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22.12.2015

16:01 Uhr

Moldau

Wenn ein Oligarch Oligarchie bekämpft

VonAndré Ballin

Im Armenhaus Europas, in der ehemaligen Sowjetrepublik Moldau, soll Ion Sturza die grassierende Korruption ausrotten. Doch gegen ihn steht nicht nur ein mächtiger Gegner, sondern auch die eigene Biographie.

Der Oligarch soll die Korruption in Moldau bekämpfen. Igor Rotari/UNIMEDIA

Ion Sturza

Der Oligarch soll die Korruption in Moldau bekämpfen.

Ion Sturza hat einen undankbaren Job: Der 55-Jährige soll die grassierende Korruption in der ehemaligen Sowjetrepublik Moldau ausrotten. Präsident Nikolai Timofti hat Sturza erneut mit der Regierungsbildung beauftragt. Doch ob es der Premierminister-Kandidat überhaupt ins Amt schafft, ist fraglich: Gegen ihn steht nicht nur ein mächtiger Gegner, sondern auch seine eigene Biographie.

Die Moldau, mit einem Pro-Kopf-Einkommen von rund 2.000 Dollar im Jahr das Armenhaus Europas, wird seit Monaten von politischen Protesten erschüttert. Der Skandal um eine Milliarde Euro, die aus der Nationalbank verschwand, hat schließlich zum Sturz der Regierung geführt. Seither ist es nicht gelungen, eine neue Koalition in dem zwischen prorussischen und prowestlichen Kräften geteilten Parlament zusammenzuschweißen. Moldau hat seit Ende Oktober keine handlungsfähige Regierung. Damals stürzte das Parlament per Misstrauensvotum das Kabinett von Ministerpräsident Valieriu Strelet, der seit dem 30. Juli mit einer proeuropäischen Koalition regierte.

Auch gegen Sturza hat sich bereits eine breite Front der Ablehnung formiert. Angeführt wird sie vom Oligarchen Wladimir Plachotnjuk, der selbst auf den Posten schielt und dabei – Paradox – von den Kommunisten unterstützt wird.
Für einen Neuanfang und das Ende der Oligarchie, die viele Demonstranten fordern, steht allerdings auch Sturza nicht. Laut Forbes ist er mit einem Vermögen von rund 100 Millionen Euro der reichste Mann des Landes. Sein Kapital hat er zunächst mit Banken, später im Erdölsektor zusammengetragen. Zwischendurch, 1999, war Sturza schon einmal Premier. Seine Amtszeit dauerte damals nur acht Monate. Nachdem das Land wegen Zahlungsunfähigkeit in eine Energiekrise geschlittert war, musste Sturza damals seinen Hut nehmen.

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