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01.02.2011

13:32 Uhr

Mohammed el Baradei

Der Kultivierte – der Mann für Ägyptens Zukunft

VonJan Dirk Herbermann

Kultiviert, besonnen und immer den rechten Ton treffend. So präsentierte sich Mohammed el Baradei am liebsten. Wenn der frühere Generaldirektor der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEA) jetzt über die Demonstranten in Ägypten spricht, findet er wieder die passenden Worte.

Mohamed el Baradei will Ägyptens Präsident Mubarak ablösen. ap

Mohamed el Baradei will Ägyptens Präsident Mubarak ablösen.

GENF. Während der heftigen Demonstrationen traf el Baradei (68) in der vergangenen Woche aus Wien in Ägypten ein. Noch immer hat er einen Wohnsitz in der Donaumetropole, wo die IAEA-Zentrale steht. Kurz nach seiner Ankunft setzte das Regime des Präsidenten Husni Mubarak den Rückkehrer fest. Mubarak fürchtet den Juristen als gefährlichen Oppositionellen. Viele Experten sehen in dem Karrierediplomaten mit den feinen Manieren einen Hoffnungsträger für die Zeit nach Mubarak.

Dass el Baradei die nötige Statur für eine politische Funktion hat, bewies er in den zwölf turbulenten Jahren als Chef der Welt-Atompolizei in Wien zwischen 1997 und 2009. El Baradei formte aus der grauen Uno-Behörde IAEA eine anerkannte Institution im Kampf gegen die Weiterverbreitung von Atomwaffen. Zudem ermahnte el Baradei die offiziellen Atommächte immer wieder, ihren Versprechungen über nukleare Abrüstung endlich Taten folgen zu lassen. „Solange einige Länder glauben, nukleare Waffen als Abschreckung nutzen zu müssen, werden andere Länder ihnen das nachmachen.“

El Baradeis Einsatz zahlte sich aus: 2005 erhielt er den Friedensnobelpreis. Das Nobelkomitee pries den Mann aus Kairo als „unerschrockenen Anwalt“ für eine Welt ohne Atomwaffen. El Baradei und seine IAEA durften sich gleichberechtigt mit der begehrten Auszeichnung schmücken. In den Jubel platzten die Umweltschützer von Greenpeace mit harschen Statements: Man sei „schockiert“ über die Verleihung, die IAEA fördere mit der Atomkraft eine hochriskante Energiequelle. Auch die Administration des damaligen US-Präsidenten George W. Bush misstraute dem IAEA-Chef zutiefst.

Denn der Araber hatte schon im Vorfeld des US-Krieges gegen den Irak die Existenz von Massenvernichtungswaffen in dem Zweistromland in Abrede gestellt. Er behielt recht.

Ebenso beharrte el Baradei im Streit über Irans Atomprogramm auf einer friedlichen Lösung. Zwar konnte der IAEA-Chef die „militärische Dimension“ des Teheraner Nuklearprojekts nicht ausschließen. Drohungen aus Washington, notfalls mit Gewalt gegen den Iran vorzugehen, verurteilte el Baradei aber scharf. „Bei einem Angriff auf den Iran trete ich zurück“, warnte er.

Die Amerikaner wetterten, el Baradeis „lasche Haltung“ ermuntere den Iran, sein Atomprogramm voranzutreiben. Die Bush-Administration versuchte daher 2004 und 2005, seine dritte Amtszeit als IAEA-Generaldirektor zu vereiteln, blieben aber erfolglos. Heute steht el Baradei bei den USA hoch im Kurs: Auch Washington traut dem Gentleman eine führende Rolle in einem neuen Ägypten zu.

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