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25.11.2011

04:06 Uhr

Moody's Herabstufung

Ungarns Staatsanleihen verfallen zu Ramsch

Ein weiteres europäisches Land fällt bei einer Ratingagentur in Ungnade: Moody's hat Ungarns Kreditwürdigkeit herabgestuft. Die ungarische Regierung fürchtet Spekulationen gegen die nationale Währung Forint.

Ein verschuldeter Laden in Budapest. Zwangsräumungen sind dort derzeit legal. dapd

Ein verschuldeter Laden in Budapest. Zwangsräumungen sind dort derzeit legal.

Washington/Budapest/FrankfurtDie US-Ratingagentur Moody's hat Ungarns Kreditwürdigkeit auf Ramschniveau herabgestuft. Ungarische Staatsanleihen wurden von der Note Baa3 um eine Stufe auf Ba1 herabgesetzt, teilte Moody's am Donnerstag mit.

Die Agentur begründete den Schritt mit anhaltenden Zweifeln an der Fähigkeit des Landes, seine Finanzen nachhaltig in Ordnung zu bringen. Es werde immer unsicherer, ob das Land angesichts seiner eingeschränkten Wachstumsaussichten seine mittelfristigen Ziele zur Konsolidierung der Finanzen und der Reduzierung der öffentlichen Schulden erreichen könne. Der Ausblick bleibe „negativ“.

Ungarn hatte am Montag angesichts einer drohenden Herabstufung durch Ratingagenturen den Internationalen Währungsfonds und die Europäische Union um vorsorgliche Finanzhilfen gebeten. Die ungarische Regierung betonte dabei, dass die Ersuchen um Hilfe „vorbeugend “ seien. Der Fraktionschef der regierenden Fidesz-Partei, János Lázár, bekräftigte, das Land wolle sich weiter selbst Geld am Markt beschaffen. Die Hilfen von IWF und EU dienten als Sicherheitsnetz, um ein Wirtschaftswachstum von einem Prozent im Jahr zu erreichen.

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Durch die Hilfeersuchen können IWF und EU nun offizielle Verhandlungen mit Budapest über eine Unterstützung aufnehmen. Ungarn gehört der Europäischen Union an, ist aber nicht Mitglied der Eurozone.

Das Land steht an den Finanzmärkten seit Wochen unter Druck. Die konservative Regierung von Ministerpräsident Viktor Orban versicherte mehrfach, dass sie die Neuverschuldung unter drei Prozent der Wirtschaftsleistung drücken wolle. Zudem verwies sie darauf, dass die Gesamtverschuldung des Landes im vergangenen Jahr von 81 auf 73 Prozent des Bruttoinlandsprodukts gesenkt worden sei.

Die ungarische Regierung vermutet zudem, dass in jüngster Zeit gegen die nationale Währung Forint spekuliert wurde. Die Ermittlungsbehörden seien deshalb angewiesen worden, Nachforschungen anzustellen, sagte ein Regierungssprecher am Donnerstag. „Die makroökonomischen Daten geben keinerlei Anlass, gegen den Forint zu wetten“, erklärte er auf einer Pressekonferenz.

Zudem werde das Verbot von Zwangsräumungen ab 1. Dezember wieder eingeführt und gelte bis März kommenden Jahres. Die Regelung war zum 1. Oktober aufgehoben worden.

Kommentare (6)

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Account gelöscht!

25.11.2011, 03:40 Uhr

Man stelle sich vor, Ungarn waere 2010 zum Euro gekommen. Geplant ist es ja immer noch in der Zukunft.

Also ich kann mir nicht helfen. Mittlerweile muesste ja der letzte Euro-Befuerworter erkennen, dass der Euro so nicht funktioniert. Entweder man akzeptiert eine Transferunion, wozu auch aber nicht nur Euro-Bonds gehoeren, oder der Euro hat keine Zukunft.

Ich sehe aber auch nicht den Vorteil vom Euro. Die jetztige Situation zeigt ja die gravierenden Nachteile.

Deutschland hat gut mit der DM gelebt. Es gibt ja auch andere Beispiele in der EU wie die Schweden, die hervorragend mit ihrer Landeswaehrung leben. Warum versucht man uns immer den Untergang mit der DM einzureden? Warum wird so an diesem Euro festgehalten?

Klar haette ich Antworten fuer das Warum aus meiner Sicht. Aber ich schreibe sie besser nicht hier ;-)

Novaris

25.11.2011, 06:52 Uhr

"Warum wird so an diesem Euro festgehalten?"
weil der EURO eine "politische" Währung ist und nur funktionieren kann mit einer gemeinsamen Wirtschafts- und Finanzpolitik zuzüglich Länderfinanzausgleich.
An diesen Voraussetzungen fehlt es bislang.
Insbesondere die Südstaaten der EURO-Zone werden ihre Staatshaushalte ohne Neuverschuldung nur via Länderfinanzausgleich ausgleichen können, wenn die Lebensvehältnisse in Europa angeglichen werden sollen.
Überspitzt formuliert handelt es sich bei den seit der EURO-Einführung aufgetürmten Neuschulden der Pleiteländer um Beträge, die bei existierendem Länderfinanzausgleich hätten ausgeglichen werden müssen.
Der kumulierte Betrag dieser Schulden - anteilig auf Deutschland verteilt - würde in etwa den Betrag in EURO ergeben, der von Deutschland als Länderfinanzausgleich
hätte gezahlt werden müssen.
Eine Horrorvorstellung. Die Beibehaltung des EUROs unter Herstellung der gesamten Funktionsessentials wird in Deutschland zu einem gravierenden Wohlstandsverlust führen. Das ist wohl der Preis, der für ein friedliches Europa gezahlt werden muß.

Account gelöscht!

25.11.2011, 07:51 Uhr

Windige Erklärungen zur ungarischen Krise.
Bestimmende mafioese Strukturen finden sich in Budapest ebenso wie in Athen. Jetzt bricht für den Normalbuerger das europ. Scheingebilde billiges Geld/Wohlstand zusammen. Nur reissen diese Gnome wichtige Kreditgeber mit in den Orkus.
Die Idee europ. Haus ist ad absurdum gefuehrt. Es ging denen nur um volle Taschen. Paar Deppen beglichen bisher die Rechnung. Wer kauft denn Forintramschanleihen ?. die EZB ? Wir kippen nun ganz schnell ab. Schoene Krise, schoenes Weihnachten.

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