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21.09.2012

18:53 Uhr

Mohammed-Karikaturen

Viele Tote bei Straßenschlachten in Pakistan

In vielen islamischen Ländern ist auch an diesem Freitag gegen das Anti-Islam-Video demonstriert worden. In der pakistanischen Stadt Peshawar kam es zu einer Straßenschlacht, bei denen ein Dutzend Menschen starben.

Proteste nach Freitagsgebeten in vielen Ländern

Video: Proteste nach Freitagsgebeten in vielen Ländern

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Islamabad/Kuala LumpurZehntausende Muslime haben am Freitag in der islamischen Welt gegen ein Schmähvideo aus den USA und derbe Mohammed-Karikaturen eines französischen Satireblatts protestiert. In Pakistan kam es trotz scharfer Sicherheitsvorkehrungen nach den Freitagsgebeten zu Unruhen mit mindestens 16 Toten und Dutzenden von Verletzten. Auch in vielen anderen Ländern gab es Proteste.

In der pakistanischen Hafenstadt Karachi im Süden des Landes starben nach Polizeiangaben zwölf Menschen, darunter drei Polizisten, 80 Menschen wurden verletzt. Es wurde befürchtet, dass die Zahl der Toten steigen könnte. Bei Unruhen im nördlichen Peshawar gab es nach Angaben des Rettungsdienstes vier Tote, unter ihnen ein Mitarbeiter eines Fernsehsender. In der Hauptstadt Islamabad durchbrachen nach Medienberichten Hunderte aufgebrachte Muslime Absperrungen rund um das Regierungsviertel. In dem Bereich liegen in einem zusätzlich gesicherten Areal auch westliche Botschaften. Erst gegen Abend gelang es der Polizei, die aufgebrachte Menge unter Kontrolle zu bringen.

In Pakistan gibt es seit Tagen Proteste gegen das Schmähvideo und die Mohammed-Karikaturen. dapd

In Pakistan gibt es seit Tagen Proteste gegen das Schmähvideo und die Mohammed-Karikaturen.

Im ostpakistanischen Lahore lieferten sich Demonstranten in der Nähe des US-Konsulats ebenfalls Straßenschlachten mit Sicherheitskräften. Innenminister Rehman Malik erklärte, die Armee stünde zum Eingreifen bereit. Die Kommunikation im Land war schwierig, weil die Regierung am Freitag in 15 großen Städten zeitweise den Mobilfunkservice ausgesetzt hatte.

Die USA bemühten sich unterdessen um Deeskalation. Präsident Barack Obama und Außenministerin Hillary Clinton distanzierten sich im pakistanischen Fernsehen von dem Schmähvideo. In dem von sieben Sendern ausgestrahlten Beitrag sagte Obama, die Vereinigten Staaten seien ein Land, das seit seiner Gründung alle Glaubensrichtungen akzeptiere. Clinton betonte, die USA hätten mit dem Video nichts zu tun. Für die TV-Sendezeit gab die US-Regierung umgerechnet mehr als 50 000 Euro aus. In Islamabad erklärte der amtierende US-Botschafter, die Produktion des Schmähvideos beruhe auf der „zutiefst taktlosen Entscheidung eines Einzelnen, um Hass zu schüren“.

Eine Chronik islamistischer Anschläge auf US-Einrichtungen im Ausland

7. August 1998

Bei zeitgleichen Anschlägen auf die Botschaften in Nairobi (Kenia) und Daressalam (Tansania) sterben 230 Menschen, Tausende werden verletzt. Drahtzieher ist Osama bin Laden.

12. Oktober 2000

Bei einem Anschlag auf den US-Zerstörer „USS Cole“ sterben im Hafen von Aden (Jemen) 17 Soldaten und zwei Täter, 39 Menschen werden verletzt. Hinter dem Anschlag steht eine mit Osama bin Laden verbündete Terrorgruppe.

14. Juni 2002

Vor dem US-Konsulat im pakistanischen Karachi explodiert ein Auto. Zwölf Pakistaner sterben. Im Februar hatte ein Attentäter vor dem Konsulat drei pakistanische Polizisten erschossen.

