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21.06.2017

08:50 Uhr

Mohammed bin Salman

Der neue mächtige Mann in Saudi-Arabien

Der saudische König Salman krempelt die Thronfolge im Land um. Bislang war ein Cousin als Nachfolger auserkoren, doch am Mittwochabend soll dem Sohn und Wirtschafsreformer Mohammed bin Salman der Titel verliehen werden.

Änderung in der Thronfolge

Saudi-Arabien tauscht Kronprinz aus

Änderung in der Thronfolge: Saudi-Arabien tauscht Kronprinz aus

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RiadBislang war ein Cousin des saudischen Königs Salman als Thronfolger in dem arabischen Königreich vorgesehen. Doch jetzt will das Staatsoberhaupt seinen erst 31 Jahre alten Sohn Mohammed bin Salman zum neuen Kronprinzen Saudi-Arabiens küren. Damit scheint es sicher, dass der bisher als stellvertretende Kronprinz geltende bin Salman seinem Vater auf dem Thron in Riad nachfolgen wird.

Mohammed bin Salman ersetzt damit Mohammed bin Najef, der bislang die Stellung als erster Erbe der Thronfolge innehatte. Dies geht aus einem königlichen Erlass vor, den die staatliche Nachrichtenagentur Spa am Mittwoch veröffentlichte.

Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und Saudi Arabien

Mehr Ex- als Importe

Als weltgrößter Erdölproduzent ist Saudi-Arabien auch ein wichtiger Handelspartner für die Bundesrepublik Deutschland. Die Exporte aus Deutschland übersteigen dabei die Einfuhren aus dem Wüstenstaat um mehr als das Zehnfache.

Während die Bundesrepublik 2016 Waren im Wert von 7,3 Milliarden Euro in die Monarchie schickte, setzte Saudi-Arabien in Deutschland nur Güter im Wert von etwa 625 Millionen Euro ab.

Erdöl

Den weitaus größten Teil der Importe aus Saudi-Arabien macht das Erdöl des Opec-Mitglieds aus. Außerdem bezieht Deutschland Kunststoffe und Industriechemikalien. Demgegenüber exportiert die Bundesrepublik vor allem Maschinen (2015: 19,9 Prozent), Autos und Autoteile (16,2 Prozent), Elektrotechnik (8,1 Prozent) und Nahrungsmittel (7 Prozent).

Waffen

Trotz der prekären Menschenrechtslage in Saudi-Arabien und der saudischen Bombardements mit vielen getöteten Zivilisten im Jemen werden auch immer noch deutsche Waffen exportiert. 2015 wurden 17 Einzelgenehmigungen für die Ausfuhr von Kriegswaffen erteilt. Die Aufträge waren 23,8 Millionen Euro Wert.

Vision 2030

Saudi-Arabien ist nach den Vereinigten Arabischen Emiraten der wichtigste Handelspartner Deutschlands in der Region. Das Auswärtige Amt geht davon aus, dass Riad auch weiterhin wichtig bleibt. Denn das groß angelegte Wirtschaftsprogramm der „Vision 2030“ setze auf industrielle Diversifizierung und erneuerbare Energien und damit auf „Kernbereiche deutscher Kompetenz“.

Die Entscheidung kommt nicht ganz überraschend: Mohammed bin Salman wurde von seinem Vater seit dessen Thronbesteigung 2015 in Stellung gebracht. Der vorher weitgehend unbekannte junge Mann wurde Verteidigungsminister des Landes, kümmert sich federführend um das Riesenprojekt „Vision 2030“, das die Wirtschaft des Landes umbauen soll, und vertritt seinen gebrechlichen Vater bereits bei wichtigen Auslandsreisen. Nur sein Alter war bislang als mögliches Hindernis für eine Nachfolge gesehen worden.

Dem arabischen Nachrichtenkanal Al-Arabija zufolge wurde die Entscheidung des Königs vom Nachfolgeausschuss des Landes mit 31 von 34 Stimmen bestätigt. Die Einführungszeremonie solle am Mittwochabend gehalten werden.

„Prinz Mohammed bin Salman ist seit seiner Nominierung zum stellvertretenden Kronprinzen der mächtige Mann in Saudi-Arabien“, sagt Ghanem Nuseibeh, Gründer der Beratungsfirma Cornerstone Global Associates. Er werde jetzt mit noch mehr Macht Reformen durchdrücken können. Denn die Erwartung, dass jemand Älteres Thronfolger werde, sei jetzt ausgeräumt.

Salman-Porträt aus dem Jahr 2015: Das ist Saudi-Arabiens neuer Machthaber

Salman-Porträt aus dem Jahr 2015

Das ist Saudi-Arabiens neuer Machthaber

Nach dem Tod von König Abdullah übernimmt dessen Halbbruder Salman die Macht. Doch wer ist der neue starke Mann Saudi-Arabiens? Der 79-Jährige war zuletzt Verteidigungsminister – und ist Mitglied der glorreichen Sieben.

Bin Salman erhält damit zusätzliche Autorität, die Abhängigkeit des Königreichs vom Öl zu reduzieren. Dazu zählt der Teil-Börsengang des staatlichen Ölkonzerns Saudi Aramco, der derzeit mit Hochdruck vorangetrieben wird. Der neue Kronprinz ist nicht nur für die Wirtschaftsreformen zuständig, sondern als Verteidigungsminister auch für den Krieg gegen pro-iranische Rebellen im Jemen zuständig. Auch in der diplomatischen Krise zwischen einigen arabischen Staaten und Katar spielt der junge bin Salman eine Schlüsselrolle. „Auch wenn die Entscheidung nicht wirklich überraschend kommt, ist sie dennoch ein politisches Erdbeben“, so Amir Handjani vom Think Tank Atlantic Council.

Saudi-Arabien kämpft wie einige andere Öl-Nationen derzeit mit den Folgen eines deutlich gefallenen Ölpreises. Trotz mit dem Ölkartell Opec abgestimmter Förderkürzungen für den Rohstoff, ist der Preis zuletzt deutlich unter Druck gewesen.

Kommentare (4)

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Herr Holger Narrog

21.06.2017, 09:15 Uhr

Ein junger König in Saudi Arabien hat Vor- und Nachteile.

Die Könige der letzten Jahrzehnte waren eher alt und senil. Die Politik Saudi Arabiens war demzufolge beständig, berechenbar an den Interessen des Landes ausgerichtet.

Ein junger König lässt hoffen, dass dieser auf die Herausforderungen, einer rasch wachsende Bevölkerung die ein de facto "bedingungsloses Grundeinkommen" geniesst*, der Konfrontation mit dem Iran und Islamisten Lösungen findet und umsetzt.

Risiken bestehen darin dass ein junger König analog anderer Herrscher der Region unbeständig abwegige Massnahmen ergreift, die durchdachte Familienpolitik angreift, die bislang recht intelligente Wirtschaftspolitik stört....


*Traum vieler Ökosozialisten in Europa. Im Mittleren Osten ist dieser Traum in einigen Staaten dank externen Einkommens (Öl) und rechtloser ausländischer Arbeiter die alle unangenehmen Arbeiten machen de Facto Realität.

Herr Lothar Bitschnau

21.06.2017, 09:33 Uhr

Schön, wenn auch hier ein junger König einzieht.
Dies kann ein Land erfrischen und deren Menschen.
Darüber sollten auch die Kirchen einmal nachdenken.

Herr Heinz Keizer

21.06.2017, 09:47 Uhr

@ Herr Lothar Bitschnau21.06.2017, 09:33 Uhr

Das hat man in Nordkorea auch gedacht, als der jetzige Herrscher an die Macht kam.

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