungsvertreter spricht von Erkenntnissen, dass die syrische Regierung alle Komponenten bereithält, um das hochtoxische Nervengas Sarin militärisch einzusetzen. Damaskus erklärt: „Sollten wir über solche Waffen verfügen, werden wir diese nicht gegen unser Volk einsetzen.“

19. März 2013

Regierung und Rebellen in Syrien beschuldigen sich gegenseitig, Chemiewaffen genutzt zu haben.

April/Mai 2013

UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon verkündet am 8. April, Inspekteure stünden bereit, um überall in Syrien den Einsatz geächteter Waffen zu untersuchen. Damaskus will die Inspektion geografisch begrenzen. Am 29. Mai informiert Großbritannien die UNO über neue Verdachtsfälle von Chemiewaffeneinsatz.

Juni 2013

„Das Laborergebnis ist eindeutig: Sarin-Gas wurde gefunden“, berichtet der französische Außenminister Laurent Fabius am 4. Juni, nachdem Proben untersucht wurden, die Zeitungsreporter von „Le Monde“ und eine weitere Quelle aus Syrien mitgebracht hatten. Das Weiße Haus beschuldigt die syrische Regierung neun Tage später, Chemiewaffen, darunter Sarin, eingesetzt zu haben, "eine rote Linie" sei damit überschritten. Moskau findet die Beschuldigungen „wenig überzeugend“ und Damaskus nennt sie „Lügen“.

30. Juni 2013

Die israelische Luftwaffe bombardiert laut Angaben aus US-Regierungskreisen eine Stellung mit Boden-Luft-Raketen und eine militärische Anlage nahe Damaskus. Hintergrund sei die israelische Befürchtung, hochentwickelte Waffen sollten an die libanesische Hisbollah geliefert werden, die auf Seiten der Regierung in Syrien kämpft. Die „New York Times“ berichtet, bei dem Angriff sei das wichtigste Forschungszentrum für biologische und chemische Waffen getroffen worden.

Juli 2013

Der russische UNO-Botschafter berichtet am 9. Juli über Beweise, dass die oppositionellen Rebellen das Nervengas Sarin eingesetzt hätten. Washington kommentiert, „noch keinen Beweis zu kennen, der diese Behauptung stützt“. Die Vereinten Nationen wurden am 23. Juli nach eigenen Angaben über 13 mutmaßliche Angriffe mit Chemiewaffen unterrichtet. UN-Chefinspektor Ake Sellström und die UN-Abrüstungsbeauftragte Angela Kane erzielen in Damaskus eine Einigung über das weitere Vorgehen: Die Inspektoren sollen sich demnach auf drei Orte konzentrieren, an denen gemäß früheren Anschuldigungen Chemiewaffen eingesetzt worden seien.

August 2013

Die UNO informiert, dass „die syrische Regierung die grundlegenden Modalitäten akzeptiert“ habe, um die Sicherheit und Effizienz der Inspektion zu gewährleisten. Am 19. August beginnen die am Vorabend in Damaskus eingetroffenen UNO-Experten unter größter Geheimhaltung ihre Suche nach Beweisen für den erfolgten Einsatz von chemischen Waffen. Am 21. August werden nach Oppositionsangaben in von Rebellen beherrschten Ortschaften bei Damaskus bis zu 1300 Zivilisten durch Gaseinsätze getötet. Westliche Regierungen fordern, die UNO-Inspektoren im Lande sollten sofort diesen Fall untersuchen.

Nach Ansicht der Hilfsorganisation Medico International ist eine angemessene medizinische Versorgung der Menschen in Syrien nicht möglich. Medico-Sprecher Martin Glasenapp sagte dem Hessischen Rundfunk (HR): „Es werden Medikamente benötigt, vor allem in den direkt umkämpften Gebieten. Es wird aber auch mehr und mehr Nahrungsmittelhilfe nötig sein.“ Von 23 Millionen Syrern seien mittlerweile zwei Millionen ins Ausland oder in die benachbarten Länder geflohen, innerhalb Syriens seien insgesamt fünf Millionen Menschen unterwegs.

US-Präsident Barack Obama hat unterdessen erstmals zu den jüngsten Berichten über einen Giftgaseinsatz in Syrien Stellung genommen. Zwar seien die USA noch dabei, Informationen zu sammeln. Aber es handele sich „klar um ein großes Ereignis“, das Anlass zu ernster Sorge gebe, sagte Obama in einem Interview des TV-Senders CNN. Bei einem Chemiewaffeneinsatz seien auch die Interessen der USA und der internationalen Gemeinschaft berührt.

Allerdings warnte Obama vor schnellen Forderungen nach einer militärischen Intervention. Es gebe rechtliche Fragen sowie die Frage einer internationalen Unterstützung. Bei einem Einsatz ohne UN-Mandat müsse man auch die Frage stellen: „Haben wir eine Koalition, die es machbar machen würde?“ Mit Blick auf die Entwicklung in Syrien und Ägypten betonte Obama, das die Zeit auslaufe.

In der Nähe der syrischen Hauptstadt Damaskus sollen nach Rebellenangaben am Mittwoch Hunderte Menschen von Regierungstruppen mit Giftgas getötet worden sein.

Kommentare (17)

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Tabu

23.08.2013, 13:56 Uhr

Das soviele Kinder traumatisiert sind,liegt nicht
nur an der hohen Kinderzahl,sondern auch an den
Terroristen von außerhalb,denen weder was an Land noch
an den Menschen liegt.
Ob man Libyen oder Syrien nimmt,die Leute lebten
wenigstens in bescheidenen Wohlstand und einer wirtschaftliche Entwicklung in ihren Ländern.
So Bettina Röhl in ihrer Kolumne auf WiWo.

Es gibt irgendwo einen Artikel über Assads Frau,einer
Finanzanalystin und Mutter dreier Kinder.

Die Frau hinter Baschar al-Assad
Die untypische Araberin

Sie spiegelt in ihrer Öffentlickeitsarbeit und dem
Hang zur moderne,auch ihren Mann wider.
Da steckt jedenfalls kein Funken Frauen und Kindermörder
drin..eher einer der Frauen auf Augenhöhe begegnet
und die syrischen Kinder beschützen will.
Sucht die Schuldigen bei den Gottesstaat-Rebellen.
Schon Assads Vater hat den Muslimbrüdern erfolgreich
die Stirn geboten.

Karsten

23.08.2013, 14:11 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Informationskrieg

23.08.2013, 14:45 Uhr

http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/geostrategie/paul-joseph-watson/experten-verweisen-auf-verdaechtige-umstaende-bei-chemiewaffenangriff-in-syrien.html;jsessionid=1F43079D1A28BA2A9E0ABB219BD35BD5

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