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27.01.2011

21:30 Uhr

Mohamed El-Baradei

Ägyptens Hoffungsträger fordert Mubarak heraus

Mit der Rückzugsforderung an den ägyptischen Präsidenten und der Rückkehr nach Kairo nährt Mohamed El-Baradei Spekulationen, die jüngsten Proteste für den Griff nach der Macht zu nutzen. Der frühere Generaldirektor der Internationalen Atomenergiebehörde hegt seit längerem die Ambition, Staatschef in Kairo zu werden.

Mohamed El-Baradei ist nach Ägypten zurückgekehrt. dpa

Mohamed El-Baradei ist nach Ägypten zurückgekehrt.

HB WIEN/KAIRO. Bislang hatte er dafür aber eine neue Verfassung und die Zusicherung freier Wahlen verlangt. Präsident Husni Mubarak, durch die Straßenproteste im Amt bedrängt, hatte die Bestrebungen des Friedensnobelpreisträgers dennoch scharf abgekanzelt: „Wir brauchen keinen nationalen Helden, weder im Inland noch im Ausland.“ Die Opposition setzt dennoch große Hoffnungen auf den 68-jährigen Spitzendiplomaten, der nach dem Jurastudium in seiner Heimatstadt Kairo und New York seine Karriere mit 22 Jahren im diplomatischen Dienst begann. Schon vor Monaten hatten ihm auf Facebook Zehntausende ihre Unterstützung zugesichert.

Bei Besuchen in Ägypten war er begeistert empfangen worden. Allerdings werfen Kritiker ihm vor, nicht genügend Zeit in seiner alten Heimat zu verbringen, um aus einer zersplitterten und durch die autoritäre Regierung gebeutelten Opposition eine schlagkräftige Bewegung zu formen. „Er hat nichts getan, um die Basis zu organisieren“, sagte Aktivist und Blogger Hossam Hamalawi. Bei den - bis vor kurzem selten mehr als wenige Hunderte Teilnehmer zählenden - Demos habe er sich zu selten gezeigt.

Doch auch Kritiker halten ihm zugute, sich bislang gegenüber dem autoritärem Regime unerschrocken gezeigt zu haben. Mit dieser Geisteshaltung war er auch einer größeren Weltöffentlichkeit bekanntgeworden. ElBaradei krempelte die IAEA zu einer Behörde um, die in wichtigen politischen Fragen der Friedenssicherung und Abrüstung klare Haltung bezog. Den USA sprach er so die Legitimation für den Irak-Krieg ab - die zur Begründung angegebenen Massenvernichtungswaffen von Präsident Saddam Hussein wurden von den UN-Inspektoren nie gefunden.

In seine Zeit fiel auch die Entdeckung eines geheimen Atomprogramms im Iran. 2005 gewannen die IAEA und ElBaradei den Friedensnobelpreis, vier Jahre später zog er sich von dem Posten zurück. Kritiker warfen dem Diplomaten, der 1980 zu den Vereinten Nationen wechselte, allerdings vor, die Behörde zu stark politisiert zu haben.

Heikle politische Themen ziehen sich als roter Faden durch den Lebenslauf des Ägypters, der heute in Wien lebt. In den diplomatischen Vertretungen seines Landes in New York und Genf widmete sich der junge Diplomat unter anderem Fragen der Waffenkontrolle. Im Camp David war er 1978 an den Verhandlungen zum Nahost-Frieden beteiligt.

Ob die aktuellen Proteste El-Baradei ins ägyptische Präsidentenamt hieven, ist ungewiss. Hier mischt sich der ökonomisch motivierte Protest der armen Bevölkerung mit dem Verlangen junger und gebildeter Schichten nach Demokratie. Die Oppositionsparteien sind nicht die treibende Kraft der Straßendemonstrationen. Eine zuvor initiierte Reformkampagne von ElBaradei für eine Bewerbung bei den Präsidentschaftswahlen im September war bislang denn auch ins Leere gelaufen.

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