15. Oktober 2003

Bei einem Sprengstoffanschlag auf US-Bürger in den palästinensischen Autonomiegebieten sterben am Grenzübergang Eres drei Sicherheitsbeamte der US-Botschaft in Israel.

26. Mai 2004

Bei einer Explosion zweier Autobomben vor dem Pakistanisch-Amerikanischen Kulturzentrum im pakistanischen Karachi wird ein Polizist getötet.

6. Dezember 2004

Bei einem Angriff auf das US-Konsulat im saudi-arabischen Dschidda werden fünf Konsulatsmitarbeiter und vier Attentäter getötet. Al-Kaida bekennt sich zur Tat.

18. März 2008

Bei einem Attentat auf die US-Botschaft in Sanaa stirbt ein jemenitischer Wachmann. Daraufhin werden große Teile des Personals abgezogen.

9. Juli 2008

Bei einem Feuergefecht vor dem US-Konsulat in Istanbul sterben drei türkische Polizisten und drei der vier Angreifer. Die Männer werden Al-Kaida zugerechnet.

4. März 2011

Ein Kosovo-Albaner beschießt auf dem Flughafen Frankfurt/Main einen Bus mit US-Soldaten. Zwei Amerikaner werden getötet, zwei weitere schwer verletzt. Er gilt als extremistischer Einzeltäter. Als Motiv nennt er Rache für US-Angriffe auf Muslime.

12. und 13. September 2012

Als Reaktion auf ein Schmäh-Video über den Propheten Mohammed stürmen Muslime US-Botschaften in mehreren Ländern. Beim Angriff auf das Konsulat im libyschen Bengasi werden vier Amerikaner getötet, darunter der Botschafter. Ägyptische Demonstranten greifen die Botschaft in Kairo an. Im Jemen stürmen am folgenden Tag mehrere hundert Demonstranten die US-Vertretung in Sanaa. Drei Angreifer sterben.

Pakistans Premierminister Raja Pervez Ashraf hatte den Freitag zum landesweiten Feiertag zu Ehren des Propheten Mohammed erklärt. Zahlreiche politische und religiöse Gruppen hatten zuvor zu Protesten nach den Freitagsgebeten aufgerufen. Das Schmähvideo aus den USA, in dem der Prophet Mohammed verunglimpft wird, sei die „schlimmste Art von Bigotterie“, sagte Ashraf. Gleichzeitig forderte er die internationale Gemeinschaft dazu auf, Wege zu finden, um Äußerungen zu verbieten, die „Hass schüren und die Saat der Zwietracht säen“.

Kommentare (8)

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21.09.2012, 11:59 Uhr

Ich begreife es nicht. Die schlagen sich gegenseitig die Köpfe ein...wahrscheinlich, weil kein anderer in der Nähe war.

Account gelöscht!

21.09.2012, 12:35 Uhr

Der besagte Film hat eben doch eine Menge mit Meinungsfreiheit zu tun. Und die Reaktion aus der islamischen Welt beweist, wie intolerant sie doch sind. Wie haben sich doch die sog.Intellektuellen Anfang der 80er am Film "Life of Brian" ergötzt.Und nun erheben sie mahnend den Finger. Feiglinge sind sie. Nicht mehr und nicht weniger.Ich würde mich nicht wundern, wenn eines Tages Metzgereien in Deutschland kein Schweinefleisch mehr verkaufen dürfen, geschweige in den Auslagen liegen haben. Es könnten sich ja Moslems provoziert fühlen. Und sollte es mal zu Ausschreitungen vor einer Metzgerei kommen, so glaubt man dann "gute Gründe zu sehen", die Metzgerei schließen zu können, damit die öffentliche Sicherheit nicht gefährdet wird. Zu Adolfs Zeiten nannte man es "Schutzhaft".

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21.09.2012, 12:44 Uhr

Erstens: "Das Leben des Brian" ist mit diesem "Film" (eigentlich verbietet sich dieser Begriff für so etwas handwerklich schlecht gemachtes) nicht zu vergleichen.

Zweitens: Sie sind offensichtlich mit ihrem eigenen Leben überfordert oder haben zu wenig Selbstbewußtsein.

Drittens: sparen Sie sich ihre Schwarz-Weiß-Malerei.

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