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14.11.2016

20:06 Uhr

Moldau nach der Wahl

Mütterchen Russland ruft

VonAndré Ballin

Europa ade: In Moldau spricht die Regierung von europäischen Werten, dabei ist das System von Korruption zerfressen. Der neue Präsident will sich Richtung Moskau orientieren. Für Russland ist das selbstverständlich.

Chisinau, Moldau: Eine Frau auf dem Weg zur Stimmabgabe. dpa

Wahlen in Moldau

Chisinau, Moldau: Eine Frau auf dem Weg zur Stimmabgabe.

MoskauVon „forgotten men“ in den USA zum „forgotten country“ in Osteuropa: Die Ex-Sowjetrepublik Moldau ist seit Jahren das Armenhaus Europas. Das Durchschnittsgehalt liegt bei offiziell 234 Euro, während Oligarchen, allen voran Milliardär Wladimir Plahotniuc, die Politik bestimmen. Die Regierung spricht von europäischen Werten, dabei ist das System von Korruption zerfressen. Der verarmte Agrarstaat zwischen der Ukraine und Rumänien steckt seit Jahren in einer tiefen politischen Krise.

Die Unzufriedenheit mit dem aktuellen Kurs dokumentierte das Ergebnis der Präsidentenwahl am Sonntag, bei der der prorussische Kandidat Igor Dodon (41) den Sieg davontrug. In der Stichwahl setzte sich Dodon mit 52,57 Prozent gegen die liberale Kandidatin Maia Sandu (47,43 Prozent) durch; die Wahlbeteiligung lag bei 53 Prozent.

Der Wahlkampf wurde mit harten Bandagen geführt: Beide Kandidaten hatten sich vorgeworfen, im Filz der Korruption gefangen zu sein. Sandu war zwischen 2012 und 2015 Bildungsministerin, Dodon leitete von 2006 bis 2009 das Wirtschaftsministerium. Gegen als Kandidatin des Westens geltende Sandu wurden zudem Gerüchte gestreut, sie habe vor der Wahl Bundeskanzlerin Angela Merkel versprochen, ihr Land nehme 30.000 syrische Flüchtlinge auf.

25 Jahre danach: Was wurde aus den einzelnen Sowjetrepubliken?

15 neue Staaten

Der Zerfall der Sowjetunion 1991 hat 15 neue Staaten hervorgebracht. Ihre Schicksale in einem Vierteljahrhundert Unabhängigkeit sind sehr verschieden gewesen. Der Traum von Frieden und Wohlstand blieb für viele unerfüllt. Die Länder im Überblick.

Russland

Größtes Nachfolgeland, Atommacht, Energie-Exporteur. Verhinderte in zwei Kriegen die Abspaltung von Tschetschenien. Unter Präsident Wladimir Putin zunehmend autoritär. Steckt in der Krise, versucht aber, weltpolitisch wieder eine größere Rolle zu spielen.

Westen der Sowjetunion – Estland, Lettland und Litauen

Die kleinen baltischen Staaten stellten rasch auf Demokratie und Marktwirtschaft um. Seit 2004 Mitglieder in Nato und EU.

Weißrussland

Stabile Friedhofsruhe bei erträglichem Lebensstandard. Dauerherrscher Alexander Lukaschenko ist Russlands bester Freund und hält doch Abstand.

Ukraine

Zweitgrößtes Land Europas, großes Wirtschaftspotenzial, aber 25 Jahre lang unter seinen Möglichkeiten regiert. Zweimal Aufbegehren der Zivilgesellschaft: Orange Revolution 2004/5, Euromaidan 2013/14. Russland nahm 2014 die Krim weg und führt verdeckt Krieg im Osten.

Moldau

Ethnisch vorwiegend rumänisch. Verlor 1992 den russischsprachigen Landstreifen Transnistrien. Der eingefrorene Konflikt lähmt das arme Land politisch und wirtschaftlich.

Kaukasus – Georgien

Verlor nach 1992 Kriege gegen Separatisten in Abchasien und Südossetien. 2008 Niederlage gegen Russland. Hat sich zuletzt durch energische Reformen modernisiert.

Aserbaidschan

Ölreichtum am Kaspischen Meer kommt Präsidenten-Clan Aliyev zugute - erst dem Vater, nun dem Sohn. Ein Fünftel des Landes von Karabach-Armeniern besetzt.

Armenien

Sieg im Krieg um Berg-Karabach 1992-94 nützt nichts. Eingeklemmt zwischen Feinden Aserbaidschan und Türkei, nur die Schutzmacht Russland hilft.

Zentralasien – Kasachstan

Neuntgrößtes Land der Erde, lebt von Öl und Gas. Stabil, hat nie einen anderen Präsidenten gekannt als Nursultan Nasarbajew (76). Wer wird ihm nachfolgen?

Turkmenistan

Wüstenstaat, einer der größten Gasproduzenten der Welt. Fast so abgeschottet und diktatorisch wie Nordkorea.

Usbekistan

Herz der historischen Seidenstraße. Dauerherrscher Islam Karimow ließ 2005 hunderte Bürger in Stadt Andischan erschießen.

Kirgistan

Hochgebirgsland, arm, immer wieder von Unruhen erschüttert. Aber einzig halbwegs demokratisches Land der Region.

Tadschikistan

War das Armenhaus der Sowjetunion und bleibt es auch. 1992-97 Bürgerkrieg mit Zehntausenden Toten. Heute bedroht durch Islamismus aus dem benachbarten Afghanistan.

Quelle: dpa

Trotzdem konnte die 44-jährige Betriebswirtin und Ex-Weltbankberaterin ihren Rückstand zum Sozialistenführer aus der ersten Wahlrunde vor zwei Wochen deutlich verringern. Damals hatte sie noch mit rund zehn Prozent hinter ihrem Rivalen gelegen. Die Aufholjagd gelang durch eine stärkere Mobilisierung der jungen Wähler und auch der im Ausland lebenden Moldauer.

Diesbezüglich beklagte Sandu allerdings bereits am Wahltag Unregelmäßigkeiten, so hätten die Stimmzettel in den ausländischen Wahllokalen nicht gereicht.

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