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20.09.2012

03:40 Uhr

Mohammed-Proteste

Schauspielerin verklagt Schmähfilm-Regisseur

Eine Darstellerin aus dem Mohammed-Schmähfilm klagt wegen Betrugs und Rufmords. Muslimische und westliche Politiker mahnen zu Besonnenheit - während ein deutsches Magazin Islam-Satire plant.

Polizisten bewachen am Mittwoch die US-Botschaft in Jakarta, Indonesien. dapd

Polizisten bewachen am Mittwoch die US-Botschaft in Jakarta, Indonesien.

Los Angeles/Washington/Paris/BerlinEine Schauspielerin aus dem islamfeindlichen Schmähfilm hat den Filmemacher wegen Betrugs und Rufmords verklagt. Von Google forderte Cindy Lee Garcia, den Streifen aus dem Internet zu entfernen, wie am Mittwoch bekannt wurde.

"Dieser Film ist gemein und verwerflich", hieß es in Garcias Klageschrift. Am heutigen Donnerstag wollen ihre Anwälte eine einstweilige Verfügung gegen den Film in Los Angeles erwirken. In der Klageschrift gibt sie an, der Film habe laut Ankündigung "von Abenteuern im alten Ägypten" handeln sollen. Wo nun klar sei, worum es darin tatsächlich gehe, sei ihr Leben in Gefahr.

Garcia erhielt den Angaben zufolge Todesdrohungen, seit der 14-minütige Trailer des Schmähfilms im Internet Aufsehen erregte. Daher traue sie sich nicht mehr, ihre Enkelkinder zu besuchen, hieß es weiter. Überdies habe der Film "Gefühle der Scham, Demütigung und des Schmerzes" bei ihr ausgelöst.

Den Angaben zufolge wusste Garcia nichts vom anti-islamischen Inhalt des Films mit dem Titel "The Innocence of Muslims". In den Seiten des Skripts, die sie erhalten habe, sei der Prophet Mohammed überdies nicht erwähnt worden. Die Darstellerin hatte sich offenbar aufgrund einer öffentlichen Ausschreibung für eine Rolle in dem Film beworben.

Satireblatt druckt Mohammed-Karikaturen

Video: Satireblatt druckt Mohammed-Karikaturen

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Google weigerte sich zunächst, den Film aus dem Internet zu nehmen, in dem der Prophet Mohammed als Kinderschänder, Schürzenjäger und Homosexueller verunglimpft wird. Youtube, die Videoplattform des Konzerns, teilte mit, sie wolle Garcias Beschwerde nun prüfen. Zuvor hatte Youtube das Video in Libyen, Ägypten und Saudi-Arabien gesperrt. Der Anwalt des Filmemachers Nakoula Basseley Nakoula wollte zunächst keine Stellungnahme abgeben.

Der Fall beschäftigt auch die Politik weiterhin. US-Präsident Barack Obama und der afghanische Präsident Hamid Karsai haben angesichts der Proteste gegen die Veröffentlichung des Mohammed-Schmähfilms zu besonnenen Reaktionen aufgerufen. Das US-Präsidialamt teilte am Mittwoch nach einer Videokonferenz der beiden Politiker mit, es sei in der gegenwärtigen Situation notwendig, "Zurückhaltung und Gewaltlosigkeit" zu ermutigen.

Die Veröffentlichung eines Schmähfilms über den Propheten Mohammed hatte in der islamischen Welt zu Massenprotesten geführt. In Libyen waren der US-Botschafter und weitere US-Bürger ermordet worden.

Tote bei Selbstmordanschlag in Kabul

Video: Tote bei Selbstmordanschlag in Kabul

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