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18.06.2016

15:02 Uhr

Mohammed bin Salman in den USA

Der Gast aus der Wüste sucht Hilfe im Silicon Valley

VonPierre Heumann

Mohamed bin Salman vertieft während seines US-Besuchs Beziehungen zur Polit- und Wirtschaftselite Amerikas – trotz Meinungsverschiedenheiten zwischen Riad und Washington.

Der saudi-arabische Vize-Kronprinz hat einen erfolgreichen Besuch in den USA hinter sich – besonders wirtschaftlich. AFP; Files; Francois Guillot

Mohammed bin Salman und Barack Obama

Der saudi-arabische Vize-Kronprinz hat einen erfolgreichen Besuch in den USA hinter sich – besonders wirtschaftlich.

Der kometenhafte Aufstieg des 30-jährigen Mohammed bin Salman war bisher auf Saudi Arabien beschränkt. Jetzt sichert der stellvertretende Kronprinz seine steile Karriere in den USA ab. Am Freitag wurde er von US-Präsident Barack Obama im Oval Office des Weißen Hauses empfangen. Die amerikanisch-saudischen Beziehungen würden „auf allen Gebieten stärker und vertieft werden“, sagte nach dem Treffen der saudische Außenminister Adel al-Jubeir, und zwar „unabhängig davon, wer im Weißen Haus ist.“

Das klang schon fast wie eine Beschwörung, denn das einst ungetrübte und enge Verhältnis zwischen Riad und Washington ist seit Monaten spannungsgeladen. So hat Obama den Wert Saudi Arabiens als US-Verbündeten im Mittleren Osten in Frage gestellt, weil das sunnitische Königreich den Religionskonflikt mit den Schiiten in der Region provoziere. Viele Amerikaner sind zudem überzeugt, dass Saudi Arabien bei den Terrorangriffen vom 11. September 2001 beteiligt war, obwohl eine Untersuchungskommission dazu keine Beweise liefern konnte. In Riad wirft man Obama „Verrat“ vor. Der Atom-Deal mit dem Iran und die gesuchte Annäherung Washingtons an Teheran verletzte saudische Interessen in der Golfregion.

Trotz des getrübten bilateralen Klimas kann Salman seinen Amerika-Besuch als Erfolg verbuchen. Er traf sich nicht nur mit Obama, sondern auch mit Spitzenvertretern der Regierung, darunter die Außen-, Verteidigungs- und Finanzminister, zudem mit dem CIA-Direktor und führenden Kongressmitgliedern. Dabei wollte der 30jährige Besucher aus Riad nicht nur um Verständnis für die Positionen seines Staates werben. Ebenso wichtig war es ihm, die Elite Washingtons kennen zu lernen und von ihr als starker Mann Saudi Arabiens anerkannt zu werden, sagt der Golf-Experte Gregory Gause vom Brookings Doha Center.

MBS, wie der stellvertretende Kronprinz mit Kürzel genannt wird, verfolgt in den USA nicht nur politische Ziele. Ihm schwebt vor, im Wüstenreich ein Silicon Valley aufzubauen und eine eigene Rüstungsindustrie zu etablieren. Dazu sucht er die Unterstützung der amerikanischen Wirtschaft, vor allem von High-Tech-Firmen und Waffenschmieden.

Um sein Land in die Zukunft zu führen, will der stellvertretende Kronprinz sein Land von der Ölabhängigkeit befreien. Der Staatshaushalt wird derzeit zu fast 90 Prozent mit Öleinnahmen finanziert. Die Reformpläne sehen unter anderem den Abbau von Subventionen bei Energie und Wohnungen für die Bevölkerung vor, zudem die Einführung einer Mehrwertsteuer. Ganz oben auf der Agenda steht aber der Teilverkauf des Öl-Giganten Aramco über die Börse. Aus dem Ölkonzern soll mittelfristig ein Industriekonglomerat werden.

Der Transformation dienen auch Investitionen im Ausland. So investiert der saudi-arabische Staatsfonds 3,5 Milliarden Dollar in den Mitfahrdienst Uber. Der Fünf-Prozent-Anteil an Uber gilt als erster Erfolg der Strategie, Saudi Arabien umzubauen. MBS hatte sie im April als „Vision 2030“ vorgestellt. Das ehrgeizige Programm will Auslandsinvestitionen mobilisieren. Als ersten Schritt hat Riad – kurz vor der Abreise des Kronprinzen in die USA - ein neues Gesetz verabschiedet, das ausländische Investitionen begünstigen soll. Im Detail- und Großhandel dürfen Ausländer künftig hundert Prozent der Firmen besitzen.

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